Smartphonekacker

Ohne Smartphone geht es nicht mehr. Zumindest bei mir. Inzwischen läuft alles über die Dinger: U-Bahn-Verbindung raussuchen, Kneipe finden, Wikipedia, wenn ich wieder mit nutzlosem Wissen glänzen will, stundenlange Wartezeiten in Arztpraxen mit Bloglesen überbrücken, damit ich nicht Gala oder – noch schlimmer – Focus lesen muss, Satellitenbild vom Hotel in Chisibubikaio anschauen, das ich für den Sommer gebucht habe, Überweisung für die gierige Hausverwaltung klarmachen oder einfach das Kind davorsetzen und daddeln lassen, wenn es nervt.

Easy.

Wenn ich mir Sushi an den Ort bestelle, an dem ich mich gerade befinde, dann ist das mit ein wenig wischen erledigt, inklusive bargeldlosem Bezahlen. Wenn ich mir im Zoo Palast einen Film anschauen will, dann ist der Logenplatz in einer Minute gebucht. Und bezahlt. Einchecken dann übers Display. Ist so. Geht so. Läuft so. Alles Sehr viel mache ich inzwischen damit und finde das ausdrücklich gut.

Natürlich bin ich mir der lückenlosen Überwachung bewusst, der inzwischen allgemein bekannten Tatsache, dass alles, was Sie mit dem Ding tun, mitgeschnitten, registriert, kategorisiert und wahrscheinlich sogar bewertet wird. Irgendwer schnorchelt uns eben immer ab. Geheimdienst. Google. Krankenkasse. Wolfgang Schäuble. Schlimmer als meine Nachbarn. Ist halt so. Die NSA weiß jetzt, dass ich mir am Freitag The Hateful Eight in der raren 70mm-Fassung anschauen werde. Und Sie wissen es jetzt auch. Kommen Sie darauf nicht klar, dann sollten Sie das mit dem Smartphone sein lassen. Denn aufhören werden die damit nicht.

Sie sehen, ich mag Smartphones sehr. Tolle Dinger. Sie beschäftigen mich und Typen wie ich brauchen Beschäftigung. Weil es zu wenige Laufräder in der Stadt gibt. Außerdem lenkt es ab. Von den anderen Menschen dieser Stadt. Die sinnlos kommunizieren wollen. Die immer sinnlos kommunizieren wollen. Und ich hasse sinnlose Kommunikation, außer sie bezahlen mich dafür.

Doch eines verstehe ich nicht: Wann zum Teufel haben die Leute damit begonnen, ihr Smartphone zum Kacken mitzunehmen und nervös zu werden, wenn sie es vergessen? Ich hatte schon Leute als Gäste, die sind extra noch einmal vom Klo zurück gekommen, um ihr Smartphone zu holen, das noch auf dem Tisch lag. Weil sie ohne nicht kacken können.

Das kann solche Abende streckenweise sehr öde machen, denn das Kacken dauert bei diesen Leuten inzwischen dreimal so lange wie früher und die Klos sind dementsprechend länger blockiert. Was machen die da? Freundschaftsanzeigen bei Facebook checken? Mit Mama chatten? Wie muss ich mir das vorstellen? Da sitzen sie auf dem Thron, die Kackwurst unten im Wasser weicht langsam auf und wird fahl, aber diese Nachricht, dieses Bildchen, dieser Status muss noch raus. Oh, da ist noch eine Mail gekommen, na gut, eine mach‘ ich noch.

Und da sitzen sie dann und sitzen und sitzen und holen sich reihenweise Hämorrhoiden, weil sie auch beim Kacken die Griffel nicht von dem Internet nehmen können und deshalb länger sitzen als gut für die Rosette ist.

Ganz besonders schlimm ist es im Borgwürfel, denn Kacken bedeutet Laufradpause ohne dass es als Laufradpause gewertet wird. Das hat zur Folge, dass das verdammte Scheißhaus dauerbesetzt ist und ich zum Kacken mit dem Fahrstuhl in eine andere Etage fahren muss, nur um dort festzustellen, dass da auch zwei Patienten auf der Schüssel sitzen und alle Levels von Need for speed durchspielen. Oder bei Clash of Clans eine neue Burg bauen. Im Team. Durch die Trennwand. Alter…

Smartphonekacker. Scheißhausblockierer. Wir brauchen unbedingt standardmäßig eingebaute Störsender auf den Scheißhäusern, das muss aufhören. Die durchschnittliche Kackzeit muss wieder gesenkt werden. In. Out. Gone in five minutes. Störsender. Das geht nur mit Störsendern. Wo ist die EU mit ihren berühmten Gängelrichtlinien, wenn man sie braucht?

Früher hatte ich mal die unausgegorene Idee, ein Internet-Terminal auf meinem Klo einzubauen. Komplett in die Wand eingelassen, am Stromnetz und WLAN angeschlossen und mit Boxen für die Mucke verkabelt. Und mit aus der Wand ausfahrbarer Tastatur und Maus.

Werde ich nicht machen. Plan gekillt. Denn sonst kommen sie nie wieder vom Klo zurück.