Was passiert eigentlich, wenn ein Blogger stirbt?

Schon mal darüber nachgedacht, was passiert, wenn ein Blogger stirbt?

Ich kann Ihnen sagen, was bei mir passiert, abgesehen davon, dass mich die, die für meine Reste verantwortlich sind, verbrennen lassen und das übriggebliene Pulver in einer (hoffentlich ausgesoffenen) Flasche Glenlivet in die Spree werfen: Hier werden weiter Blogposts veröffentlicht.

Und das kommt so: Vieles hier ist zwar spontane Eruption, unterirdische Flegelei aus der Hüfte geschossen, rausgekloppt zwischen Borgwürfel, Kind duschen und Whisky saufen, einiges jedoch ist abgehangenes Zeug. Fragmente. Irgendwelche Fotos, zu denen ich irgendwann mal irgendwas schreiben wollte, aber bisher nur Stichworte zusammengebracht habe, einzelne Phrasen, manchmal ganze Absätze. Vordatiert. Liegengelassen, bis ich dazu komme, einen richtigen Text draus zu machen. Das Witzige dabei ist: Wenn ich morgen tot umfalle, werden die Fragmente, die Stichwortsammlungen, wird das zusammenhanglose Gestammel mit der Zeit einfach veröffentlicht, auch wenn ich schon lange nicht mehr da bin. Das muss furchtbar sein für die, die zurückbleiben: Der Irre spricht aus dem Jenseits. In Rätseln.

Wie bekommt so ein Leser eigentlich vom Tod eines Bloggers mit? Indem er einfach nicht mehr schreibt? Die Dinge einfach enden? Kommentarlos? Sagt Ihnen Jacob Jung etwas? Das war mal ein ziemlicher Senkrechtstarter in der Blogodingsda. Politik. Gesellschaft. Gegenöffentlichkeit. Verlinkt bei allen, die Rang und Namen haben. Bildblog. Nachdenkseiten. taz. Vergessen wo noch. Tolle Texte. Tolle Statements. Meinungsstark. Eloquent. Smart. Geteilt ohne Ende. Fanboys ohne Ende. Kommentare ohne Ende. Trolle ohne Ende. Das Feedback, das die Welt bedeutet. Und dann hat er einfach aufgehört. Am 21.3.2012 der letzte Text. Dann nichts mehr. Ohne Statement. Ohne Erklärung. Was war da los? Ist er tot? Niemand weiß etwas. Es endete einfach und keiner weiß warum. Mysteriös. Die Leserschaft rätselte noch eine Weile in irgendeinem Forum einer marginalisierten Zeitschrift vor sich hin und dann zog man weiter. Andere kamen nach, andere hörten auf, manchmal mit Paukenschlag, manchmal mit dem erklärungslosen Löschen des ganzen Blogs (und dem unweigerlichen Wiedereröffnen).

Viel bleibt nie. Am Ende bleibt wahrscheinlich sogar nichts. Denn wenn ein Blogger stirbt, geht kurz darauf seine Domain platt, wenn sie nicht mehr weiter bezahlt wird. Wenn er bei einem kostenlosen Hoster bloggt, dann bleiben die Inhalte länger bestehen, mindestens so lange bis der Hoster schließlich seinen Dienst einstellt (was sie immer irgendwann tun, machen wir uns nichts vor). Also ist auch dieser virtuelle Ort hier, an dem Sie gerade lesen, nicht für ewig. Wie im Prinzip alles. Was ich hier schreibe, was Sie hier schreiben, Texte, Kommentare, Likes, Shares, Liebeserklärungen, Hassmails, geht schon nach wenigen Stunden unter im allgemeinen Rauschen und hat natürlich nichts bewirkt. Das tut es nie.

Was also passiert, wenn ein Blogger stirbt? Nichts. Es passiert nichts. Es spielt keine Rolle. Es ist völlig unerheblich. Vergänglichkeit ist Vergänglichkeit ist Vergänglichkeit. Alles endet.

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber mir gefällt das.