Schüler im Museum

Haha.

Völlig benommen schlurft eine Schulklasse vor mir durchs Deutsche Historische Museum.

Schnarch.

Laaaaaaaaaaaaaangweilig.

Einem hängt ein Sabberfaden aus dem Mund, er schläft mit offenen Augen. Der Lehrer labert irgendwas über den 30-jährigen Krieg, ein Schüler reißt den Dauerbrenner „Ey, der Kowalke labert so, der hat den bestimmt selber erlebt.“ Der Rest der Meute starrt ins Leere oder auf die Displays der Smartphones. Das meistegepostete Statusnachricht auf Facebook wird heute wahrscheinlich „Lehrer fickt gerade mein Kopf“ sein.

Ich muss unwillkürlich lachen und leide mit. Da muss wohl jeder Schüler mal durch. Museum. Mit dem Lehrer. Das ist Folter. Verstößt gegen alle internationalen Konventionen. Zumindest gegenüber Menschen in einem Alter, in dem ganz was anderes zählt, der nächste Spliff, der Highscore bei Call Of Duty Multiplayer, die Titten von Schantalle… wobei, mit dem spaßarmen Hippielehrer mitzulaufen und mich von seinem leierartigen Singsang (der beweist, dass er schon lange resigniert hat) einlullen zu lassen wäre auch für mich Folter, der Geschichte eigentlich mag, wenn sie gut gebracht wird wie hier.

Wie immer wird die Klasse erst lebendig, wenn Hakenkreuze zu sehen sind.

Ist doch klar. Voll krass, ein Hakenkreuz. Kennt man sonst nur von den Schultoiletten.

Auch krass: Adolf ist tot.

Und noch krasser: Ich mag das Museum. Wir unternehmen eine Wanderung durch die deutsche Geschichte in chronologischer Reihenfolge. Wir beginnen bei den Resten der ersten halbwegs zivilisatorischen Besiedelung, erleben das Mittelalter, Könige, Kaiser, Prunk, Protz, Industrialisierung, die ersten Webmaschinen, die erste Republik, dann Adolf, viel Adolf, Adolf auf Plakaten, Adolf im Kino, dann ist Adolf tot und wir werden wieder eine Republik, dann kommen die 68er und vertreiben den Muff, die vielen Kanzler sieht man, deren Wahlplakate … und irgendwann fällt die Mauer. Das Ende der Geschichte? Mitnichten. Ein bisschen Gegenwart finden wir auch schon, auch Agendakanzler Schröder ist schon Geschichte, das Museum schreibt sie einfach weiter. Plastisch. Anschaulich. Spannend.

Wenn man erwachsen ist.


DHM


Altes Qype-Fossil. 2011. Ausgegraben und hier vewurstet, bevor es verwest.