Lass mal netzwerken – Kiezschreiber Edition (Berliner Asche)

Wenn der feine Herr Eberling eines kann, dann ist es schreiben. Wenn der feine Herr Eberling eines nicht kann, dann ist es das ordentliche Aufbereiten seiner Werke, das Verkaufen, das Entgegenkommen gegenüber den Konsumenten, den Abbau von Barrieren oder wenigstens ordentliche Links. Eine Übersicht. Nix. Kann er nicht. Ein Chaot, kein eBook, kein Inhaltsverzeichnis, nur wurstiges Einhacken eines von ihm geschriebenen Buchs in irrwitziger Kapitelfolge in sein Blog, das immer noch zu wenige lesen und wo das Zeug schon mit dem Jahreswechsel kaum noch zu finden ist, weil nichts darauf verweist, dass unter dem zugeklappten Blog-Archiv im linken Frame des billigen Themes seines schlechten Freehosters so etwas rumliegt. Ich krieg‘ Pickel, Alter. Das lieblos rausgerotzt zu nennen wäre ein dreister Euphemismus. Ein Schlumpf ist er! Ein Schlurch! Der Chaot der Chaoten. Ich weiß wie die Wohnungen von so Typen wie Eberling aussehen. Sauställe. Messibutzen. Abraumhalden. Berge von Papierstapeln. Pizzakartons. Am Lampenschirm eine alte Socke. Zahllose Kanten Shit in Alufolie unter Miederwarenkatalogen. Den Keller voll mit alten Penthouse-Ausgaben aus den 80ern, seiner großen Zeit. Und 25 volle Aschenbecher. In jedem Raum. Er raucht Selbstgedrehte. Natürlich. Sie werden nie irgendwas finden in solchen Buden, der Behauser jedoch schon, der lebt nämlich seinen Unrat, sein Chaos, seine Schlumpfigkeit, der hat sich der Sinnlosigkeit jedweder Ordnung hingegeben, ist mit dem Grind seiner Umgebung verwachsen. Die armen Erben, die irgendwann einem prekären weißrussischen Entrümpler viel Geld zahlen müssen, damit der den ganzen Mist in Bauschuttcontainern irgendwo auf dem Balkan entsorgt, weil das Zeug sonst niemand anfassen will. Oder die Stadt reißt die Bude einfach ab, gräbt den Schorf einmal um und verscheuert den Bauplatz an eine zuversichtliche junge selbstoptimierte Familie, die sich ein Townhaus baut. Meine Güte, wenn Typen wie Eberling für Ihre Buchhaltung verantwortlich sind, melden Sie lieber gleich Insolvenz an, bevor das Finanzamt Sie in den Karzer bei Tofu und Rhabarberschorle sperrt, weil Sie diesen verwahrlosten Dschungel von Zettelwirtschaft allen Ernstes Jahresabschluss genannt haben.

Ach fick mich doch weg, mich Homofürst. Alles muss ich selber machen, weil dieser verkrachte alte Künstler wieder nix gebacken kriegt. Hier, bitte, sein Roman „Berliner Asche“, klicken Sie, klicken Sie, es ist Literatur, und es ist gratis, klicken Sie:

Berliner Asche

Einleitung

Kapitel 1, Szene 1

Kapitel 1, Szene 2

Kapitel 1, Szene 3

Kapitel 1, Szene 4

Kapitel 2, Szene 1

Kapitel 2, Szene 2

Kapitel 2, Szene 3

Kapitel 2, Szene 4

Kapitel 2, Szene 5

Kapitel 2, Szene 6

Kapitel 2, Szene 7

Kapitel 2, Szene 8

Kapitel 2, Szene 9

Kapitel 3, Szene 1

Kapitel 3, Szene 2

Kapitel 3, Szene 3

Kapitel 3, Szene 4

Kapitel 3, Szene 5

Kapitel 3, Szene 6

Kapitel 3, Szene 7

Kapitel 3, Szene 8

Kapitel 4, Szene 1

Kapitel 4, Szene 2

Kapitel 4, Szene 3

Kapitel 4, Szene 4

Kapitel 4, Szene 5

Kapitel 4, Szene 6

Kapitel 4, Szene 7

Kapitel 5, Szene 1

Kapitel 5, Szene 2

Kapitel 5, Szene 3

Kapitel 5, Szene 4

Kapitel 5, Szene 5

Kapitel 5, Szene 6

Kapitel 6, Szene 1

Kapitel 6, Szene 2

Kapitel 6, Szene 3

Kapitel 6, Szene 4

Kapitel 6, Szene 5

Kapitel 6, Szene 6

Kapitel 6, Szene 7

Kapitel 6, Szene 8

Kapitel 6, Szene 9

Kapitel 7, Szene 1

Kapitel 7, Szene 2

Kapitel 7, Szene 3

Ein gutes Buch. Bis ins Kapitel 6 hinein flüssig und schlüssig geschrieben, mit Tiefsinn, Witz und dem unverstellten Blick auf die Stadt aus einer Position, die ich aus seinem Blog schätze. Unideologisch. Klar. Immer auch spöttisch. Mit der erforderlichen Distanz, aber nie wahllos, sondern Sie lesen immer heraus, wem seine Zuneigung gilt. Dem Guten. Und dem guten Leben. Ich mag das. Wir gehen schweren Zeiten entgegen. Die Ideologien triumphieren, die Religionen gewinnen Land, die Esoterik boomt und humorlose Asketen ziehen Fäden. Da braucht es solche Typen, da muss ich Spötter in meiner Nähe wissen, um das alles mit der größtmöglichen Heiterkeit zu überstehen.

Spucke in der Suppe? Na klar, hier: Ab Kapitel 6 wird es arg bemüht, da wird er plötzlich fahrig und gerade der inhaltliche Kern in Form des schmerzhaft akademischen Dialogs zwischen dem Nazi-Securitymann und dem linksradikalen Zündler wirkt schwer konstruiert. Da wollte er zu viel. Und griff zur Brechstange, dem falschen Instrument, denn solche (zweifellos sehr klugen) Aussagen wie aus diesem Dialog müssen in den Subtext, immer in den Subtext, denn sie sind des Holzhammers der direkten Rede ungeeignet. So bleibt diese Szene in dieser Form seltsam unwirklich und in etwa so realistisch wie Coke Zero im Biomarkt oder eine Prenzlmutter ohne grün-braune Schlammscheißeklamotten. Beim Lesen sprang es mir fast ins Gesicht, dass da einer so langsam fertig werden wollte. Keine Geduld mehr hatte. Oder ihm auch nur der Esprit ausging. Das ist dann schade, wenn auch nur ein wenig.

Danke, hat sich gelohnt. Schnell zu lesen. Flockig zu lesen. Zack, weggeatmet. Kurz gerülpst. Gut war’s. Ich würde jetzt gerne bezahlen. Doch der Eberling macht einem auch das unmöglich. Kein Flattr, kein Konto, kein Postfach für Bargeld, nicht mal eine Amazon Wunschliste, von der ich ihm was schönes bestellen kann. Diese Künstler, diese verfickten Künstler, meine Nerven … und jetzt klicken Sie schon, verdammt.