Antonia Kuttner, Mutter, Prenzlauer Berg.

Neulich in einer Low Budget-Werbeagentur irgendwo in einem Hinterhof in Berlin-Mitte:

„Guten Morgen zusammen, wir brauchen ein paar Ideen für den Berlintarif dieses defizitären Stromkonzerns mit dem Ruf eines vogtländischen Frauenmörders, der sich keine bessere Reklamebutze als uns leisten kann. Die Kampagne für ‚Ali Baba und die 40 Döner‘ im Kollwitzkiez haben wir ja erfolgreich komplett versemmelt, da haben wir wieder Luft für was Neues. Irgendwelche Vorschläge? Niemand? Ja, du, Praktikant. Lass knacken. Her mit den Knallern.“

„Also, Chef, naja, die haben doch da in Prenzlauer Berg alle diese Unverträglichkeiten. Lactose. Gluten. Fruktose. Glukose. Histamin. Weizenkeim. Außerdem saufen die Mütter da vor lauter Langeweile den ganzen Tag in irgendwelchen quietschbunten Krabbelbistros diesen von einärmigen Waldorfkindern handfermentierten Kaffee aus Chisibubikaio mit Kokossirup und Milchschaumkrone. Ich würd‘ mal sagen wir kombinieren das alles zu einem wunderbaren Gesamtbild. Augenzwinkernd und unfassbar ironisch. Wir nehmen ein schlecht blondiertes und blöd grinsendes White Trash-Model von dieser weißrussischen Agentur, keinesfalls blutjung, schon ein bisschen angehärmt, die dritte Garnitur quasi, muss ja authentisch sein. Die setzen wir dann hinter einen Kinderwagen, drücken ihr so eine widerliche Sirupbrühe in die Hand und fertig. Natürlich heißt die dann auf dem Plakat nicht Irina oder Ljudmila wie in echt, sondern bekommt irgendsoeinen bescheuerten Prenzlauer Berg-Muttinamen. Mareike. Kirsten. Birte. Oder Antonia. Und als Nachnamen irgendwas hippes. Böhmermann. Winterscheidt. Oder … hey, ich hab’s: Kuttner. Wie dieses abgetackelte Berlin-Friedrichshain-Abziehbild für Immer-noch-Simon-Dach-Kiez-Gänger mit abgekauten Fingernägeln und schlechten Zähnen, die Talkshows für altgewordene Hipster auf irgendwelchen totsubventionierten öffentlich-rechtlichen Spartensendern moderiert. Zusammengefasst ergibt das: Unverträglichkeit. Kinderwagen. Milchschaumkaffee. Antonia Kuttner. Dit is Balin. Hahaha. Na? Na? Gut, oder?“

„Ja! Sehr gut! So machen wir das!“



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