Versteh ick nich (2)

Lass doch mal Fülm schau’n…

Verstehen Sie das? Nein? Moment, ich mache es deutlicher:

Immer noch nicht? Okay, there we go: Sie wollen von mir 9,99 € für den Stream eines (zugegebenermaßen beschissenen) Films. Die DVD hingegen ist gebraucht für etwas über 2 € zu haben, wobei hier noch Versandkosten von 3 € obendrauf kommen, was diese altbackene Metallscheibe aber immer noch billiger macht als den Stream.

Wenn Sie glauben, dass das ein Einzelfall ist, dann schauen Sie sich das mal an. Der (zugebenermaßen beschissene) Film, den ich als großer Freund des Schauspielers Johnny Depp unbedingt sehen möchte, kostet überall gleich viel. Als Stream. Knapp einen Zehner. Überall. Die Einheitspreise sind wieder da. In der Puffversion. Nur ohne als Champagner ettikettierten Rotkäppchensekt. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem ich andererseits problemlos eine gebrauchte DVD zu einem Drittel des Preises kaufen kann, für die ich jedoch den schwachbrüstigen verspinnenwebten DVD-Player aus dem hintersten Regal der Abstellkammer hervorpulen und wieder neu verkabeln muss. DVD. Ich meine, hey, wer hat noch DVDs? DVDs spielen in einer Liga mit Chromkassetten. CB-Funkern. IRC. Dem Usenet. Demnächst kommt noch einer mit Magnetbändern und bietet die noch billiger an. Und ich muss aus meiner alten Kackschule den Projektor aus dem Keller holen. Was soll das? Wem nutzt das? Stupid me. Ich habe nämlich nur noch Stream. Kein Metallmüll mehr, kein Porto, keine untote Postschlange, in der ich lebendig verwese, bevor ich endlich mit einem inzwischen gewachsenen grauen Vollbart und Stirnglatze ein Paket mit dem (zugegebenermaßen beschissenen) Film abholen kann, weil ich schon wieder zu oft im Borgwürfel war, um zum Zeitpunkt des Klingelns vom DHL-Schlumpf zuhause sein zu können, nee, nix von dem ganzen Scheiß der Nullerjahre will ich mehr haben, sondern auf der Couch fläzen, Taste drücken und die Welt kommt zu mir. In HD. Und selbstmarinierte Chicken Wings mit Sour Cream und ein dreifacher Scotch stehen auf dem Tisch. Wer braucht schon Kino, wenn er einen Stream auf der Monsterflachbildglotze hat?

An so etwas Einfachem wie dem mit Puffpreisen versehenen Stream eines (zugegebenermaßen beschissenen) Films zeigt sich ganz unverbrämt, wohin der freie Markt führt, wenn man ihm die Gelegenheit gibt, sein Angebot umfassend zu regulieren: Ein Preismonopol. Mit einer Spirale nach oben. Hurra. Volkswirtschaft für Hirntote. Die einzige Möglichkeit, dieses Monopol zu umgehen, ist wieder einmal der Untergrund, vulgo: Die illegalen Streams. Oder eben DVD auf einem verblödeten physischem Medium. Die man bestellen muss. Wie vor 20 Jahren. Per Post. Mit Schlange. Wegen des DHL-Schlumpfs, Sie wissen schon.

Ehrlich, ich verstehe es nicht. Die Nachfrage ist da. Der Wille auch. Ich will Geld zahlen diesen (for fuck sake) Film. 4 €. 5 wegen mir. Maximal. Aber auf keinen Fall 10. Niemand von Verstand bezahlt 10 € für diesen (wirklich unglaublich beschissenen) Film. Was geht in der Filmindustrie vor? Was wollen sie? Was bezwecken sie? Ich verstehe es nicht.


Dieser Blogpost wurde gerade fertiggestellt und korrekturgelesen während ein kleines Kind auf meinem Bauch, Brust und Gesicht rumhüpft und das als „Papaaaaa! Spieleeeeen!“ verkauft. Machen Sie das mal nach.


Nix versteh


 

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