Cyprus Chill: Nachgeburt

Egal wie gut Sie sich im Urlaub erholt haben: Wenn Sie in Schönefeld landen, bekommen Sie sofort schlechte Laune.

Unmittelbar nach Verlassen meines Flugzeugs bildet sich eine schönefeldtypische Einrichtung: Eine Menschenschlange. Meine ist für die Passkontrolle. Warum das? Hat die Troika Zypern aus der EU gekickt oder haben sie mal wieder Schengen  – die einzige Errungenschaft, die die EU überhaupt noch sympathisch wirken lässt – wegen akuter Hysterie vor irgendwas außer Kraft gesetzt?

Egal. Weiter geht es mit stoischem Warten von entnervender Dauer, neben der schieren Hässlichkeit einer der Kernkompetenzen Schönefelds: Sie warten immer auf irgendwas. Und zwar lange. Damit es sich lohnt. Bei mir ist es jetzt das Gepäckband. Hier in Schönefeld brauchen die Schlümpfe für das Gepäck eine schlappe halbe Stunde und das für die lausigen 20 Meter, die ich vom Flieger hierher ans Gepäckband gelaufen bin. Und weil das noch nicht nervend genug ist, fertigen sie dann gleich drei Flüge auf einem Gepäckband ab, so dass Zustände entstehen wie in Prenzlauer Berg, wenn ein neuer Bioladen aufmacht und das vegane Rührei aus aufgeschlagenem Sojaeiweiß zusammen mit einem Topf Kresse im Sonderangebot ist.

Dieses perfekte Chaos unmittelbar nach meiner Landung aus Zypern hat zur Folge, dass ich die letzte S-Bahn verpasse, die heute nacht noch von Schönefeld abfährt, was aber nicht schlimm ist, weil – wie ich durch ein heimtückisch versteckt gelegenes Schild an irgendeinem Nebenausgang erfahre – heute sowieso nichts von Schönefeld fährt, da die S-Bahn Berlin wieder wegen irgendwas einen Teil ihres Betriebs eingestellt hat. Keine Wagen. Keine Zugführer. Keine Lust. Kaputte Weichen. Kaputte Signale. Menstruation. Wechseljahre. Einfach Boykott. Oder pure Resignation. Auch egal. Sie fährt nicht. Natürlich nicht. Hier ist Berlin, hier fährt nix und hier geht auch nix. Der letzte Regionalzug Richtung Innenstadt ist auch schon weg. Totentanz. Last Exit Schönefeld. Hier fährt ganz einfach gar nix, ich sitze am Stadtrand der deutschen Hauptstadt und hier geht schon um kurz nach Mitternacht nix mehr.

Und weil Schönefeld immer noch ein wenig beschissener als jeder durchschnittliche überlaufene Verkehrsknoten sein möchte, gibt es zu wenige Taxen für die Nicht-Kunden der nicht fahrenden S-Bahn, so dass Sie um Mitternacht an dieser Witzfigur von Flughafen dumm in der Gegend rumstehen wie um Mitternacht auf dem Acker von Bauer Mette in Rudow. Da kommen sie genauso gut weg. Weil auf dem Acker auch zu wenig Taxen sind. Nur mit dem Unterschied, dass auf dem Acker von Bauer Mette keine Flugzeuge landen. Zumindest keine mit mir drin. Ha Ho He. Willkommen in Berlin. Nix geht hier. Gar nix. Gehen Sie doch zu Fuß, wenn Sie von hier weg wollen. Ist uns doch egal. Freundliche Grüße. Ihre Verwaltung einer nicht funktionierenden Stadt.

Dieser Flughafen ist jetzt schon in dieser kleinen Ausgabe ein Trauerspiel. Wie soll das mit der größeren Version nur laufen, mit der sie sich gerade nebenan schon vor der Eröffnung vor dem ganzen Land zum Gespött machen? Nein. Aus. Weg. Konsequenterweise müsste man diese ganze vollkommen verschlumpfte Stadt planieren, abreißen, einstampfen und dann ganz neu aufbauen – mit Personal, das weiß, wie ein Gemeinwesen effektiv und funktionabel organisiert werden muss ohne dass die Menschen vor Hass die verantwortlichen Technokraten an den Straßenlaternen baumeln sehen möchten. Mein Berlin. Ich will hier endlich mal Leute, die was können. Profis. Also Chinesen. Oder Koreaner. Oder Zyprioten. Hey, in Larnaca beim Hinflug war mein Gepäck vor mir am Band. Vor mir! Respekt. Und Berlin, ach Berlin, das hier an diesem räudigen Irrenhaus von Flughafen ist nicht nur eine ganz andere Liga, das ist eine ganz andere Galaxie. Das ist servicemäßige Bezirksklasse F. Die Thekenliga, aus der keiner mehr absteigen kann, weil es bereits der Keller aller Ligen ist, in der die Besoffenen mit Bierpulle auflaufen und im Mittelkreis vor dem Anspiel ihre Kippe ausdrücken. Hier ist Schlumpf. Hier ist Hauptstadt. Hey, Berlin. Warum gehst du nicht nach Hause und gibst jedes Spiel 0:3 verloren? Das erspart uns gleich von vorneherein die Hoffnung darauf, dass es jemals besser werden wird.

Oder reiß dich einfach ab. Ja. Einreißen. Planieren. Einstampfen. Teeren. Federn. Auf einem Balken aus der Stadt tragen. Weg damit. Diese Stadt kann gar nix. Und ich fürchte das wird sich nie ändern.