Lass mal netzwerken – Links vom 7. Juli 2015

Ich bin gar nicht so der große Bücherleser. Wenn Sie Kinder haben, dann ist Lesen eines der Dinge, zu denen Sie kaum noch kommen, zumindest wenn Sie dazu auch noch bloggen und anderen Bloggern folgen.

Ich habe es nun nach Monaten endlich geschafft, das Buch Druckstaueffekt von Sabine Wirsching zu lesen. Ich lese gerne Bücher von Bloggern, denen ich folge. Meistens ist so ein Buch ebenso gut wie das Blog und zudem meistens vergleichweise günstig, zumindest günstiger als die Preisbindungspuffpreise von der Bestsellerliste, die zu oft nicht das halten, was das Klappentextmarktgeschrei („Sensationell!“ Brigitte / „Der Buchknüller des Jahres!“ Stern / „Meine Lieblingsklolektüre zum Abkacken!“ Harald Schmidt) verspricht.

Ich habe versprochen, dass ich etwas dazu schreibe, wenn ich es gelesen habe. Vorher wäre es Werbung gewesen, jetzt ist es eine Empfehlung. Den Unterschied finde ich wichtig.Diese Empfehlung fällt mir nicht schwer. Frau Wirsching hat ein durchaus lesenswertes Debüt an den Start gebracht. Ich muss dem Crowdfundinggeld also nicht hinterher weinen. Bemerkenswert ist, dass Frau Wirsching nicht dem viel zu verbeiteten Drang erlegen ist, die Hauptperson entweder allzu sympathisch, perfekt, vorbildhaft oder bemüht zerbrochen, psychotisch, völlig krank (wie in Berlin-Romanen immer gern genommen) wirken zu lassen. Diese viel zu oft herangezogenen Charakterzeichnungen finde ich immer wieder ermüdend weil stinklangweilig. Tausendmal da gewesen. Will keiner mehr haben.Hier stehen die Dinge anders. Wir erleben das Wanken einer unsicheren, bis zum Erbarmen zerrissenen Person, die in ihrer Ichbezogenheit und der unbedingten Oberflächlichkeit so gut in dieses Berlin im Jahr 2015 passt. Wer nützt mir? Wer bringt mich nach vorne? Was kann jemand mir bieten?

Die Überschriften haben nicht umsonst oft ein „Ich“ im Titel. Manchmal sogar ohne jedes andere Wort („Ich I“, „Ich II“ …). Und das Ich ist Programm, nicht nur im Buch, sondern auch in der Stadt, die Frau Wirsching in der Geschichte fast beiläufig einfängt. Dieser ganz eng abgegrenzte eigene Kosmos, in dem die, die gerade in Berlin erwachsen werden, wie in einer künstlichen Blase leben, lässt den Blick über den Tellerrand, Utopien, Altruismus, Nachsicht meinetwegen mit der Unperfektion des Anderen gar nicht mehr zu. Die Jugend ist wie sie sein soll. Individualistisch. Eigensinnig. Verspielt. Genusssüchtig. Der Bettpartner als Dienstleister. In your face: „Als wir gehen, zahlt der Origami-Mann unser Bier, sonst geschieht nichts. Ich nehme weder ihn mit noch seine Nummer.“ Abchecken. Auswählen. Liegenlassen. Tinder my life. So viel wie möglich nehmen, so wenig wie nötig geben. Ein jeder dreht sich um sich selbst. Und stirbt für sich allein. Sie beschreibt eine Jugend wie ein Kaubonbon. Substanzarm. Verschwenderisch süß. Schnell gegessen. Und alles andere als gesund.

Und so mäandert die Hauptperson so besoffen von wie uneins mit sich durch die Hauptstadt, hin und her geworfen von den Zuständen, greift mal hier zu, mal hier, dann dort, nur um die Dinge (Männer) immer wieder fallen zu lassen, wenn es nicht mehr passt, was in der Konsequenz Zusammenbruch und Selbstmitleid nach sich zieht. Ein Elend. Wir waren ja alle so. Waren wir doch, oder? Anfang 20. Mitte 20. Oder Ende 20 für die, die den Schuss nicht gehört haben. Mitte 30 für die, die gar nichts mehr merken und spätestens mit 40 zu den großen Verlierern gehören werden. So sind sie. So schwach, so inkonsequent, so gnadenlos egoistisch. So waren sie vielleicht immer. So müssen sie vielleicht sein. Frau Wirsching hat sie schön eingefangen, diese Gefühlswelt, das Pendeln zwischen Last und Leichtigkeit, das, was es bedeutet, gestern wie heute in Berlin groß zu werden. Frau Wirsching hat sowieso Berlin schön eingefangen. Ja, doch, ein gutes Buch, nicht buchpreisverdächtig, aber ein Buch zum Vernaschen. Dran nippen und in einem Zug austrinken. Zum kurz mal zurück blicken. Nostalgisch werden. Kopfschütteln auch, wenn Sie mögen.

Jetzt noch mehr Links. Read this:

{berlin:street}Der König vom Stuttgarter Platz
Der Rezensionen nicht genug. Hier ist noch eine. So gut, dass ich das Buch sofort gekauft habe. Und sofort lesen konnte. Nachts um 2. Im Internet. Weil eBook. So geht das.

Der mit den Wölfen tanztNachruf
Haben Sie gute Laune? Ja? Hören Sie auf damit.

FeynsinnDer neurechte Nachbar: Wir fahren marktkonform
Onkelz I

die SchrottpresseLocker bleiben
Onkelz II

Weltenende vorausUnverhofft kommt oft
Onkelz III

Tante Jays CaféFAQ Schwulenehe
Wegen mir kann dieses Konstrukt Ehe abgeschafft werden. Aber das wäre ja wieder unromantisch. Bis dahin also eine nützliche FAQ von Frau Jay für unnütze Idioten.

Währenddessen bei Heteros:

Alles Evolution*Schnips*
Dressur. Krass.

FakeblogMeine Schuld
Meine Nerven…

Der reisende ReporterMexikanische Nazis
Bitte was?

Jahrgang 1953Chaos bei Kaufland, aber woher bekomme ich jetzt mein Milchprodukte?
Der Deutsche ist einfach an den falschen Stellen renitent. Beim Fressen zum Beispiel. Oder beim Einkaufen. Und wenn beides zusammenfällt, ist er sogar in der Lage, Revolutionen anzuzetteln.

GeschlechterallerleiWarum mich solche Frauenfußballwerbung ärgert
Halbfinal-Ausscheiden ist was für Frauen. Haha. Ha. H. Gnarf Gnarf. Hochmut und der Fall. So lange Frauen Werbung nötig haben, in der Männer als dümmliche tapsige Volltrottel und Nichtskönner dargestellt werden, die zu dämlich zum Kacken sind, kann es mit dem penetrant proklamierten weiblichen Selbstbewusstsein nicht weit her sein. Von dieser Werbung für die Frauenmannschaft (super Wort) bleibt eigentlich nur so ein klebriger Rückstand dieses Chauvinismus‘ schlichter Gemüter zurück, den die Gesellschaft an keiner anderen prominenten Stelle mehr dulden würde. Moment, was ist das, ich sehe ein Bild. Vor mir. Es ist eine Eiche. Und irgendwas mit Borsten reibt da so komisch.

Manuela RütherEfilee – Mit Kopf und Kralle
Kopf ab. Kralle ab. Brust raus. Und Schenkel ab. Sollten hier tatsächlich noch Veganer/Tierrechtler mitlesen: Bitte nicht klicken. Der zarten Seele zuliebe.

Und zuletzt backen Männer Pizza:

Männer unter sich[Marc grillt] Pizza!