Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Honk (32)

„Bitte. Hier. Nehmen Sie von mir den Euro.“

„Hier geht es gar nicht um den Euro, hier geht es ums Prinzip!“

Omas sind Dauergäste in meiner Honksammlung. Ich könnte eine ganz eigene Rubrik daraus machen und unter einem eigenen Label über sie berichten: „Die bescheuerten Omas und ich.“ Täglich.

Heute betrete ich einen Bäcker. Dort steht eine Oma vor der Auslage und drängelt ausnahmsweise nicht vor, sondern war vor mir da und ist in einen Disput mit der Bäckereifachverkäuferin verwickelt. Es geht um einen Euro.

„Ich bekomme noch einen Euro zurück.“

„Sie haben mir einen Euro gegeben.“

„Zwei Euro.“

„Nein, nur einen Euro, weil Ihre Schrippen genau einen Euro kosten.“

„Ich habe Ihnen zwei Euro gegeben und bekomme jetzt einen zurück!“

So geht das eine Weile. Wort steht gegen Wort. Wie so oft im Einzelhandel. In mir als keinem großem Freund des sowieso auf der Abschussliste stehenden Bargelds wächst in solchen Momenten noch mehr denn je das Verständnis für die Vorteile bargeldlosen Bezahlens. Karte. Ping. Bezahlt. Kein Gerede. Nur die Tat. Und die gekauften Waren sind ganz fix irgendwo im Zentralverbundcomputer von Krankenkasse / des Arbeitgebers / Payback / Wolfgang Schäuble / BND gespeichert. Ganz einfach. Und nie Stress um Rückgeld.

„Es geht ums Prinzip. Ich habe Ihnen zwei Euro gegeben.“

„Haben Sie nicht, es war ein Euro. Einmal ein Euro. So viel kosten Ihre Schrippen.“

Ein Stellungskrieg.

Dann erhöht die Oma den Druck.

„Schauen Sie, hier warten alle hinter mir darauf, dass sie einkaufen wollen. Sehen Sie es doch ein: Ich habe Ihnen zwei Euro gegeben.“

„Nein, das können Sie mit mir nicht machen. Es war ein Euro. Und jetzt lassen Sie bitte die Leute vorbei.“

„Lasse ich nicht. Ich will meinen Euro!“

Es nimmt also kein Ende, sondern scheint zunehmend zu eskalieren, also beschließe ich, den Konflikt mit Scheckbuchdiplomatie zu lösen.

„Bitte. Hier. Nehmen Sie von mir einen Euro.“

„Hier geht es gar nicht um den Euro, hier geht es ums Prinzip!“

„Ich bin mir sicher, dass es darum geht, aber ich wünsche mir Frieden auf Erden, also nehmen Sie bitte meinen Euro.“

Hinter mir kichert ein Bauarbeiter und eine Prenzlmutter murmelt Zustimmendes. Ich sehe die ersten Felle davonschwimmen.

„Bitte.“ insistiere ich und hebe meine Handfläche mit dem Euro leicht an.

Mrrrrpffff. Es folgt ein Geräusch, dessen Verachtungssymbolik seinesgleichen sucht und sein Pendant höchstens in der Kaffeetantenrunde des Borgwürfels finden könnte, wenn über Leute hergezogen wird, die krank sind / Urlaub haben / einen Erfolg vorweisen können.

Dann stampft sie aus dem Laden. Ohne meinen Euro. Und Schwefel liegt in der Luft.

Ho.Ho. Honk. Glückwunsch. Mrrrrpffff.

 


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