Der lakonische Posteingang

Ich bekomme von den kleinen Dingen des Lebens gute Laune. Kleine Gesten. Signale. Spielereien. Dinge, die sich selbst nicht so ernst nehmen. Dinge, die Mühe machen, aber auf den ersten Blick nix einbringen. Dinge auch, die vielleicht nicht jeder bemerkt.

Meine App, mit der ich die Mails beantworte, die Sie mir übers Kontaktformular schreiben, heißt Outlook. Und wenn ich keine Mails mehr im Posteingang habe, kommentiert die App diesen Umstand mit lakonischen Kommentaren, von denen ich, kein Scheiß, gute Laune bekomme:

Ah, Kaffee, gute Idee…

Auch wenn Sie das vielleicht nicht nachvollziehen können: Ich mag das. Sehr. Da sitzt also jemand im Entwicklerteam und kommt auf die Idee, solche Kommentare anzeigen zu lassen, wenn jemand den Posteingang leer macht, was ja normalerweise ziemlich selten vorkommen dürfte.

Bei uns im Borgwürfel kommt auf solche absurden Einfälle, die das Leben der Kunden ein wenig angenehmer gestalten, ja nur der Praktikant. Bessere Bohnen für den Dreckskaffee, frische Milch statt der portionierten Dreckskaffeesahne, mit der man sich beim Öffnen immer das Hemd vollwichst, eine aktuelle Tageszeitung im Foyer, ein Monitor, auf dem dieses widerliche Spekulantenpropagandaorgan n-tv läuft, freies Wasser mit verdammten Minzblättern (oder ganz innovativ: mit verdammten frischen Orangenscheiben) in einer Karaffe, feinen Tee zum Aufbrühen. So etwas. Wohlfühlscheiße. Happy customer. Kam der Praktikant drauf. Der kein Geld für sowas kriegt, weil wir sehr kreativ darin sind, Regeln wie Mindestlöhne, Tarifscheiße und Gedöns zu unterlaufen.

Wellness-Shit. Mit einfachen Mitteln Zufriedenheit schaffen. Wir, die wir für unsere Arbeit noch bezahlt werden, kommen auf so etwas nicht mehr, denn wir müssen nicht die ganze Zeit so tun als läge uns das Image des Arbeitgebers am Herzen, als wäre es uns wichtig, ob irgendwer, der unseren Arbeitgeber besucht, sich beim Warten in unserem scheiß Foyer wohlfühlt, nix, nein, müssen wir nicht machen, und machen wir deshalb auch nicht, weil es uns nicht interessiert, wir machen nur so viel, dass es keine Beschwerden gibt, mehr muss ja auch nicht, zumindest bis zur nächsten Umstrukturierungswelle, während der auch ich wieder ganz tolle Ideen haben werde, die mich als den fleißigen, interessierten und unentbehrlichen Mitarbeiter dastehen lassen, der ich die meiste Zeit des Arbeitslebens gar nicht nicht bin, weil ich es so halte wie die meisten anderen: Ich will die Scheiße halbwegs angenehm hinter mich bringen. Zu viel Ehrgeiz ist schlecht für den Teint.

Schöne Grüße, Praktikant von Outlook, sorry für die Bazookaladung Realität und danke für die Nachrichten in meinem leeren Posteingang. Und wenn du am Ende gar kein Praktikant bist, umso besser.