Am Humannplatz

Der Humannplatz ist einer meiner Lieblingsplätze in Prenzlauer Berg, vor allem weil er als einer der wenigen Plätze außerhalb des übel beleumundeten Mühlenkiez‘ überhaupt nicht gehypt wird. Sicher, er hat nicht den schnöseligen Glamour und den internationalen Flair vom Kollwitzplatz, nicht die hysterische Panikstimmung vom Helmholtzplatz, dem Hort der unseligen Elterninitiative, die die vorletzten Trinker dieses totbefriedeten Bezirks von den Tischtennisplatten wegmobben will, nicht den spießigen Manufactumflair vom Arnimplatz und schon gar nicht die iberische Festivalsaufstimmung vom Mauerpark. Er existiert einfach so vor sich hin in einer der letzten noch nicht so ganz legolandlike verwandelten Ecke Prenzlauer Bergs, hier sitzen tatsächlich ab und zu noch echte Trinker mit echter Trinkflasche am Hals herum, trinken, spielen Schach und tun sonst keinem was.

Und bisher hat hier auch noch niemand eine Bürgerinitiative für oder gegen irgendwas gegründet oder schmeißt mit Flugblättern für oder wider irgendwelche Belanglosigkeiten um sich. Das ist neu.

Was noch? Gegenüber rottet eine Schule vor sich hin, die mondlandschaftsartigen Gehwege können es mit denen in Tadschikistan aufnehmen, so dass selbst die Fahrradnazis Schwierigkeiten haben, aufrecht zu fahren, und hier halten tatsächlich die letzten noch nicht restaurierten Fassaden der Pastellhölle Prenzlauer Berg ihr Antlitz in die Welt, hier ist noch Potenzial für Totsanierer, viel davon. Kaufen Sie. Kaufen Sie jetzt.

Saniert haben sie zumindest den Spielplatz inzwischen, jetzt gibt es viel Spielzeug, viel Kletterkram, sogar einen Brunnen, sensationell, alles dabei, ganz neu, ganz doll, es wird Zeit, dass mal jemand was ransprayt, seinen Flohzirkus davorkacken lässt oder wenigstens Coffee-to-go-Becher durch die Gegend wirft, das geht so nicht.

Ich bin ziemlich gerne hier, wenn ich mal hier bin, denn am Humannplatz zelebrieren noch nicht diese überhitzten Mittvierziger-Gruselpapas und Helikopter-Übermütterfurien ihre erfüllende Elternschaft, auch die 900 Euro-Bugaboo-Kinderwägen sind hierher noch nicht vorgerückt in das vorletzte wenigstens noch ein klein wenig proletarische Eckchen Prenzlauer Bergs (den Mühlenkiez, diesen wunderbaren Eiterpickel am Rand vom Bionadeparadies, werden sie nie gentrifizieren, nie). Und wenn Sie Autogrammjäger sind, können Sie hier ab und zu einem Semipromi begegnen, dessen Laune Sie heben können, wenn Sie ihn erkennen. Verbotene Liebe-Darsteller. Eine N24-Sprecherin. Oder Sascha Lobo.

Doch wer zum Teufel ist eigentlich Humann?


Ich war mal wieder mit Kind auf dem Humannspielplatz und habe aus diesem Anlass meinen uralten Qype-Text samt Bildern ausgegraben. Muss einer meiner ersten gewesen sein. 2010 oder so. Habe ihn ein wenig aktualisiert und sprachlich geglättet. Gelöscht wurde er bei Qype meines Wissens nicht. Klar, dieser Humann ist sicher schon tot und kann keine Beschwerdebuttons auf belanglosen Bewertungsplattformen mehr drücken.

Mit dem Humannplatz habe ich mal Qype getrollt. Die hatten eine App entwickelt, mit der man automatisch Fotos zu einem Platz knipsen und hochladen konnte und dafür Punkte bekam. Ich habe zwei Stunden Spielplatzrumsitzen damit zugebracht, immer wieder nebenher auf den Auslöser zu drücken, so dass die App sicherlich 3.000 vollkommen sinnlose Fotos auf Qype hochlud, was mich zum Punktetabellenführer Berlins gemacht hat. Hat natürlich nie jemand gemerkt auf dieser von ihren Machern völlig vernachlässigten Bewertungsplattform. Ich habe auch mal in einem Schwung 1.000 identische JPGs zu einer Bushaltestelle vom PC hochgeladen, weil das so schön einfach ging. Alle markieren und los. Hat auch nie jemand gemerkt. Stümper olé. Eine schöne Zeit.