Passau: Doch glop

Passau. Die Sauberkeit der Stadt tut inzwischen fast in den Augen weh. Ich bin schon so wundgescheuert, dass ich mich fast nicht getraut hätte, meinen alten Kaugummi an den Türgriff eines Mercedes zu kleben. Wo soll das hinführen? Erst kein Kaugummi an den Mercedes, dann keine Jacky Cola-Dose in den Vorgarten und zuletzt spüle ich wahrscheinlich sogar Joghurtbecher aus. Ich degeneriere.

Dafür bin ich immer noch auf der Suche nach vernünftigen Pralinen in der vorgeblichen Pralinenstadt. Wer kommt eigentlich auf so tolle Empfehlungen wie Passauer Pralinen? Natürlich die Teeküche des Borgwürfels. Da bekommen Sie noch mehr Nutzloses dieser Art: Kuchenrezepte, Vorschläge für schlumpfige Cafés, überflüssige Statements zur politischen Großwetterlage und allen voran Urlaubsempfehlungen, wenn Sie wieder gefangen in der Smalltalkhölle Ihr Urlaubsziel gedroppt haben. Denn irgendwer weiß immer irgendwas. Das beste Fischbrötchen von Heringsdorf. Der beste Mettigel von Sachsen-Anhalt. Kasseler Karottenkuchen. Eckernförder Eierschecke. Quakenbrücker Quarkkeulchen. Passauer Pralinen. So in etwa. Da hat einer wahrscheinlich zufällig irgendwann mal irgendwelche Pralinen in irgendeiner Passauer Butze gekauft, fand die so gut wie ich Alliterationen und weil der Mensch zur Generalisierung neigt, ist Passau jetzt Pralinenstadt und wer diese Pralinen nicht kennt, hat die Welt nicht gesehen. Mopf Mopf. Where is my brain?

Doch es gibt tatsächlich einen Erfolg zu melden. Nach dem eher enttäuschenden Besuch in der Pralinenmanufaktiererei am Passauer Prunkdom finde ich zufällig in einer etwas abseitigen Gasse Richtung Donau einen Pralinenladen, der eine Filiale in Brüssel hat und eine in … na? … klar, Passau (ausgerechnet). Nicht New York. Nicht Tokio. Auch nicht London oder Paris und schon gar nicht Berlin oder Moskau. Nein. Passau. Warum weiß kein Mensch, aber ich finde das gut.

Der Feinschmecker (das Magazin für snobistische Fresssäcke, die schon lange keinen Sex mehr haben) ist von dem Laden so begeistert, dass er ihn in seinen Guide (hier sagt man wohl Gourmetführer) aufgenommen hat, wovon ein Plakat in Form einer Art Urkunde zeugt, was mich gelockt hat, weil mich protzige Urkunden immer locken. Denn ich glaub‘ ja alles. Urkunden! Ja! Mehr davon! Überschüttet den Laden damit. Schmeißt ein paar Orden und Medaillen hinterher, das Schokoladenzeug ist gut, richtig gut und viel günstiger als oben am Dom. Belgier. Natürlich ist es ein Belgier. Hier in Passau. Sie können’s halt. Is so. War so. Wird so sein.


Falls Sie mal in die unwahrscheinliche Situation kommen, in Passau gute Pralinen suchen zu müssen, eat this:

Flämisches Schokoladenhaus
Grabengasse 17 
94032 Passau 
http://xn--flmisches-schokoladenhaus-mec.de/ 

Kein Pralinenfoto weil Akku immer noch leer. Stattdessen Altstadt, Marktplatz, irgendsowas. Besser als nix.


Piffi hat nie „Doch glop“ gesagt. Natürlich heißt der Scheißköter Piffi. Pif ist der Vater, der Kumpel von Herkules, dem Kater, erwachsen mithin, während Piffi ein sprachgehandicapter Welpe ist und von Brutus der Bulldogge gemobbt wird. Nutzloses Wissen ahoi. Glop glop.