5 Bücher für Robin

Robin, die bloggende (Ex-)Barfrau, schmeißt ein Stöckchen und möchte wissen, was ich lese. 5 Bücher soll ich auflisten, die ich plane, dieses Jahr noch zu lesen, und danach soll ich das Stöckchen auf 5 andere werfen.

Machen wir, klar machen wir das, immer, hier, da, los geht es:

Markus Beckedahl, Andre Meister – Überwachtes Netz

Es ist ein geschenktes Buch von netzpolitik ein Blog, für das ich regelmäßig spende, aber das ich trotzdem aus Übersättigungsgründen aus dem Feedreader geworfen habe. Ein Widerspruch. Natürlich. So ein menschliches Leben ist voller Widersprüche und das ist einer meiner harmlosesten.

Hey Robin, ist dir eigentlich klar, dass das, was wir hier tun, mit großer Wahrscheinlichkeit von zwielichtigen Diensten gescannt wird und bei jedem kleinen Anlass gespeichert und abgerufen werden kann? Jede E-Mail, die du schreibst? Jedes Bild deiner Nichten, Neffen, Tanten, Onkel über Facebook, Twitter, WhatsApp? Jeder Liebesschwur im Chat? Cloud? Amazon-Wunschliste? Browserhistorie? Von deiner gesamten Kommunikation gibt es möglicherweise sogar ein Backup, gespeichert auf exa-, zetta-, yottabytestrotzenden Festplatten, weil einer deiner Bekannten dicke Scheiße gebaut oder auch nur zufällig ins Visier geraten ist. Es tut mir leid, leider können wir Ihre Einreise in die Vereinigten Staaten nicht bewilligen. Warum und wie Sie auf eine der vielen NoFly-Listen gekommen sind, das sagen wir Ihnen nicht. Hey, und warum wirst eigentlich ausgerechnet du bei jeder Flughafenkontrolle eines popeligen Inlandsflugs zum Schuhedurchleuchten rausgezogen? Sind die schon dran an dir? Weißt du’s? Eine Sekunde, eine Sekunde nur dauert es, wenn sie dein Postbankkonto scannen, ob du Geld via Western Union nach Syrien überweist. Oder den Einzelverbindungsnachweis deiner Vodafonerechnung, ob da ein Anruf bei Murat aus Offenbach drauf ist, den du vor ein paar Wochen beim Casper-Konzert in Frankfurt kennengelernt hast. Eine Sekunde nur. Kriegst du gar nicht mit. Du hast ja auch nix zu verber… tilt tilt. Murat ist gestern über Istanbul nach Pakistan ausgereist und du kommst mit ins Raster. Bissken Schwund is‘ immer. So ein Pech. Verschwörungstheorie? Überwachungshysterie? Leider nicht.

Sie versuchen die Sache mit der Totalüberwachung immer abstrakt zu halten, so dass die normalen RTL 2-Kleinhirne sofort abschalten. Und in den etablierten Medien findet es als Thema abseits von Sascha Lobos Kolumnen bei SpOn gleich gar nicht mehr statt. Interessiert keine Sau mehr. Wer war nochmal dieser Edward Snowden? Stattdessen Terrorgefahr, hasch mich ich bin der Islamist, Supergrundrecht olé. Sie schaffen sogar ihre Karnevalsumzüge vor lauter Hysterie ab (okay, einen guten Nebeneffekt muss wohl jede Scheiße haben).

Ich mag es nicht abstrakt, ich breche es lieber runter. Auf mich. Auf dich. Auf Tante Erna. Denn es sind auch meine Daten, die sie da mit Algorithmen im Trüben rastern. Und deine auch. Und zwar alle. Bei Bedarf speicher- und abrufbar. Immer. Denn der Yottabytespeicher vergisst nix, wenn du einmal in die Mühlen gerätst.

Hey Robin, das mit den Mühlen kann übrigens schnell passieren. Ich habe von Hertha einmal zwei Jahre Stadionverbot bekommen, weil drei Meter neben mir ein paar Kinderhools die Schalensitze mit Bengalos abgefackelt haben. War das ein Chaos. Sie haben einfach alle in einem 10-Meter-Radius mitgenommen, erfasst und in die Mühle geworfen. Bundesweites Stadionverbot. Unaufhebbar vor Ablauf der zwei Jahre. Trotz schnell eingestellter Ermittlungsverfahren. Scheißegal. Mitgefangen und weg. Als Beifang sozusagen. Geht schnell und dann bist du ein Kollateralschaden, für den sich nie jemand entschuldigt. Mühlen. Ganz schnell bist du da drin und nur ganz schwer kommst du da raus. Ich musste einen Anwalt bezahlen, um den Kategorie B-Stempel in der Datei „Gewalttäter Sport“ loszuwerden, den du bei einem solchen Anlass kostenlos und ganz ohne Verurteilung bekommst. Willkommen in der Mühle. Geht schnell. Hast du Facebook? Wie fehlerhaft sind deine Empfehlungen, die der Algorithmus auswirft? Doll? Der von der NSA ist nicht besser, denn die NSA zahlt im Zweifel nicht so gut wie Facebook. Mühlen. Ganz schnell biste drin. Der Algorithmus rülpst und du fliegst nicht mehr. Wie schade auch.

Ich bin daher ganz unironisch froh, dass es welche gibt, die sich dagegen engagieren und die dürfen meinetwegen auch ihre immer viel zu eitlen Visagen in die Kameras von Phoenix, Arte und wenn es sein muss RussiaToday halten, mir egal, Hauptsache jemand macht etwas, das ich mangels Zeit, Ehrgeiz und technischem Verständnis nicht kann: Lobby für Bürgerrechte im digitalen Zeitalter. Wir brauchen das. Ehrlich. Ohne is‘ halt kacke…

Ada Blitzkrieg – Dackelkrieg: Rouladen und Rap

Auf Ada Blitzkrieg und ihren Blog bin ich über eine Zeile des Songs Generation Porno von Prinz Pi gekommen. Erst später habe ich gelernt, dass man jemanden wie sie wohl als Twitter-Promi bezeichnet. Dass Ada so selten bloggt, ist ein Jammer. Aber wenigstens schreibt sie Bücher. Ich bin sehr gespannt. Ada finden Sie (gelegentlich) hier.

FiL – Pullern im Stehen: Die Geschichte meiner Jugend

Eine Empfehlung bei FluxFM-Spreeblick. Jetzt weiß ich, warum das Blog Spreeblick so skandalös nachgelassen hat, denn offenbar fließt die ganze Energie in die durchaus hörenswerte Radiosendung. Das Interview hat mich geflasht, ich will das Buch lesen. Bei Interesse: Die Sendung gibt es hier als Podcast. Lohnt sich.

Alexander Fuchs – Netzkind: Das (#) Internet macht den Unterschied

Wenn einer der Blogger, die ich lese, ein Buch schreibt, dann werde ich das lesen. Immer. Denn ist das Blog gut, wird es das Buch sicher auch sein (gut, klappt nicht immer, aber oft). Warum schreibst du eigentlich nicht ein Buch, Robin? Warum nicht auf Basis deines großartigen Textes über (gegen) BeschneidungUnd des nicht minder großartigen Nachfolgers. Das was du da rausgehauen hast, war ein Debattenbeitrag, der sehr viel aus den Mainstreamportalen, der Alternativpresse zwischen taz und Freitag und den traurigen Blogs der weinerlichen Rechtsaußen-Maskulinisten sowie der bigotten Netzfeministinnen in den Schatten gestellt hat. Andere machen Bücher aus solchen Donnerschlägen.

Aber okay, wenn dir das Thema zu ernst ist (mir wär’s auch zu krass, zugegeben): Ein Kneipenbuch? Kneipenbücher gehen immer. Wahrheiten von der Theke, denn die Wahrheit gibt es immer nur an Theken. Versprochen: Schreibst du ein Buch, werde ich es lesen. Und by the way: Du könntest auch wieder mehr bloggen. 

Candy Bukowski – Der beste Suizid ist immer noch sich tot zu leben

Eine meiner ganz großen Favoriten, auf deren Buch ich mich freue, denn ich weiß, dass es gut sein wird. Candy bloggt hier.

So. Es fehlen der Kiezschreiber und der Zwetschgenmann, die es noch nicht geschafft haben, ihre Bücher in einem zeitgemäßen Format ohne die Verarbeitung von Holz anzubieten (scnr…). Und Glumm fehlt sowieso, der aus irgendwelchen mir völlig schleierhaften Gründen kein Buch schreiben will, was immer noch tragisch ist.

Okay, liebe Robin, ich denke, jetzt ist ziemlich klar, was ich so lese: Bücherschreibende Blogger, aber auch Bücher von Nichtbloggern, die von Bloggern empfohlen werden. Meistens sind das Underdogs. Fünf, sechs, sieben Underdogs. Jährlich. Zu mehr komme ich nicht mehr. Hast du ein Kind, kommst du vor lauter Spielplatz, Memory und Karls Erdbeerhof kaum zum Lesen. Und zu allem anderen auch kaum noch. Is so. Prioritäten eben. Müssen sein.

So.

Jetzt kommt der beliebte Move, bei dem ich das Stöckchen fünf anderen zuschmeißen darf, wobei die Hälfte hofft, dass es sie trifft und die andere Hälfte betet, dass bloß nicht. Eat this:

Die Auftragsmörderin
Stadtkind
Jochen
Amélie
Stefan

Die Mission: 5 Bücher, die Ihr dieses Jahr noch lesen wollt. Und dann weitergeben an 5 befreundete Blogger. Viel Spaß.