Junkshit aus der Industriehölle (6)

Heute will ich wissen, wie viele fiese half-baked Teigdinger von Ditsch ich fressen muss bis ich satt bin, denn es nervt mich: Immer wenn ich Hunger habe und eines von diesen fluffig-dampfend-flauschigen Fett und Zucker-Mischungen von Ditsch esse, habe ich danach noch mehr Hunger, fast so als ließe so ein speckiges Käseding ein schwarzes Loch im Magen entstehen, das sich immer weiter ausdehnt je mehr ich davon reinstopfe.

Ist das so?

Das will ich wissen.

Berlin-Prenzlauer Berg. Greifswalder Straße. S-Bahnhof. Bahnsteig. Ich bin betrunken wie ein Bierkutscher und habe Hunger. Und hier oben auf dem Bahnsteig haust der Ditsch. Jetzt will ich es wissen. Ich esse das jetzt. Entweder so lange bis ich kotze oder satt bin.

Ich beginne mit der Schlemmerzunge. Das hässliche fette amuse-gueule. Käse satt. Der Teig wie immer nicht ganz durch, wabblig, dafür ist der Käse warm. Runter damit.

Der Hunger ist wie erwartet mehr geworden, denn jetzt knurrt der Magen, was er vorher nicht tat. Mehr Input bitte. Ich schiebe eine Laugenstange mit Würstchen und Käse überbacken hinterher. Die Würstchen schmecken nach nichts und fühlen sich im Mund an wie halbhart gewordenes Silikon. Der geschmolzene Käse schmeckt nach geschmolzenem Fonduefett und natürlich ist der Teig wabbelig, ist also auch bei diesem Stück nicht ganz durch. Boar.

Ich habe noch mehr Hunger, das geht doch nicht, wo sind die Würstchen hin? Ausgeschwitzt? Ich nehme eine Tomaten-Mozzarella-Stange, die schmeckt wie eine Tomaten-Mozzarella-Stange von Ditsch eben schmeckt: Nach Käse und nichts außer diesem Hauch industrielle Tomatenpampe, dafür kann ich sie dank des wabbeligen Teigs auf die Größe eines Spielwürfels zusammenknüllen und im Ganzen in den Mund stecken. Wie einen Cheeseburger beim McDonalds. Viel Luft, kaum Masse. Non-Food. Anti-Food. Herrlich. Feels like Teigfäden in my Hals.

Mein Hunger ist gleichbleibend hoch, doch wenigstens gibt es keine Steigerung mehr, ich scheine nun die Spitze der Parabel erreicht zu haben. Break. Ich brauch mal was gesundes zwischendurch. Laugenbrezel. Lauge. Gesund. Gegen die Säure, die nach diesem Inferno, wenn ich meinem Körper endlich genug geschadet habe, zwangsläufig die Speiseröhre hochkriechen wird. Hahaha. Mehr Weizenmehl in my brain please. Weißmehl macht dumm sagt der Biomarkt. Oh. Der Teig ist gar nicht mal wabblig. Versteh ich nicht. Ich bin doch bei Ditsch. Hungerstatus? Nix passiert, habe ich überhaupt was gegessen? Wo ist die Brezel hin? Gebacken mit Luft und Liebe.

Ob ich ein Croissant hinterherwerfe? Na klar, mach mir den Frischkäse, es muss ja mal ein bischen Abwechslung her. Frischkäse ist gesund, da ist wenigstens Milch drin. Oder sollte zumindest. Calcium und Magnesium und so. Für groß und stark werden und viel Bum Bum und starke Fingernägel und Tinte auf Füller blabla und so. Jaja. Ist natürlich wabblig und … na? … nicht durch. Natürlich. Wäre mein Magen ein Backofen, würde aus dem vielen rohen Teig jetzt ein Brot. Ein Weißbrot.

Die Käsestangenfachverkäuferin schaut mich inzwischen an als möchte sie gleich, wenn ich mal kurz wegschaue, den Notruf rufen. Den Notruf der Nervenklinik. Die Jungs mit der tollen Jacke. Die kennen mich schon.

Ich bin nicht satt. Immer noch nicht. Aber mir ist schlecht. Was ist da los? Welcher anatomische Wahnsinn läuft hier ab? Reziproke Sättigung, ein irres physikalisches Phänomen, von mir herausgefunden im Dienste der Halbwissenschaft, vielleicht sollte ich eine Doktorarbeit darüber abschreiben. Mein Magen ist nicht begeistert, er fühlt sich beschissen und schimpft wie ein Säufer in der U-Bahn. Ditsch. Magier der Illusion. Duftet gut, doch da ist keine Substanz, nix das nährt und sättigt.

Und so erkläre ich mein Ziel, satt zu werden, für unerreichbar und bringe meinen Magen, da ich das Schimpfen nicht mehr ertrage, mit einer Pizza Salami, die natürlich – na? – wabbelig ist, final und nachhaltig zur Strecke. Schnauze da unten sonst geh ich gleich weiter zu McDonalds unten zum Eingang, haha, nee, lass ma, da hinten is ’ne Apotheke, guten Tag, mir geht’s elend, eine Flasche Rizinusöl und einen Trichter mit Schlauch bitte.

Wenn mich das nicht eine ganze Woche Leben gekostet hat, dann weiß ich auch nicht. Irgendwann muss es ja mal ein Ende haben. Heute habe ich ein gutes Stück dorthin zurückgelegt.


Das ist ein alter Qype-Text, der seinerzeit aufgrund von Beschwerden gelöscht wurde. Wahrscheinlich zu konstruktiv.

Die Geschichte ist tatsächlich autobiographisch, jedoch muss ich fairerhalber dazu sagen, dass ich nach mehreren Überstunden mit lediglich einem Apfel und einer Tüte Nic Nacs als Mittagessen direkt in der Kneipe versackt bin, von wo ich verhältnismäßig schnell wieder verschwand, weil ich in Rekordzeit heillos betrunken und extrem hungrig wurde. 

Die ganzen in der Gier gefressenen halbgaren Teigstückchen habe ich kurze Zeit später auf die Motorhaube eines dieser dummen Infiniti-SUVs gekotzt. Nicht schön, aber in der Rückschau lustig, denn ich kann zu Protokoll geben, dass sich das Zeug aufgrund des Fetts sehr angenehm kotzt. Als wäre die Speiseröhre geölt. Ein Traum.


Junkshit aus der Industriehölle (5)