7 Fakten für Frau Bukowski

Die fabelhafte Candy Bukowski hat mir ein Angebot Geschenk gemacht, das ich nicht ablehnen kann: Einen „One Lovely Blog Award“. Dabei handelt es sich um eines dieser Blogstöckchen, die man als Blogger immer so entrüstet von sich weisen muss, um es dann doch theatralisch zähneknirschend zu bearbeiten, da man sich insgeheim geschmeichelt fühlt, weil jemand an einen gedacht hat. Ich lasse dieses Ritual aus, bedanke mich artig und zitiere die


Spielregeln für den Award:

Verlinke die Person, die dich nominiert hat und bedanke Dich (oder verfluche sie dafür)

Liste die Spielregeln auf

Nenne 7 Fakten über dich

Nominiere 7 weitere Blogs


Es ist beruhigend, dass es offenbar nicht zu den Regeln gehört, die dazugehörige Grafik mit dem Herzchen in den Text einzubauen, die ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren kann. Herzchen und ich mögen uns nämlich nicht.Widerlichst eitle Fakten sind also gefragt. Nabelschau. Wer bin ich und warum. Was will ich und wohin. Was mag ich und wozu. Klar, das geht, das machen wir, locker machen wir das und gerne machen wir das auch. Eat this:

1. Ich war mal Mitglied der Jungen Union

Ich wurde in jungen Jahren von einem Klassenkameraden, der nicht aufhören wollte zu nerven, zu Veranstaltungen der Jungen Union genötigt und habe in einem moralisch fragwürdigen Zustand, den ich mir heute nicht mehr erklären kann ohne mich zu schämen, einen Mitgliedsantrag unterschrieben, den ich einige Tage Wochen Monate später widerrufen habe (rein rechtlich bin ich eingetreten und ausgetreten).

In diesem Zeitraum saß ich bei Veranstaltungen in irgendwelchen Schmargen-, Zehlen- und Hermsdorfer Schnöselschulen zwischen der gepuderten Geldadeljugend mit Siegelring und Seitenscheitel in Anzug, Schlips und Budapestern herum und lauschte den Mutanten der Westberliner Filzschickeria wie Klaus-Rüdiger Landowsky und Dankward Buwitt beim Ablassen von rhetorischen Kotwürsten, die sie in die Joop-Homme-schwitzende Luft bliesen.
Ich habe Günther Oettinger, der mal nach Berlin gereist kam als ihn noch kaum einer außerhalb der Stuttgarter Landtagskantine kannte, bei einer solchen Veranstaltung die Hand geschüttelt ohne dass ich meine vorher auf dem Klo gewaschen habe. Eine frühe Form der Rebellion. Ich habe pubertiert und mir war das wichtig.

Der Klassenkamerad leitet heute eine repräsentative Filiale eines großen Bankhauses. Ich nicht.

2. Ich habe schon vielen Prominenten die Türe geöffnet

Als ich noch der Meinung war, dass eine Berufsausbildung für mich nicht notwendig sein würde, habe ich mein Geld als Türsteher verdient. Ich war Schüler einer schlimmen Schule und daher prädestiniert für den Job, potenzielle Stressmacher zu identifizieren und auszusortieren.

Fünf Jahre lang stand ich an Türen, backstage vor Künstlerkabinen und freundlich nickend vor VIP-Kordeln. Ich habe einen sagenhaften Aufstieg vom Palace im Wedding (holy crap) über das Bangaluu (holy fuck) und das Dante am Hackeschen Markt (und jetzt spielt einer bitte Sentimental Journey, denn die gibt’s alle nicht mehr) bis zum Adagio am Potsdamer Platz (Hölle frier‘ ein) hingelegt und kann folgende Insiderinformationen zum Besten geben: Promis benehmen sich zu einem nicht unerheblichen Teil auf dem Niveau von Rotz im Rinnstein, wenn keine Kamera jedoch Personal zum Schikanieren in der Nähe ist. Sie würden es nicht glauben, sähen Sie es nicht selbst. Jede Neuköllner Absturzkneipe hat eine bessere Kinderstube als die meisten von denen, die Sie im Fernsehen toll finden. Sie verlieren in diesem Job jeden Respekt vor Prominenten, sofern Sie den je hatten.

Für folgende Ausnahmen ohne Allüren verbürge ich mich: Sven Ottke, Axel Schulz, Krassimir Balakov, Lothar Späth, Eberhard Diepgen, Phil Collins, Herbert Grönemeyer, die Harlem Globetrotters und natürlich Gregor Gysi.

Größte Unsympathen aller Zeiten sind in aufsteigender Reihenfolge: André Rieu, Ayman, Götz Alsmann, Böhse Onkelz-Kevin, No Angels, Edmund Stoiber.
Fun Fact: Bundes-Jogi hat schon als Trainer des VfB Stuttgart gerne gepopelt.

3. Ich habe mal Gerhard Schröder gewählt und mich dabei total gut gefühlt

Da stand ich nun und klatschte. Gerhard Schröder betrat zum Wahlkampfabschluss 1998 zu den Klängen von Citys „Am Fenster“ das Velodrom an der Landsberger Allee und ich wusste, dass nun eine neue Zeit beginnen würde. Weg mit dem Dicken. Weg mit 80 Jahren Kohl und dieser ganzen bleiernen Mehltauwüste, dieser ganzen bundesbonndeutschen Strickwestenpiefigkeit. Ab jetzt wird alles anders. Sie werden den sozialen Kahlschlag rückgängig machen, die Wehrpflicht abschaffen, das Adoptionsrecht für schwule und lesbische Paare einführen, diese ganzen Geschenke an die Konzerne kassieren und verdammt nochmal endlich das Kiffen legalisieren.

Haha. Ha. Fool.

4. Die Merkel stand schon mal an der Käsetheke neben mir

… und ich habe sie zunächst gar nicht erkannt, weil sie ohne Photoshop und Make up-Sedimente so unglaublich alt aussieht und die Bodyguards gar nicht da sind zehn Meter Abstand halten müssen, wenn die Alte privat unterwegs ist. Aber was red‘ ich, die Geschichte kennen Sie ja.

5. Ich habe einmal eine Demo angemeldet

Leider kamen außer mir nur vier Leute, weil ich vor lauter Kiffen vergessen habe, ordentlich dafür zu mobilisieren. Und die, denen ich es mündlich gesagt habe in der Hoffnung, es möge sich in der Stadt herumsprechen und folgerichtig in der Revolution münden, lagen selber irgendwo hacke in der Gegend herum. Dafür war gut Polizei da. Vier Wannen. 30-40 Cops. Nur für mich und drei zugedröhnte Punks mit einem lächerlichen Transpi und Wegbier sowie einen einsamen Eierkopf der Sozialistischen Alternative Voran, der uns für den Trotzkismus rekrutieren wollte. Man fragte mich, ob ich der Versammlungsleiter sei. Ich habe das bejaht.

6. Ich bin wegen Gewalttätigkeit von der Schule geflogen

Davor sind folgende Dinge kaputt gegangen: Zwei Fensterscheiben, eine Klassenzimmertür, eine Klotür, eine Waschbeckenarmatur inklusive Spiegel, ein Flurteppich, ein Holzstuhl, der Lack eines Autos, ein Fahrrad, Flaschen, Gläser, ein Mülleimer, Schulbücher, der Briefkasten der Schülervertretung, eine Palette Schulmilch, die Nase eines Mitschülers, die Würde vieler.

Eine berüchtigte Auffangschule für abgewrackte, abgefuckte und aufgegebene Jugendliche musste mich aufnehmen. Diese Schule gibt es noch. Mich auch. Weil es manchmal nur jemanden braucht, der es gut meint.

7. Ich rede nicht gerne über mich selber

… und das ist der Grund, warum alle vorigen Fakten ausnahmslos in der Vergangenheit liegen und eigentlich keine Fakten sondern Anekdoten sind. Heute bin ich ein anderer. Wer, das tut meistens nichts zur Sache.


Ich darf jetzt 7 bedauernswerte Blogger nominieren und wähle weder die Blogger aus meiner alten Qype-Blase geschweige denn Blogroll, die ich bei solchen Gelegenheiten immer nehme, noch die Blogstöckchen-Routiniers, die jeder nimmt, und auch nicht die coolen Politblogger, die das als Affront auffassen würden, sondern welche, die entweder erst seit kurzem bloggen oder die ich schon lange mal wieder grüßen wollte:

ssssssh
Annika
Charles
Frau Nett
Adrian
ob
Tantchen

Viel Vergnügen. Regeln siehe oben. Sie schaffen das.