Teddys Park aka Die Letzten

Letzter Rest – sie werden euch kriegen
Letzter Rest – sie werden siegen
Letzter Rest – werden Rächer sein

Slime – Die Letzten

Unterwegs im Thälmannpark. Okay, sieht nicht so ganz aus wie Prenzlauer Berg. Ist aber Prenzlauer Berg.

Was steht da auf dem Schild?

Ich kann es nicht lesen und muss raten: „Betreten des Rasens verboten“, „Aufgrund des großen Erfolgs wird der Schienenersatzverkehr um zwei Wochen verlängert.“, „Vor der Revolution bitte Bahnsteigkarte lösen.“ Oder: „Abandon hope, all ye who enter here“. Das wird es sein. So sieht es aus hier. Welcome to the jungle.

Im Schatten des malerischen Plattenbaus muss ich Zeit schinden. Ich bin verabredet und wieder viel zu früh. Zu den Dingen, die mir inzwischen an mir auffallen, gehört: Ich werde immer deutscher, komme zu früh und ärgere mich, dass andere nicht zu früh kommen. Die Welt ist schlecht.

Würde mich gerne setzen. Dumm nur: Ich seh‘ nix zum Setzen.

Balustrade?

Besser nicht. Bekifft wie ich bin, falle ich noch in den Tümpel.

Ich schaue mich um. Letzte Reste des Herbsts warten hier, um irgendwann zu Staub zu verfallen.

An dem Tümpel, der aussieht wie ein Sumpfgebiet. Ohne Möglichkeit, sich zu setzen. Wie sinnlos.

Es stinkt nach Scheiße.

Weht wahrscheinlich vom Hundepool rüber. Oder es sind einfach die üblichen Ausdünstungen Berliner Bürgersteige. Irgendwas stinkt hier ja immer. Wenn es die Hunde nicht sind, ist es die Kanalisation. Habe gelesen, dass die Menschen enorm viel Wasser sparen, seit die Wasserbetriebe dieser bettelarmen Stadt privatisiert wurden und die Preise trotz dieser wasserreichen Gegend so lange stiegen bis sie zu den höchsten der Republik gehörten. In dieser Kapitale der Minijobber. Wie schön Privatisierung doch ist. Für die, die privatisieren.

Und weil es so teuer ist, sparen die Leute so viel Wasser, dass die Kanalisation austrocknet und die Wasserbetriebe mühsam Wasser in die Kanalisation pumpen müssen, damit es nicht zu übermäßig stinkt, was jedoch teuer ist und die Preise noch weiter hochtreibt, wonach die Menschen noch mehr Wasser sparen und noch mehr davon teuer in die Kanalisation gepumpt werden muss. Was für ein Irrsinn.

Haben die Verantwortlichen die Preise seit der durch einen Volksentscheid erzwungenen Rekommunalisierung eigentlich reduziert? Wahrscheinlich nicht. Ich kann es leider nicht verifizieren. Meine Betriebskostenabrechnung sieht aus wie so ein abstraktes Kunstwerk einer dieser komischen Galerien dieser Gegend. Die versteht nicht mal mein Bummelstudent vom Lohnsteuerhilfeverein.

Egal, ich kenne die Antwort sowieso, denn sie leitet sich aus der allgemeinen Lebenserfahrung ab: Preise reduzieren sich für Endkunden nicht, nie, egal für was und vollkommen unabhängig davon, ob sich irgendwo in der Abzockerkette irgendwann doch mal Kosten reduzieren, die weitergabefähig wären. Es ist ein Naturgesetz: Für den Endkunden reduziert sich nie etwas.

Wegen dieser ganzen (in einer von Natur aus wasserreichen Gegend wie Berlin sowieso ökologisch absolut sinnlosen) Wassersparorgie aufgrund der willkürlichen Puffpreise stinkt Berlin also nicht nur nach Hundescheiße vom Bürgersteig, sondern auch nach Menschenscheiße vom Gulli, während die beiden Konzerne in der Zeit, in denen ihnen das Berliner Wasser gehörte, einen Renditerekord nach dem anderen verkündeten und jetzt der Senat seinen Haushalt damit saniert.

Bravo. Ein Käfig voller Wowis. Alles verrottet. Die Preise sind hoch. Das Volk spart Wasser. Und die Kanalisation stinkt.

Es ist ein Ergebnis der BWLisierung von allem, was früher Gemeingut war. Und so fährt auch die S-Bahn heute nur noch so zuverlässig wie ein Kotti-Junkie fahrlässig geliehenes Geld zurückzahlt, aber die Ticketpreise steigen trotzdem. Verrückt. Manchmal sind Dinge im Leben so sinnfrei und werden trotzdem durchgesetzt. Der ungebrochene Privatisierungsglaube trotz des Untergangs der FDP gehört dazu.

Es ist ein komischer Park. Völlig vernachlässigt. Sich selbst überlassen. Ohne Aufenthaltsqualität. Gras verrottet, Modder wächst in den Weg. Warum sieht es hier so aus? Was lässt die Stadt hier geschehen?

Wahrscheinlich liegt es am Namen. Ernst-Thälmann-Park. Wer außer den wackeren Anwohnern des letzten halbwegs bezahlbaren Wohngebiets des Bezirks pflegt schon gerne dem alten Teddy Thälmann sein Park?

Oder es liegt an den vorwiegend Geringverdienern aus den Platten, die ums Verrecken nicht aus Prenzlauer Berg wegziehen wollen. Ja, fast sieht es aus als wäre es Absicht, dass sich hier nichts tut, damit ja nicht die Aufenthaltsqualität für die steigt, die weder viele Steuern zahlen noch subventioniert bauen. Ich kann nicht anders als zu konstatieren: Die Stadt überlässt das Areal offenbar einfach sich selbst, stinkend und vermodert, weil hier wahrscheinlich sowieso keiner mehr wohnt, der noch wählt, keiner, um dessen Stimme man kämpfen müsste, sondern nur noch Leute, die einem Investor im Weg sind, der hier vielleicht irgendwann Townhäuser oder andere seelenlose Ensembles in den Sand gebären wird. Ich sagte es schon einmal: Thälmanngärten. Thälmannhöfe. Mit dem Betonkopf als augenzwinkernd ironischem Maskottchen. Weil Ironie muss man sich leisten können. Na? Können Sie?Thälmann. Thälmann. Stimme und Faust der Nation. Haha. So, Kinder, schlafen jetzt. Bald ist Weihnachten. Der Letzte macht das Licht aus.



Die Neureichenressorts rücken näher. Auch hier. Vor allem hier. Und natürlich kann ich auch an dieser Stelle nicht anders als die zu verlinken, denen das stinkt:
https://thaelmannpark.wordpress.com
http://teddyzweinullblog.wordpress.com
Die Vegetation ist teilweise zu grün für Dezember, was daran liegt, dass manche Bilder Monate alt sind und seitdem auf der Platte zum Verbloggen rumgammeln. Ich komm‘ ja zu nix.