Kein Bett für Edward oder Opposition mal anders

Jede Kampagne bekommt auch immer ihre Opposition. Das muss wohl so sein.

Die Asyl-Kampagne für Edward Snowden hat jetzt auch eine, ziemlich rege sogar. Prenzlauer Berg war sich bisher einig, zumindest was das Meinungsbild an den Laternenmasten angeht: Natürlich pro, also pro Asyl. Nirgendwo ist die Aufkleberdichte höher, selbst in Kreuzberg nicht und das ist einer dieser seltenen, fast unsichtbar gewordenen Momente, in denen sich bei mir doch noch ein Restfunken Stolz findet, nicht völlig, umfassend und nachhaltig in einem Arschlochbezirk zu wohnen.

Seit ein paar Wochen dreht sich jedoch das Bild. Aufkleber-Kleber und Aufkleber-Überkleber liefern sich einen Wettbewerb. Die Überkleber überkleben und die Kleber kleben neu. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise kämpft die Gegenseite nicht um die Lufthoheit an den hiesigen Laternenmasten, die sowieso fast komplett in Yoga/Eso/Meditation-Guru-Hand sind – nur selten ist da mal ein politisches Statement abseits von Edward Snowden. Und das ist dann meistens nur Werbung für Stefan Liebich.

Doch jetzt gibt es Opposition. No Asyl for Edward. Wer mag das sein? Die in Prenzlauer Berg völlig marginalisierte CDU, die hier nur noch knapp über 10% einfährt und nun die Untergrundmethoden der Antifa kopiert: Spuckis an Laternenmasten? Oder ein Einzeltäter, dem die erdrückende grün-alternative Mehrheitsmeinung im Kiez auf den Keks geht und der ein Zeichen für Pluralität setzen will? Oder kommen die Kinder der superkorrekten Bionadespießer so langsam in die Pubertät und proben den Aufstand gegen ihre bräsigen Eltern durch grundsätzlich oppositionelles Querulantentum? Falls ja: Das ging ja schnell. Ich habe damit erst in ein paar Jahren gerechnet. Wenn es so weiter geht, hängen sie bald Schweinefilets an die Türen veganer Supermärkte oder trinken Kaffee mit Kuhmilch statt Soja. Nicht auszudenken.

Ein Bett für Snowden. Oder kein Bett. Asyl. Kriegt er eh nicht. Wohlfeile Meinung am Laternenmast. Die ich teile, weil Edward Snowden ein mutiger Mensch ist, aber diese Meinung habe ich auch umsonst. Meine Meinung ist so sinnlos wie die vom Hausmeister unserer Kita oder die vom dauerstudentischen Spätiverkäufer nebenan. Interessiert keine Sau. Sicherlich ist auch die Überklebermeinung umsonst, denn es ist sowieso nur ein Stellvertreterkrieg, der da läuft, ohne Auswirkung auf irgendwas, weil Laternenmastenpropaganda so verdammt 90er ist, keiner liest das mehr (außer vielleicht mir, der chronisch Blogfutter draus macht und es dann vergisst).

Keiner.

Echt nich.


Vor ein paar Wochen ist Citizenfour im Kino angelaufen, ein Film über Edward Snowden. Ich werde ihn mir diese Woche noch anschauen, denn allzu lange wird er nicht mehr laufen. Termine und Spielstätten finden Sie hier. Danke an Max für den Hinweis.