The parenting Omma of Kieser Training

Omas und ich haben bekanntermaßen ein Ding laufen. Sie verhehlen nur unzureichend ihre erbärmlich antiquierte Sicht der Dinge, dass ich als Mann möglichst alle Finger von Kinderbetreuung geschweige denn -erziehung zu lassen habe, denn ich kann ja nix, zumindest demonstrieren sie das mit allem was sie tun, mit jedem ungefragten Übergriff, mit jedem giftigen Satz, wenn es gut läuft nur mit jedem misstrauischen Blick. Das ist natürlich wahlweise blöd, amüsant oder bestenfalls vernachlässigenswert, doch es ist ein stetiges Grundrauschen, das mich seit Jahren begleitet und zu einer festen Grundüberzeugung geführt hat: Omas mögen mich nicht, denn ich habe ein Kind dabei und mit diesem Umstand können sie nicht angemessen umgehen.

Ich habe inzwischen eine Art Oma-Radar entwickelt und werde hellwach, wenn sich eine von ihnen nähert.

Zugegeben, da gibt es die harmlosen Omas. Sie wackeln vertrottelt durch die Gegend, haben ein entrücktes Lächeln auf dem Gesicht und sehen so gütig aus wie die Bienenkönigin bei Biene Maja. Sie tun nichts, sind friedliebend, entspannt, mit sich und der Umwelt im Reinen und freuen sich, kleinen Kindern zu begegnen, von denen sie sich jedoch fernhalten, weil sie dem zuständigen Elternteil nicht in die Parade fahren wollen.

Das sind tolle Omas.

Das Problem ist nur: Es gibt sie nicht. Zumindest nicht an den Orten, an denen ich bin.

Mir begegnen nur die verschlagen schielenden Omas. Ich seh‘ sie schon von Weitem in meine Richtung äugen und ihre Gedanken manifestieren sich geradezu als graue Wolke über ihrem manchmal immer noch lilastichigen Haar: „Was ist das? Mann mit Kind? Oh nein, das geht nicht gut. Das arme Kind. Wo ist nur die Mutter? Ich muss, ach, ich muss … ich muss da … was machen!“

Und das tun sie. Sie ziehen dem Kind die Hose hoch, stecken das Hemd rein, putzen die Nase, rücken das Mützchen zurecht, ziehen den Reißverschluss nach ganz oben, verteilen mumifizierte Gummibärchen aus dem Humus ihres Jutebeutels. Einfach so. Zack. Machen. Vorher zu fragen wäre zu viel des Guten.

Als Zugabe gibt es Ratschläge aus der Gruft: „Sind Sie sicher, dass der Rucksack nicht zu schwer ist?“, „Das Kind ist müde, legen Sie es schlafen.“, „Das Kind will Kontakt, nehmen Sie es hoch.“ „Haben Sie keine Handschuhe dabei? Es ist kalt.“ „Das Mützchen ist ganz schief.“

Es sind diese Art Kommentare, die Sie alt aussehen lassen sollen, ätzende Kommentare voll gelebter Abneigung, nicht so wie die Mütter, die mit Ihnen immerhin noch halbwegs gütig umgehen wie mit einem geistig limitierten doch letztlich harmlosen Idioten, der sich bemüht, aber es eben nicht besser kann, nein, hier ist es Abneigung, Unwillen, unverhohlen, Sie sind maximal der Praktikant und hier maßregelt Sie jemand, der es besser kann, besser weiß, der im Steckrüben-, Graswurzel- und Seitantofuwinter nach Krieg/Wende/WM-Finale acht immerhungrige Bratzen mit altem Brot, Laubwurzeleintopf und dem Grind aus den Mauerfugen durchgebracht hat. Neigen Sie das Haupt und nehmen Sie hin. Sie sind Vater, Sie können nix.

Heute ist Kieser Training. Ich nehme nur selten mein Kind mit dorthin, denn die Omadichte ist enorm in diesem fleischfarbenen Strumpfhosenparadies von Rentnerhölle. Omas bedeuten Einmischung und viele Omas bedeuten viel Einmischung, Intervention, robust, ohne UN-Mandat.

Doch heute geht es nicht anders – die Kita hat zu – und ich ziehe bereits nach wenigen Minuten mehrere vergilbte Augenpaare im Winter ihres Lebens auf mich. Argwohn wabert durch die Luft, ich kann ihn riechen, fast greifen, und weiß, es wird etwas kommen. Jetzt keinen Fehler machen. Gib ihnen keinen Grund. Zeig was du kannst. Ziehe alle Register. Die Hose ist hochgezogen, die Nase ausgeschnaubt, das Oberteil tadellos in die Hose gesteckt. Und ich habe ein Malheft dabei. Mit Stiften. Um das Kind zu beschäftigen. Dazu eine kleine Flasche Wasser für spontanen Durst. Das Halstuch ist ab, damit es nicht schwitzt, die Jacke gut verstaut, eine Packung Taschentücher beult meine Schnellfickerhose aus. Natürlich trainiere ich so, dass ich das Kind immer im Auge habe, denn die Maschinen sind gefährlich für Kinder, ein guter Papa weiß das und ermahnt in regelmäßigen Abständen: „Finger weg von den Maschinen, ja? Macht richtig doll Schmerzen sonst.“ Trotzdem: Der Schweiß in meinem Rücken rührt nicht nur vom Training. Ich spüre, dass ich beobachtet werde. Sie kreisen, sie äugen, lauern, warten auf ihre Chance, krause Nüstern wittern die Beute, doch bis jetzt halte ich mich gut. Bis jetzt. Bis …

… das Kind sich spontan an ein angekipptes Fenster setzt.

„Wollen Sie nicht das Fenster zumachen? Es zieht und das Kleine hat keine Jacke an.“

Zack. Ein Sekundenbruchteil. Eine fällt der anderen ins Wort, die schon zur Leier angesetzt hat. Breitseite. Ich hänge angeschossen in der Maschine. Ohne Chance. Game over. You lose.


Na klar, Omas und ich sind ein Dauerbrenner. Ich mag sie nicht und sie mich auch nicht. Steckze nich‘ drin.


The Kieser Tales:

The old fart of Kieser-Training

The Unholy Sprallo of Kieser-Training (feat. The Desperate Drängelrentner)

The Incredible Jungdynamiker of Kieser-Training

The great goldrush of Kieser-Training

The Freaky Knatterich of Kieser Training

The Shitty Mallotze-Man of Kieser-Training

The grumpy feministress of Kieser-Training

The smelly Bommelslipperträger of Kieser Training