Pêche interdite

Was da steht? Angeln verboten. Auf 100 Metern nach rechts und nach links. Darunter am Ufer sitzen jede Menge Angler jeden Alters. Vom Opa bis zum Kind. Klar, ist ja auch ’ne geile Stelle zum Angeln, jede Menge Fische, die sich hier sammeln, ficken, laichen und beißen wie Hulle, deswegen angelt hier jeder so gerne. Sicher. Würde ich auch, hätte ich eine Angel mit.

Unzweifelhaft bin ich in Frankreich. Das erkennen Sie nicht nur an der Sprache (okay, das ist wirklich augenfällig), sondern auch daran, dass die Franzosen auf Regeln der Obrigkeit scheißen, die ihnen nicht nachvollziehbar erscheinen, und die städtischen Beamten den Scheiß auch nicht kontrollieren. Hunger. Fisch. Satt. Eine logische Kette. Was soll da das Verbot?

In Deutschland würde das ganz anders laufen. Hier würde natürlich nicht nur keiner angeln, sondern das auch vorauseilend auf einer Breite von 1000 Metern nach rechts und nach links – für den Fall, dass die Obrigkeit sich verschrieben, also quasi eine Null vergessen hat. Oder der Regent es anders meint als seine Beamten es kommuniziert haben. Kann ja sein. Man weiß ja nie. Besser wir machen mal nix, bauen einen Puffer ein, dann kann auch nix passieren. Safety first. Wir wollen ja keinen Ärger. Ruhe. Bürgerpflicht. Bahnsteigkarte. Angelschein. Und Rasen betreten verboten. Bitte gehen Sie weiter. Wer nicht hüpft der ist kein Deutscher. Hey. Hey.

Frankreich. Ich mag es hier. Ich bin gerne hier und vielleicht schaffe ich es irgendwann, wenn ich nicht vorher den Löffel abgebe oder sie meinen Renteneintritt bis zu meinem seligen Abkratzen verschieben, hier zu leben. Es gibt hier so viele Dinge nicht, die mich nerven und so viele Dinge, die ich mag und die bei Europas freudlosem Zuchtmeister verpönt sind.

Mülltrennung? Vergessen Sie es. Knallen Sie alles zusammen in irgendeine Tonne, es gibt nur eine Sorte davon. Den Scheiß trennt hier nämlich der, der von den gesammelten Rohstoffen profitiert, nicht der Franzose. Der hat ja davon nix und wird einen Teufel tun, Unternehmen, die mit dem ganzen Zivilisationsmüll dickes Geld verdienen, auch noch kostenlos die Arbeit abzunehmen. So wie der Deutsche es tut. Dem kann man alles erzählen. Der macht überall mit, wenn man ihm sagt, er soll mitmachen und ist an vorderster Front dabei, das korrekte Trennen von Abfall auch bei anderen zu überwachen, dieser Streber, der verdammte. Ich warte hier schon lange auf die ersten Überwachungskameras über den acht verschiedenen Mülltonnen oder auf den Sensor, der Alarm schlägt, wenn der falsche Rohstoff in der Tonne landet oder noch Joghurtreste im Becher sind. Soziale Kontrolle über die Müllecke als Fetisch der Kleingeister. Technik macht es bald möglich, diese Leidenschaft noch intensiver auszuleben. Und sie werden es lieben.

Pfand? In Frankreich? Haha, nix glop. Schmeißen Sie die Plastikflaschen in die Tonne, die Sie schon kennen. Ich glaube, wenn Sie in Frankreich ein Pfandsystem mit den hiesigen fürchterlichen Automaten, den vielen verschiedenen Systemen, bei denen sich jeder weigern darf, die Flaschen eines anderen Systems oder jene anzunehmen, die er nicht anbietet, einführen wollen, blockiert der Franzose sofort alle Autobahnen nach Paris. Mit Traktoren. Lastern. Kinderwagen. Egal. Kriegen Sie hier nicht durch. So etwas Analfixiertes funktioniert nur in Deutschland. Weil der Deutsche komplizierte Systeme ohne Sinn, Verstand und Logik liebt. Das beschäftigt nämlich arglose Menschen, die sonst Unsinn machen könnten (Autobahnen blockieren oder so), gibt Pedanten eine Lebensaufgabe und Sadisten ein Spielfeld. Wer kennt das nicht: Sinalco? Hamwa nich! Müssense bei Reichelt abjebn’n! Odda beim Bahnhofskiosk in Rudow. Könnt ja jeda komn’n.

Froschschenkel? In Berlin auf dem Deutsch-Französischen Volksfest hat eine Initiative versucht, den einzigen Stand zu blockieren, an dem das angeboten wurde. Inklusive der unvermeidlichen Flugblätter mit Schwurbeldeutsch und Nazikeule. Froschfolter! Kröten-KZ! Verteilt von betroffenen Gesichtern der Geisteswissenschaften. Die armen Frösche. Schauen Sie mal hier wie traurig der Sie auf dem Flugblatt ankuckt. Quak Quak. Können Sie das verantworten? Sag mir wo du stehst. Nun, lasst mich mal durch, dann stehe ich bei den Froschschenkeln, ihr Ficker, und esse sie. Sicher. Kann man nämlich machen. Schmeckt wie Hühnchen, nur viel feiner. Nicht so hormongejazzt.

Doch inzwischen gibt es auf dem Deutsch-Französischen Volksfest keine Froschschenkel mehr. In Frankreich dagegen schon, schauen Sie mal hier auf meinen Grill:

Just kidding. Sind Wachteln, keine Frösche. Die habe ich vergessen zu fotografieren.

Und was ist mit Foie Gras? Ja gerne. Am liebsten warm, kurz (ganz kurz) angebraten. Oder auf einem warmen Toast. Ob das Gänsefolter ist oder nicht, interessiert hier keine Sau. Mich übrigens auch nicht. Gut, jedes Stück fettgestopfte Gänseleber verkürzt ein menschliches Leben um etwa eine Woche und kostet darüber hinaus enorm Karmapunkte, aber ehrlich, das ist es wert.

Das alles wird sich der Deutsche natürlich nicht mehr lange mit anschauen. Dieses Lotterleben. Die Völlerei. Die Nachlässigkeit. Die Ignoranz. Die Freude. Die mangelnde Ernsthaftigkeit. Diese unerträgliche Missachtung protestantischer Prinzipien, der Askese, der Suche nach dem besseren Ich, des reinen Gewissens, der Moral. Das muss wegmissioniert werden, notfalls gesetzlich. Und wenn man Gängelei durchsetzen möchte, geht das heutzutage am besten über die EU, dem ungeliebten Kind, auf das man alles abschieben kann, mit dem man sich nicht selbst die Finger schmutzig machen will.

Also, Franzose, gewöhn‘ dich schon mal dran. Ich biete gerne ein Praktikum in Prenzlauer Berg, damit du dich einstimmen kannst. Acht verschiedene Mülltonnen, mit Hand ausgespülte Joghurtbecher, damit sie von der Wirtschaft besser verarbeitet werden können, fünf verschiedene Flaschen, deren Pfand in fünf verschiedenen Läden eingesammelt werden muss, weil jeder einen verbrieften Grund hat, die anderen vier Flaschen nicht anzunehmen, keine Froschschenkel und definitiv keine Foie Gras, es sei denn, Sie können sich das KaDeWe leisten, da müsste man mal schauen, vielleicht gibt es sie da noch. Ballyho, und den Roquefort verbieten wir auch gleich mit. Denken Sie an die Seele der armen Schimmelkulturen.

Alors, amusez-vous bien en enfer.


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