Planieren, planieren, Hauptsache planieren

Eine Kreuzung eines der weniger privilegierten Kieze Prenzlauer Bergs vor etwa einem Jahr:

Übel. Ein ziemlich fieses Beispiel vergammelter Infrastruktur. Ich war mal in Usbekistan. Da sah der Asphalt besser aus. Berlin Berlin. Die Schlaglöcher nach einem beliebig fiesen Winter werden hier frühestens zum Mai zugekippt, die schrägen Poller erinnerten eher an das fiese Gebiss meiner Deutschlehrerin und die Parkmarkierungen muteten eher an wie das Gekrakel von meinem Kind, wenn es versucht, ein A zu malen.

Dann schien Rettung in Sicht. Das örtliche Internet-Käseblatt vermeldete Ende letzten Jahres die baldige Sanierung des Kacklochs. Platzartiger sollte es werden. Aha.

Kürzlich lief ich dran vorbei und habe die Sanierung nur dadurch bemerkt, dass ich nicht mehr in ein Schlagloch getreten und auf die Fresse gefallen bin wie vor einem Jahr noch.

Herausgekommen ist das da:

Sehen Sie einen Unterschied? Ja, schon. Ein bisschen. Der Asphalt ist jetzt glatt. Und die Platten auf dem Platz sind es auch. Das Unkraut ist weg. Und sonst? Planiert. Komplett planiert. Grau grau in grau. Sogar die beiden Bäume, die Sie oben noch auf dem Bild sehen können, sind weg. Platzartiger, soso. Immerhin, jetzt ist es einer. Irgendwie. Zwar ohne alles, aber ein Platz. Von Aufenthaltswert war ja nicht die Rede. Parkbänke anyone? Neue Bäume? Ein bisschen Grün? Einen Brunnen erwarte ich ja schon gar nicht mehr.

Nichts zu sehen von allem, was einen ordentlichen Platz ausmacht, einfach nur planiert und eine Fahrradsalafistenschneise (in anderen Bezirken Zebrastreifen genannt) auf die Straße gemalt.

So machen sie es heute. Billig. Billig. Begradigen. Planieren. Mehr muss nicht. Keine Ideen. Keine Vision. Kein Konzept. Keine Empathie. Nicht einmal für eine Kunstinstallation irgendeines Schwippschwagers des Bezirksbürgermeisters, die ich im Zweifel sowieso wieder nicht verstehen würde, hat es gereicht.

Meine Stadt. Ein wahrlich würdiger Weltmeister (hallo Deutschlehrerin, schnipp schnipp, schauen Sie mal, ich kann auch Alliterationen) darin, immer noch eine Spur öder zu werden.


Nachtrag: Das bessere Lokalmagazin spricht von einer Steinwüste. Sehr passende Metapher.

 


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