Verarsch mich doch (24)

 

Ich lerne einfach nicht. Ich lerne einfach nicht. Oh nein, ich lerne einfach nicht. Irgendwann hat es angefangen und ich lerne nicht mehr dazu. Wie ein Duracell-Hase mit seinen Patschezimbeln, der immer wieder gegen die Wand läuft. Dengel! Dengel! Patsch! Dengel! Dengel! Patsch! Der lernt auch nichts. Der läuft einfach weiter. Immer wieder. Immer noch einmal. Pam Pam. Gegen die Wand. Und irgendwann ist die Batterie alle und er kippt um. So bin ich.

Denn ich habe wieder Homöopathie gekauft. Homöopathie. Ist er denn des Wahnsinns? Ja. Ist er. Denn er lernt nicht. Das war’s. Jetzt ist gut. Es ist vorbei. Evolution abgeschlossen. Er hat aufgehört, sich weiter zu entwickeln. Er lernt verdammt nochmal nicht mehr.

Homöopathie. Was ist es dieses Mal? Hier. Das hier. Mehrmals am Tag 15 Tropfen. Aus dem Deckel trinken.

Aus dem Deckel trinken?

Ja, sagt die Apothekerin. 15 Tropfen. Immer aus dem Deckel trinken. Sonst wirkt es nicht.

Ich kann keinen Löffel nehmen oder mir das Zeug direkt in den Mund kippen?

Deckel. Immer nur der Deckel. Sonst wirkt das nicht.

Na klar.

Und wer macht das auch noch?

Ich.

Ja, ich mach‘ das, kein Witz. Drei Tage lang saufe ich verdünnte Kacke, die schmeckt wie abgestandene Hundepisse mit Metaxa, direkt aus dem Deckel. Aber klar mach‘ ich das, immer aus diesem dämlichen kleinen Plastikdeckel, aus dem ich trinken muss, weil es sonst nicht wirkt. Ich muss völlig durchgeknallt sein oder restlos verzweifelt ob des Rotzeknotens, der sich in einem Dreieck zwischen Gehirn, Gaumen und Rachen festgesetzt hat und sich nicht einmal wie sonst mit mehreren dreifachen Wild Turkey verteilt über mehrere Abende wegbrennen lässt.

Also habe ich das Esoterikwässerchen geschlürft. Aus dem Deckel.

Gewirkt hat es nicht.

Natürlich nicht.

Es ist ja Homöopathie.

Die ich bald wieder kaufe. Na klar. Denn ich lerne nicht. Sie weichen mich komplett auf in diesem Homöopathieparadies von Idiotenbezirk. Sie assimilieren mich. Jubeln mir teuren Blödsinn unter. Immer wieder. Wollen mich zum ihrem Ebenbild machen. Ich soll wie sie werden. Bald trage auch ich Batikumhänge. Cordmützen. Hornbrillen. Und Birkenstock. Ist nämlich wieder am Kommen. Ich habe schon die ersten Hipster damit gesehen. In alten Nadelstreifen. Auf Diamant-Fahrrädern.

Bis bald also mal wieder. Denn beim nächsten Dünnschiss wird mir die nächste Apothekerin erzählen, dass ich beim Einnehmen der aus einer Zisterzienserkastanie verdünnten Elchpisse auf dem Wohnzimmertisch Boogie-Woogie tanzen soll. Mit einem Plüschgeweih von Weihnachten auf dem Kopf. Nachdem ich mir den Korken einer Flasche Veuve Clicquot in den Arsch gesteckt und mich mit Erdnussbutter eingerieben habe. Blep Blep.

Bitte sehr. Danke sehr. Verarschen Sie mich doch bald wieder.


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