Ausgewackt?

4:30 Uhr. Kaffee. Gulp. Scheiße, Kind wach. Kind wieder zum Schlafen gebracht. Noch mehr Kaffee. Browser. Metaltix aufgerufen. Wo ist die scheiß Kreditkarte? Ah, hier. Klick. Bestellt. Letztes Jahr habe ich so lange gegammelt, bis es nach 48 Stunden ausverkauft war, Fehler wie diesen mache ich nur einmal.

Wacken 2015. Gestern lag der Goldstaub im Briefkasten. Nach 12 Stunden ausverkauft. 75.000 Tickets. Das ist doch krank.

Ich werde nächstes Jahr alleine fahren, weil ich der einzige bin, den ich kenne, der eine Karte bekommen hat. Ich, der Bulli, eine Matratze, Dosenravioli, Glenlivet aus der Punica-Flasche. Lonesome Cowboy, Essen aus der Dose vorm Lagerfeuer, ein Dornenbusch weht vorbei, irgendwer spielt Hatebreed. Klischee-Männerromantik, klar kann ich auch alleine.

Vielleicht wird es mein letztes Wacken. Es verliert an Flair. Ausverkauft nach 12 Stunden, als sich die letzten Besucher von Wacken 2014 gerade aus den Schlafsäcken geschält haben. Bräsige Reporter des totsubventionierten öffentlich-rechtlichen Fernsehens berichten von Wacken wie vom Musikantenstadl und müssen so tun als ob es ihnen dort gefällt, pausbäckige Bankkaufmanngesichter zeigen Pommesgabeln in Kameras und lallen etwas von „Goil, des musch gsehn ham“, RTL2 präsentiert schwarzgekleidete zugetackerte Bürgerschrecks für sein hirntotes auf der Couch festgeklebtes Publikum („Woah kiek ma wie die aussehenäh, homanochne Schulle“) und selbst die Bild feiert Wacken ab als ginge es gegen … keine Ahnung … Sarah Wagenknecht oder so.

Der Hype ist irrational geworden und von irrationalen Hypes habe ich in Prenzlauer Berg genug. Vielleicht sollte ich mich doch wieder Richtung Polen wenden. Przystanek Woodstock. Das hypet hier niemand. Das ist in Polen. Die klauen Autos.

Noch 11 Monate, einmal noch Wacken … tschuldigung … Wacköööön. Pommesgabel anyone?


Ich glaube, inzwischen weiß jeder, was Wacken ist. Falls nicht, watch this.