Verarsch mich doch (23)

Ich tue brav was ich tun soll und wechsele immer mal wieder zu einem neuen Arschloch von Stromanbieter. Oder Gas, da mache ich das auch. Normalerweise jährlich, manchmal öfter, wenn sie wieder kurz nach Vertragsschluss (leider leider, das Krokodil, Sie wissen schon) eine Tarifanpassung vornehmen. Tarifanpassung – auch ein Arschloch, das dieses Wort erfunden hat, denn es ist keine Anpassung, es ist eine Erhöhung. Immer. Oder haben Sie schon einmal erlebt, dass ein Tarif sinkt? Ich nicht. Tarife sinken nicht, sondern steigen immer, aber es heißt nicht Tariferhöhung, sondern Anpassung. Neusprechbabybrei aus dem Handbuch für gestörte Technokraten.

Stromanbieterhopping ist mein Gemüse. Ich glaube, ich habe sie alle durch und ich hasse sie alle. Der Abschluss geht schnell, der Bankeinzug auch und wenn ich nachzahlen muss, sind sie flink wie der Wind und buchen das Geld so schnell ab, dass mir Hören und Sehen vergeht, vorzugsweise kurz vor Ende des Monats, wenn ich eh schon pleite bin, da kennen sie nichts. Oft kommt die Abbuchung sogar vor der Abrechnung, man glaubt es nicht.

Dass ich nachzahlen muss, kommt jedoch immer seltener vor, denn inzwischen knallen sie mir bei gleichbleibendem Verbrauch von Jahr zu Jahr überzogenere Abschläge rein, was für den Anbieter den Vorteil hat, dass ich ihm damit ein zinsloses Darlehen gewähre. Briefe und E-Mails nach niedrigeren Abschlägen ignorieren die Abwimmelmeister so wie sie jeden Versuch der Kontaktaufnahme torpedieren. Anrufen? Vergessen Sie es. Ein Automat lotst mich nach einigen Kapriolen, Zeitschleifen und Möbiusbändern jedes Mal zuverlässig in eine Sackgasse, in der er mich auftrumpfend mit einem formvollendeten „Auf Wiederhören“ verabschiedet ohne mich mit einem Menschen zu verbinden.

Da mir für einen Anwalt der Antrieb und vor allem die Nerven fehlen, nehme ich das hin. Denn der Tag, an dem ich wegen 10 Euro monatlichen Abschlägen einen Anwalt, die Verbraucherzentrale oder ein paar russische Schläger einschalte, wird der Tag sein, an dem ich den Müll meiner Nachbarn nach illegal in den Restmüll geworfenen ungespülten Joghurtbechern durchsuche. Oder Parksünder aufschreibe. Raucher an S-Bahn-Stationen anscheiße. Um 22:01 Uhr die Polizei rufe, weil das Café unten noch Gäste draußen sitzen hat. Sowas. Wird nicht geschehen. Ich habe gar keine Zeit für Kleinkriege um Kleinkram wie so viele dieser Kleingeister dieses an Kleingeistern so reichen Bezirks.

Die höheren Zwangsabschläge haben natürlich zur Folge, dass ich jedes Jahr einen schönen Betrag zurück bekomme:

Merken Sie was? Ja klar, sie schulden mir Geld. Mehr als sonst, weil sie noch irgendeinen obskuren Bonus mit einrechnen, den ich schon längst vergessen habe so wie ich alles vergesse, was mit ihrem unverstehbaren Tarifdschungel zu tun hat. Ein Guthaben also. Ein fettes. Und zahlen sie es aus? Nein, natürlich nicht, sie strecken es auf die nächsten Monate. Und warum?

Weil sie Wichser sind.

Ja, tut mir leid, aber es hat keinen anderen Grund. Es sind Wichser. Ihnen mögen die Eier abfallen. Sie haben sich erst vier Monate Zeit gelassen, mit mir abzurechnen, weil sie ja wissen, dass ich aufgrund der abartigen Abschläge was wiederkriege, und jetzt strecken sie das errechnete Guthaben auf weitere vier Monate. Sie verarschen mich und schreiben das auch ganz offen. Kein Euphemismus, kein Neusprech, sondern ausnahmsweise mal ganz offen: Es gibt kein Urlaubsgeld, Strompöbel, fick dich, viel Spaß auf Balkonien, Hurensohn. Das was wir dir schulden, strecken wir so weit wir können.

Zinsloses Darlehen. Damit arbeiten sie. Denn das ist besser als die 4,5%, mit dem die Banken, die inzwischen das Geld von der EZB fast für lau nachgeworfen bekommen, immer noch auf dem Kreditmarkt hausieren gehen. Hey, viel zu teuer, da nimmt man doch lieber den Verbraucher und seine 0,0%, den Depp, der wehrt sich ja eh nicht, der sagt nur „Wichser“ und wechselt nächstes Jahr zum nächsten Arschloch.

Arscharsch. Verarsch mich doch.

 


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