Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Honk (25)

Ich latsche an manchen Wochenenden mit einer halb ausgesoffenen Whiskyflasche irgendwohin. Meistens zu einer Party, von der ich weiß, dass es wieder nur Jägermeister, Feigling, Pfeffi oder irgendeinen anderen Alkoholmüll gibt, den ich nicht hinterkippen kann ohne mich danach stundenlang duschen zu wollen. Und weil ich zu später Stunde immer bei diesen unsäglichen Saufrunden mitspielen muss, in deren Rahmen sie sich im Minutentakt dieses mit üblem Industriearoma verfeinerte Frostschutzmittel in die Kehle knallen, sorge ich vor, indem ich halb ausgesoffene Whiskyflaschen von zuhause mitbringe, die endlich mal plattgemacht gehören. Glenlivet. Jameson 12. Etwas Sanftes zum Hinterknallen. Mit Stil, doch nicht zu nobel, um den Rahmen zu sprengen. Damit komme ich durch. Damit darf ich mitspielen und muss nicht den Scheiß trinken, den sie vorhalten. Den Apfelkorn. Sauerkirschwodka. Schiercker Feuerstein. Schiercke. Harz. Brocken. Bargh. Die Erinnerung an die Ghule in der Dampflok kehrt zurück.

Mit einem halb leeren Bowmore 12 aus der hauseigenen Minibar in der Hand entere ich eine Tankstelle am Eichborndamm. Es empfiehlt sich, immer auch ein paar Nüsse einzustecken. Nic Nacs und so. Oder Cashews. Cracker meinetwegen. Denn auf so einer Party haben sie meist nur Chips. Lidl-Bitterpaprika, Reagenzglas-Sour Cream, Pringles Glutamatpappe und ähnliche Verbrechen. Oder gleich den Gipfel der Perversion: Chemie-Käsebällchen. So viel kann ich gar nicht kiffen, dass das zu schmecken beginnt.

Rein in die Tanke. Zweimal Nic Nacs, einmal Tuc. Zahlen und raus aus der Tanke. Will ich. Doch weit gefehlt:

„Haste die von hier?“ fragt mich die mit miesen Tattoos und billigen Piercings zugehackte Dumpfbirne mit Brandenburger Bikolore auf dem Kopf und deutet mit ihren quietschbunten Plastikschaufeln auf den Bowmore.

„Nein, sicher nicht.“

„Sieht aber so aus.“

„Die ist halb leer. Wann soll ich die denn getrunken haben? Auf den zwei Metern zwischen Regal und Kasse? Außerdem haben Sie die unter Garantie nicht im Sortiment. Bei Ihnen ist bereits mit Jim Beam der lukullische Gipfel erreicht.“

„Muss ick schau’n jeh’n. Wie heißt dit Teil wat du da hast?“

Und schaut.

Notiert Bowmore.

Nach zwei Minuten Kramen im Regal, während ich ob der Absurdität der Situation einfach nicht aufhören kann zu grinsen, gibt sie grünes Licht: „Is in Ordnung. Kannste behalt’n.“

Und ich so: „…“

Was ist das Haupt-Einstellungskriterium von Tankstellen? Dass man ohne Hilfe das Klo findet, damit man den Job ohne Erwachsenenwindeln machen kann?

Jaja. Honk. In da house. Glückwunsch.


Epilog: Nicht alles im Harz ist Sülzfleisch, dummes Hexenpüppchen oder mieser Kräuterlikör. Sie machen tatsächlich ausgesprochen guten Whisky dort, der es in die kleine Reihe meiner unbedingten Favoriten geschafft hat. Der Vorteil: Damit kann man den Schiercker Feuerstein-Pappnasen verkaufen, dass man wie sie einen Harzer Dödelsuff trinkt, obwohl man das in Wirklichkeit gar nicht tut. 

Disclaimer, ohne den es offenbar nicht mehr geht: Nein, auch für diese Werbung gab’s kein Geld und keinen kostenlosen Puffbesuch, nicht mal ’ne Flasche Glen Els für lau. Ich verdien‘ hier nix, ich bin so verrückt und glaub‘ an den Scheiß, den ich empfehle.


Mehr Honks


1559195772991929555331264679774-11796574242704199293