The grumpy feministress of Kieser-Training

In tausend Jahren gibt es keine Männer und Frauen mehr, sondern bloß noch Wichser – und ich finde das super…

Trainspotting


„Ist dir schon aufgefallen? Ihr Männer werdet jetzt auch mit ‚Kundin‘ angesprochen. Es heißt jetzt nicht mehr ‚Liebe Kundinnen und Kunden‘, sondern nur noch ‚Liebe Kundinnen‘. Also ihr seid da mitgemeint.“

„Aha. Ist mir noch gar nicht aufgefallen.“

„Ist Absicht. Nur in den Anschreiben machen sie es nicht.“

„Immerhin.“

„Naja, sie können dich ja auch schlecht mit Frau Stevenson ansprechen, wenn sie gleichzeitig dein Geld wollen, da biste doch ganz schnell weg zu McFit, haha.“

„Kommt bestimmt noch. Meine patriarchale Dividende, die dafür sorgt, dass mir zwanzig geknechtete Jungfrauen den ganzen Tag kernlose Trauben an meinen vergoldeten Thron reichen während sie mir mit Palmwedeln Luft zufächern, ist noch lange nicht aufgebraucht. Da geht noch was.“

„Depp. Regt dich das nicht auf?“

„Nee, wirklich nicht. Jeden Morgen, wenn ich meine Privilegien checke und an mir runterschaue, ist der Penis noch da. Das ist doch eine gute Nachricht.“

„Ach komm, verarsch mich nicht, mich würde das aufregen. Und ich bin ’ne Frau.“

„Du solltest dich nicht so sehr aufregen und schon gar nicht über Dinge, an denen du nichts ändern kannst und die strenggenommen völlig egal sind.“

„Das ist doch einfach nur kacke. Ich nehm‘ dir das nicht ab, dass dich das nicht aufregt.“

„Regt mich wirklich nicht auf. Weil es nur der Zeitgeist ist, der gerade stürmt. Und wenn es stürmt, kratze ich mich im Schritt, lehne mich zurück und warte, bis das Schlimmste vorüber ist. Probier’s mal aus. So schlimm sind viele Dinge nicht. Alles verläuft sich auf lange Sicht gesehen. Alles ist relativ. Und alles ist am nächsten Morgen nur noch halb so schlimm wie gestern.“

„Ich finde das übertrieben. Sowas lässt mich als Frau auch blöd dastehen. Als würde ich das auch wollen. Dabei will ich das nicht, genauso wenig wie Quoten.“

„Quatsch, denkt keiner, hast ja du nicht entschieden. Es ist nur der Zeitgeist. Der ist so. Jahrelang hat man euch Frauen bei den Anreden mitgemeint, dann gab es eine kurze Zeit des Ausgleichs, in der man beide Geschlechter ranggleich genannt hat und jetzt geht es eben in die andere Richtung. Man beginnt jetzt damit, die Männer mitzumeinen und nennt es ausgleichende Gerechtigkeit. Oder positive Diskriminierung. Dabei ist es wie immer: Die Menschheit neigt zur Übertreibung, weil sich immer Eiferer an die Spitze einer an sich guten Sache setzen und übers Ziel hinaus schießen, da sie den Hals nicht voll genug bekommen können. Das ist der Lauf der Welt. Wie ein Pendel. Hin. Und wieder her. Das ist für sich gesehen nicht schlimm, wenn man die Systematik des Laufs der Dinge akzeptiert hat. Die Betonköpfe, die momentan den gesellschaftlichen Diskurs im Elfenbeinturm dominieren und bis hierher in dieses Fitnessstudio ihren salafistesken Einfluss ausüben, sterben auch irgendwann aus, weil sie immer aussterben. Und dann normalisieren sich die Dinge für kurze Zeit. Aber hey, nach den Betonköpfen ist vor den Betonköpfen. Kommen immer neue, Fundamentalismus stirbt nie aus, er zieht nur gelegentlich mal was anderes an.“

„Naja…“

„Sonst geht’s gut soweit? Wie geht’s Sine?“

„Alles gut. Hat jetzt wieder Arbeit.“

„Cool. Freut mich.“

„Und mich erst. So, ick muss hier weitermachen.“

„Hau rein, schönen Feierabend irgendwann.“

„Dir auch.“


The Kieser Tales:

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