Das sinnloseste Gebäude der Welt: Der Schwerbelastungskörper

Gestatten?

Das sinnloseste Gebäude der Welt.

Der Schwerbelastungskörper.

Seines Zeichens ein dickes Stück Beton auf den Berliner Sand gegossen, um zu testen, ob der den geplanten monumentalen Nazi-Triumphbogen im Zuge der Planungen zur Welthauptstadt Germania aushalten würde, ohne weg zu sacken.

Er ist bis heute fast 20 cm eingesunken.

Er hätte nur 5 cm einsinken sollen.

Und jetzt steht er da. Und ist.

Man kann auch rein.

Zum Ding-von-innen-Besichtigen.

Ob der historische Beton noch hält?

Einen Ofen gibt es auch. Falls es mal kalt wird.

Und einen Waschtopf. Bin ich froh, dass der laugenfest ist. Man stelle sich vor, er wäre es nicht. Nicht auszudenken.

Man kann zwar rein, aber nicht runter. Die Versicherung hat Angst, dass Besichtigende nicht klettern können und sich verletzen. Angst essen auch hier mal wieder Seele auf. Wie überall inzwischen schützt die Nanny-Gesellschaft jeden vor den Gefahren des Lebens und vor allem sich selbst vor Regress. Schade, ich wäre gerne runter geklettert, aber sie ließen mich nicht.

Dafür kuckt hier der Pegel raus, der noch 18 Meter in die Tiefe geht, bis zum Grundwasser, anhand dessen man messen wollte, ob und wie der Körper einsackt.

900.000 Euro.

Hat die Sanierung gekostet.

Weil Denkmalschutz und so.

Denkmalklotz.

Gefördert durch die Europäische Union, die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen des Programms „Zukunftsinitiative Stadtteil“, Teilprogramm „Stadtumbau“.

So nennen sie es. Dabei schmeißen sie nur das Steuergeld mit vollen Händen in den Ofen und ich kann nichts dagegen tun.

900.000 Euro.

Könnte man bestimmt zwei dicke Kitas für stiften.

Und die Erzieher zwei Jahre lang bezahlen.

900.000 Euro.

Für das Geld fand sich nicht nur einer, der spachteln kann.

Sondern auch einer, der oben versiegeln konnte.

Und einer, der eine tolle Aussichtsplattform mit Treppe bauen konnte.

Jetzt kann man sich den Klotz von oben anschauen.

Oder den Gasometer von Günne Jauch von weitem bewundern.

Oder eine Brücke, auf der ein Lastwagen von Möbel Höffner steht.

Berlin, Berlin, ick versteh dir manchmal nicht. 900.000 Euro. Für einen Nazi-Klotz ohne Funktion. Und eine Aussichtsplattform im Nichts. Mit Blick auf nichts.

Und ja, ick mag euch vom Berliner Unterwelten-Verein, sehr sogar, die Führung war toll, informativ und kurzweilig wie alles von euch, aber mal ehrlich: 900.000 Euro. Für einen Nazi-Klotz ohne Funktion. Und eine Aussichtsplattform im Nichts. Mit Blick auf – kein Witz – nichts. Null. Ich versteh‘ es nicht, sorry, ich versteh‘ es einfach nicht. Es muss der Stadt verdammt gut gehen, wenn sie den Gegenwert von vier Einfamilienhäusern in die Sanierung des sinnlosesten aller sinnlosen Gebäude stecken kann.

Dafür hätte man ein paar Wärmestuben für Obdachlose in Berlins sibirischem Winter bauen können. Mit warmer Suppe. Und Tee. Und Schlafsäcken. Auf Feldbetten. Damit ein paar weniger Menschen winters erfrieren müssen.

Hätte. Wenn es dafür einen Fördertopf gäbe.

Den es nicht gibt.

900.000 Euro.

Das muss erst mal sacken. Wie der Klotz, der ist auch gesackt.

Eine verrückte Welt. Ein verrücktes Land. Eine verrückte Stadt. Ein verrückter Klotz.


http://www.schwerbelastungskoerper.de


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