Timmendorfer Strand: Am Hafen von Niendorf

Ich mag so ’ne kleinen Häfen.

Kleines Tor zur großen Welt.

Da kuckt er, der Kollege.

Und der Gastlieger meldet sich bitte beim Hafenmeister der SVNO.

Was auch immer SVNO ist. Wahrscheinlich irgendeine Splitterpartei, die mit 0,3% knapp am Europaparlament vorbei geschrammt ist und jetzt hier ein Kalifat ausgerufen hat. Oder ein Trust voller örtlicher FDP-, Lions Club- und Grünenmitgliedern, die einmal in der Woche bei Grog und Stockfisch gemeinsam überlegen, mit was sie den Touristen nun wieder das Geld aus den prallen Hosentaschen leiern können, um es an die ansässigen Bildhauer für noch mehr Skulpturen auf der Strandpromenade umzuverteilen.

Das Beste am Hafen Niendorf ist der fische Frisch (omg), den man hier an den vielen kleinen Fischbutzen kaufen kann. Das Problem ist nur, dass es Glücksache ist, eine offene Butze zu finden.

Mehrere Versuche – verschiedene Tage:

1. Versuch – 11 Uhr: Ein Fischer läuft durchs Bild. „Hören Sie, tschulligung, wann krieg ich denn hier Füsch?“ „Das kommt drauf an, meistens zwischen 7 und 12, aber nicht immer, manchmal um 10 rum, oft eher um 9. Manchmal gar nicht.“ „Gibt es heute noch Fisch?“ „Nein.“

2. Versuch: – 9.30 Uhr: Eine Butze hat offen, es ist sogar Fisch zu sehen. „Guten Tag, schön, dass Sie auf haben, ich möchte heute Füsch kochen, aber ich weiß noch nicht, welchen.“ „Die Entscheidung kann ich ihnen abnehmen, ich hab‘ nur Dorsch.“ „Umso besser, Entscheidungen sind eh überbewertet, was nehm ich nur? Ach, ich nehm Dorsch!“

3. Versuch: – 10 Uhr: Totentanz. Alles zu.

4. Versuch: – 7.30 Uhr: Totentanz. Alles zu.

5. Versuch: – 8:30 Uhr: Ein Fischer läuft durchs Bild. „Hören Sie, tschulligung, krieg ich heute noch Füsch?“ „Nein, heute war Wind, is keiner rausgefahr’n.“ „Krieg ich hier irgendwo sonstwo früschn Füsch zu kaufen?“ „Hier nich, nein.“ „Nirgendwo?“ „Nirgendwo. Vielleicht in Travemünde, aber vielleicht sind die da auch nicht rausgefahr’n.“ „Wegen Wind.“ „Wegen Wind.“ „Kein Füsch hier sonst, ne?“ „Kein Fisch, nee.“

Halten wir fest: Man braucht ein wenig Glück und wahrscheinlich auch ein wenig Geschick, hier zur richtigen Zeit an den Fisch zu kommen.

Ich habe beides hier offenbar nicht. Oder selten zumindest. Macht aber nichts. Esse ich eben Pazifik-Tiefkühlware mit toten Delfinseelen aus dem örtlichen Discounter.

Schmeckt auch.


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