Timmendorfer Strand: Udo Lindenberg Denkmal

Ich bin kein Freund davon, alte Wasserrohre zusammen mit dem Inhalt von Opas altem Wehrmachts-Werkzeugkoffer aus dem Russlandfeldzug und den Resten einer Wanderbaustelle zusammengeleimt für 20.000 Kurtaxe-Euro als Kunst in den öffentlichen Raum zu stellen, was man immer dann besonders gut machen kann, wenn man als Künstler einen der Entscheidungsträger aus dem örtlichen Kunstförderungsfilz der betroffenen Stadt vom Sandkasten, vom Lions-Club oder von gemeinsamen Saunaclubbesuchen kennt. Und hey, die öffentlichen Gelder müssen ja verballert werden, sonst macht es keinen Spaß. Ausgabereste sind was für Moralisten.

Hier haben wir nun wieder so etwas Rostiges rumstehen, das rein optisch eigentlich auch der Beitrag der Vorschulblagen der Kita Prenzlzwerge zum diesjährigen Sommerfest sein könnte. Blech. Ein bisschen Regen. Und nach ein paar Wochen die Flex. Dann das:

Udo Lindenberg rausgeschnitten aus einem … was ist das? Ein Auto? Eine Wolke? Eine fliegende Untertasse? Ein Scheißeknödel? … egal … rausgeschnitten aus einem Ding, aus dem man zusätzlich noch das Wort „Horizont“ mit rausgeschnitten hat, durch das man auf selbigen blicken kann.

Und der ausgeschnittene Udo steht davor und sieht aus, als würde er seinen Namen in den Sand pinkeln. Aber wahrscheinlich pinkelt er nicht seinen Namen, sondern das Wort „Horizont“. Der Bedeutung wegen. Doppelbedeutung. Haha.

Und das war es dann.

Okay. Kunst mit dem Holzhammer. Kapier‘ mich oder ich schlag‘ dich. Ja, das kapier‘ sogar ich. Udo singt „Hinter dem Horizont geht’s weiter“ und ich kucke durch das Wort auf den Horizont der Ostsee. Ja. Toll. Subtilität ist heute anderswo.

Hab‘ ich ausnahmsweise mal Kunst kapiert. Das passiert mir in Berlin nur selten. Und hier auch.

Da freu‘ ich mich aber.

Wie Bolle.

Richtig.

Wichtig.

Und rostig.