Mit Schland und Schlumpf

„Guten Tag, ich bin ein echter Fan und möchte bei Ihnen trainieren.“

„Sehr schön, unterschreiben Sie hier.“

„Toll, so ein Studio für echte Fans, nicht wie bei den Spackos und Fakern von McFit. Hahaha.“

„Höhö. Jaja.“

„Wo ist denn die geile Olle mit unseren heiligen Farben auf der Backe?“

„Bitte?“

„Die vom Plakat. Die geile Olle. Die Blonde. Mit den Titten. Wo ist die?“

„Ach so, das ist nur ein Model. Aus Weißrussland. Die deutschen sind zu teuer. Kann doch keiner bezahlen. Der haben wir die Haare gebleicht und die Hurra-Schminke in die Fresse gemalt, dann sieht sogar Matruschka aus wie deutsch. Merkt doch keiner von den drei national befreiten Bockwurstgesichtern, die wir mit der billigen WM-Anbiederei in unser trauriges Studio in diesem vernachlässigten Einkaufszentrum am schäbigen Ostrand von Prenzlauer Berg ködern werden. Haha. Haben Sie schon unterschrieben? Ja? Hier ist Ihre Kopie. Viel Spaß. Möchten Sie einen Eiweißshake? Oder doch lieber ein Apfelschorle? Aus moldawischen Äpfeln. Alle anderen sind zu teuer. Hahaha Scheeeeeerz.“


Wenn Sie hier auf Kommentare zu Spielen der WM warten, so warten Sie leider umsonst. Wenn Sie das suchen, so finden Sie es kompetent, gut geschrieben und gnaden- sowie hemmungslos begeistert hier

Ich werde die nächsten Wochen gruppendynamisch genötigt werden, auf Sofas mit Fähnchenschwingern zu sitzen, die ich meine Freunde nenne und die mich mit einem Triple-Schminkstift anmalen und mir dumme Perücken aufsetzen werden. So wie sie das alle zwei Jahre tun. Schlimm genug. Wenigstens stehen sie bei der Nationalhymne nicht auf und singen schief mit. Ich bin froh für wenig. 


Da Polen für die WM nicht qualifiziert ist, bin ich nur vorgeblich interessiert, um nicht als unhöflich zu gelten. Ich werde so tun, als fände ich es unendlich traurig, wenn Deutschland verliert und werde bei jedem Tor unserer Jungs (diese Jungs, diese tollen Jungs) versuchen, beim Wohnzimmer-Torjubelpogo in keine Achselhöhle zu geraten und den Whisky, mit dem ich mir das Elend schönsaufen werde, nicht zu verschütten.


Aber klar, ich mach‘ mit. Volle Kanne. Im Borgwürfel bin ich in mehreren Tipprunden, um mich nicht sozial auszugrenzen, weil das langfristig nur Nachteile bringt. In diesen Tipprunden habe ich meine Tipps blind zusammengewürfelt und bin jetzt lustigerweise Tabellenführer vor all den selbsternannten Fußballexperten, was mir reihenweise Anerkennung einbringt, obgleich ich nicht einmal weiß, ob Kamerun oder Ghana das Zeug dazu hat, die Vorrunde zu überstehen und ob Ecuador mit zwei Sturmspitzen spielt oder doch mit einer auf Konter ausgerichteten Abwehrkette. 


Ich habe sogar schon alle mit Platzhaltern versehenen Spiele bis zum Finale getippt und wahrscheinlich werde ich mit diesem dumpfen Nihilismus alle Gewinntöpfe holen, deren Inhalt ich dann dem Penner vor dem Rewe in der Ostseestraße mit voller Überzeugung in den Hut schmeißen werde. Darüber hinaus erschöpft sich mein stiller Protest gegen das ganze Schlumpf- und Schlandbombardement im Hören von Deichkind im Player. So ist das. Zeit für Urlaub.


via Prollblog