Partyabfüllstation – das Sanabel

Ich bin ab und zu einmal mittagspausenbedingt auf dem Touristencatwalk der Schlesischen Straße und habe Hunger. Das Sanabel besetzt hier eine prominente Lage und bietet Arabisches nebst einigen seltsamen und fast vorsätzlich unpassend anmutenden Specials wie Hamburger an.

Fast alles, das es hier gibt, habe ich schon einmal irgendwo besser bekommen, gerade in Kreuzberg. Das gilt für das Tabouleh, den Hummus, dem Schawarma bis zur Sesamsoße und dem Quasimodo der Salate – dem Eisberg, den sie hier wirklich überall beimengen. Warum muss es eigentlich immer der sein?

Besonders das Schawarma ist ärgerlich, es ist zu mächtig und dennoch dennoch zu mau, stark eingedeutscht, damit tendenziell wenig gewürzt und unverhältnismäßig fettig. Schade. Traut euch doch mal was, möchte man rufen. Aber dann bleiben wahrscheinlich die Touristen weg und die sind neben mir wohl die Einzigen, die in dieser Gegend öfter mal essen.

Haloumi und Falafel zumindest überzeugen. Hier arbeitet ein Könner, der das Zeug nicht knallheiß direkt aus dem Fett geborgen mit triefender Knusperhaut serviert, sondern kurz genau richtig abkühlen lässt. Ich bin manchmal froh um wenig, besonders mittags.

Cool sind die kleinen perversen Merguez. Fettig wie Hulle, aber geil.

Die Handhabung der Brotversion zeigt in allen Variationen, wie zu erwarten ist, starke Schwächen in Form von massiven Auflösungserscheinungen gegen Ende. Das war ja klar. Die Sesamsoße so zu portionieren, dass sie nicht das Brot durchweicht, bekommt kaum einer in dieser Stadt so hin, dass sich der Inhalt nicht im Raum verteilt. Bestellt man das fettige Schawarma statt der Falafel im Brot, kann man den Zeitpunkt der Auflösung sogar noch weiter nach vorne verschieben. Ein Löffel hat gefehlt. Zum Löffeln.

Der Service ist eine Katastrophe, war er schon immer und das wird auch nicht mehr besser werden. Was der nie lernen wird, ist, dass es wenig zielführend ist, durch die laute Hintergrundmusik den Namen des Gerichts absolut unverständlich ins murmelnde und labernde Lokal zu brüllen.

„Rrrraambrooootlfabrumireiii!“

Daraufhin erheben sich quer durch den Raum bis zu fünf Personen von ihren Plätzen, die – da sie den Namen ihres Gerichts zu identifizieren gemeint haben – alle zur Theke wackeln, wovon vier enttäuscht wieder abziehen, um beim nächsten Brüller

„Schwarrrmmaloumtrrrebleee!“

wieder an die Theke zu hechten, um zu erfahren, dass es nun leider das Gericht dieses piefigen Anzugstypens hinten in der Ecke ist, an dem der Aufruf seiner Mahlzeit mal wieder völlig vorbei gegangen ist, weil er auf dem Smartphone bei Age of Conquest gerade als Russland in China einfällt.

Das Personal eilt, wenn sich gar keiner findet, der den Namen seines Gerichts aus dem Kauderwelsch vernommen zu haben geglaubt hat, auch gerne mal eigenhändig – ohne das Essen – durch das Lokal, ruft dabei mehrmals den Namen

„Flaffallellaschwamaaatellrrreeee!“

aus und bittet den irgendwann tatsächlich identifizierten Inhaber zur Theke zum Abholen.

Ziemlich optimierungswürdig, die ganze Show, effizient kann das trotz aller Niedrigpreise nicht sein. Ich sollte mal unsere outgesourcten Eierköpfe von Controllern hierher schicken, vielleicht schaffen sie hier wenigstens das, was sie sonst nie schaffen: Etwas zu optimieren.

Im Ergebnis erreicht das Sanabel bei weitem nicht andere gute libanesische Lokale (zum Beispiel den Phönizier in Prenzlauer Berg) und so reicht es nur dafür, dem Vollsuff des nächtlichen Partypublikums eine nicht ganz fürchterliche Mahlzeit zur Seite zu stellen oder für meine Mittagspause, wenn mir sonst nichts einfällt.

Immerhin.


Sanabel
Schlesische Straße 36
Kreuzberg
keine Website