Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Honk (23)

Ich habe Erdnüsse gekauft. Und weil ich noch nicht weiß, was kommen wird, esse ich sie auf dem Spielplatz. Das Kind isst natürlich mit. Weil es immer mit isst, wenn ich etwas esse. Außerdem fährt es auf Erdnüsse ab. So wie auf Cashews und sowieso alles, das mit Nüssen zu tun hat.

Und so sitzen wir chillend in der Mitte des Spielplatzes auf dem Boden herum und teilen uns Erdnüsse. Nicht die von einarmigen Kindern aus Chisibubikaio mit den Füßen besungenen Salzlosen ohne Öl, die es hier in diesen Bioläden gibt und die schmecken wie ihre Käufer aussehen – nein. Die mit Öl. Und Salz. In der Dose. Aus der weißrussischen Fabrik. Oder zumindest aus Brandenburg. Die von der Sorte, für die ich wahrscheinlich bald in den Wedding rüber muss und von denen mir Hörner und ein zweiter Penis wachsen, wenn ich sie drei Tage hintereinander esse.

Dinge wie diese kann man in Prenzlauer Berg nicht lange ungestört tun. Eigentlich weiß ich es ja, aber ich verdränge es gerne.

„Sie können doch dem Kind keine Erdnüsse geben.“

Ich schaue. Palim Palim, der Bezirk der sozialen Kontrolle schlägt wieder zu.

„Das ist noch viel zu klein dafür.“

Ich schaue. Kein Wort von mir. Märkisches Viertel, das wär‘ jetzt schön. Dort können die Kinder auf dem Spielplatz Crystal rauchen und keinen juckt’s.

„Das Salz. Denken Sie doch an das viele Salz.“

Ich schaue immer noch. Immer noch kein Wort. Meine Hand bewegt sich langsam in die Erdnussdose. Holt eine Handvoll raus. Drückt sie dem Kind in die geöffnete Hand. Mein Gesicht grinst dazu. Mein Charles-Manson-Wenn-die-Dose-leer-ist-drehe-ich-sie-dir-in-deinen-Darm-Grinsen. Ich mache das jetzt nur noch so.

Abgang Spaghettikopf.

Honks. Ich spreche nicht mehr mit euch. Ich arbeite jetzt mit Gesten. Meine verbindlichsten Glückwünsche. Ich hab‘ euch so lieb wie ihr mich.

 


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