Verarsch mich doch (21)

Ich Halbhirn war wieder im Bioladen. Weil ich mich selbst dämlich fantasierte, dass das Fleisch dort besser schmeckt. Dass es dort sowieso immer besser ist. Teuerer = besser = bio = Bioladen. Sie haben dort auch eine Fleischtheke. Ja, im Bioladen. Frag mich mal, wer das kauft außer mir, aber sei es drum. Gäste kommen. Ich will Fondue machen. Und da kauft man nur das beste Fleisch, also heute mal kein Lidl, kein Netto, keine Hormone, Pestizide, Rinderwahn, sondern – hey! – gehen wir mal zum Bioladen. Gönnen wir uns was. Bio-Filet. Das haben wir uns verdient. Und so.

80 Euro. Für etwas um die zwei Kilo Fleisch.

Alles gut?

Nein, nichts ist gut.

Von den zwei Kilo habe ich zuhause fast ein halbes Kilo weggeschnitten.

Haut.

Lederhaut.

Locker einen halben Zentimeter dick.

Hart. Trocken. Unessbar.

Meine Güte.

Wie lange lag das Fleisch da schon? Wieso sah das in der Theke noch halbwegs passabel aus? Und nicht angetrocknet. Vergilbt. Mumifiziert. Liegt da rum und wartet auf einen Idioten, der das kauft. Mich. Klar. Wen sonst? Dass die Leichenteile außen im Prinzip luftgetrocknetes Dörrfleisch sind, mit dem im Gepäck ich prima wochenlang in der Sahelzone oder auf dem Himalaya ausharren könnte ohne Proteinmangel zu erleiden, merke ich natürlich erst, wenn ich die Scheiße zuhause auspacke und schneide, weil in ein paar Minuten das Fondue beginnen soll, so dass gar keine Zeit mehr bleibt, zurück zum Bioladen zu laufen, um den Fleischverantwortlichen ihre verdammte Lederepidermis stundenlang achtkantig um die Ohren zu hauen. Mit den dicken zähen harten Filetlappen hätte ich diese Nichtskönner gerne so lange bearbeitet, bis sie einsehen, dass sie es entweder lassen mit dem Fleisch oder die ranzigen Teile zumindest wegschneiden und eben nicht dem Kunden zum vollen Bioficker-Save-the-planet-Aberwitzpreis verkaufen.

Ich könnte mal wieder vor Zorn in einen fair gehandelten Hokkaidokürbis beißen, wenn es die momentan gäbe. 80 Euro. Für knapp über anderthalb Kilo Fleisch. Zum Glück war noch Hack da. Von Lidl. Für Hackbällchen. Ihr Penner. Dann lasst es doch. Wenn schon keiner von den zotteligen Vollkorngesichtern dieses Bezirks hier Fleisch kauft, so dass es so lange in eurer Auslage herumliegen muss, bis ein Idiot kommt und die Scheiße kauft, dann lasst es sein. Dann bringt es nichts, ausgerechnet den zu verärgern, der euch sowieso nicht ausstehen kann, weil der nicht wiederkommen wird und dann keiner mehr hier Fleisch kauft.

Aber vielleicht gibt es die Theke auch nur zur Abschreckung und sie wollen mich auf die harte Tour zum Veganer machen.

Haha. Ich kann mich kaum halten. Schön verarscht. Ist das ranzige Idiotenfleisch tatsächlich noch kurz vor dem Eintritt der Verwesung weggegangen. Zum vollen Preis. 80 Euro. Glückwunsch. Blep Blep. Verarsch mich doch.


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