So lasset uns denn die Chucks begrünen

Wir sehen die kreative Nachnutzung ausgelatschter Chucks in Prenzlauer Bergs spießigen Urban Gardening-Feldern und den diesjährigen Favoriten in der Kategorie „Freaky Arts“ des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“. Hut ab. Ich habe eine unverkäufliche Kackschüssel von meinem Kind übrig. Mit alten Schlieren, die nicht mehr weg gehen. Vielleicht drapiere ich die auch mal auf irgendeiner Bauminsel und pflanz‘ darin einen Kacktus (hahaha ich platze vor Lachen, was für ein Wortspiel). Und den garniere ich dann mit einer vollgeschissenen Windel, einer der unzähligen geschenkten Babyrasseln irgendwelcher Drogeriemärkte, die bei mir zuhause vor sich hin verwesen, und den Kackwürsten der Köter vom Bürgersteig – sofern überhaupt noch eine Bauminsel frei ist, die noch nicht von pflanzwütigen Müttern gärtner- und künstlerisch begattet worden ist.

Vielleicht reicht meine kreative Installation, die ich im Übrigen „Neubürger meets reality – United in Kack“ nennen werde, ja für den Wettbewerbstrostpreis für Pleppos. Aufgrund meines lobenswerten, aber letztlich erfolglosen Bemühens um künstlerisches Schaffen im öffentlichen Raum. Und damit ich mich nicht ganz so schlecht fühle, erhalte ich einen EU-geförderten 5 €-Alnatura-Gutschein (wofür ich wahrscheinlich maximal ein Töpfchen Palmöl bekomme, das ich dem Ober-Gentrifizierer in seinen Briefkasten kippen kann). Oder eine viertel Yogastunde zum Anteasern bei einem Bezirks-Guru meiner Wahl. Oder einen Chai Latte Woccochino Milky Milk Flip Flap Crip Crap New York Rio Tokio Mocca Ballyho Slush Freaky Cinnemonia Flavour On Top Of The Hills Americano mit Sojamilch und fair gehandeltem Zimt im nächstgelegenen Kindercafé.

Und weil wir gerade beim Thema Kackwürste sind, habe ich noch eine tolle Geschichte am Start: Ein Kumpel hat mal jemanden kennengelernt, der Hundescheiße aufsammelt und zuhause im Kühlschrank aufbewahrt. Auf Tellern. Schön mit Frischhaltefolie abgedeckt. Und wenn er sich mal was gönnen will, macht er sich eine auf. Ja, sowas gibt’s. Kein Scheiß (haha schon wieder so ein Ding, satzübergreifende Referenz, Deutsch-Leistungskurs mein Arsch). Der Kumpel war schneller aus der Bude raus als er „Bloß weg hier“ denken konnte und schwor sich, nie wieder mit flüchtigen Clubbekanntschaften nach Hause zu gehen.

Und ich dachte immer, ich habe schon alles erlebt und da kommt nix mehr, was mich auch nur ein wenig irritieren könnte, aber das war tatsächlich neu und ich muss wieder einmal feststellen: Es gibt wirklich alles auf dieser Welt. Wirklich alles. Auch Hundekackefetischisten. Wahnsinn.

 


 

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