Authentisch: Good Friends

Manchmal verlasse ich ein Restaurant mit gemischten Gefühlen und kann das Unwohlsein nur sehr schwer an etwas festmachen. Good Friends in Charlottenburg – authentische chinesische Küche kantonesischer Prägung. Sagen sie.

Ich sehe mich nicht in der Position, das so belastbar zu beurteilen wie diese blasierten Wichtigtuer, die mit wichtiger Miene kantonesisch von han-shanghai und hongkong-pfui von nord-vietcong meinen unterscheiden zu können und damit so glaubwürdig wirken wie diese nicht minder blasierten selbsternannten Weinkenner, die ihre nutzlosen Informationen über Hanglage und Traubenmische, mit denen sie ihre Mitmenschen belästigen, vorher vom Etikett der Flasche oder bei Wikipedia abgelesen haben.

Gemischte Gefühle hier im Good Friends. Am Essen liegt es nicht, es ist ausgezeichnet, immer wieder, immer wieder aufs Neue. Großartig.

Was ist es also, was mich so unbehaglich zurück lässt? Ist es die etwas lieblose Präsentation, das diffuse Gefühl des Abgefertigtwerdens, vielleicht auch die viel zu enge Sitzanordnung, die etwas mir wichtiges wie Atmosphäre nie aufkommen lässt? Oder Kleinigkeiten wie die am Edelstahl festgeklebten Vorspeisen, der kalte Reis oder dieses wie ein Bittsteller minutenlang trotz Reservierung im Raum Stehen ohne dass es jemanden interessiert?

Vielleicht ist die einzig wahre Antwort ja auch typisch deutsch: Es fehlt trotz gehobenen Anspruchs die Gemütlichkeit, so richtig willkommen fühle ich mich hier nicht, vielleicht ist es das, was man mit authentisch meint, wenn man authentisch sagt. Meine Welt ist es nicht. Ich bin dann doch deutscher als ich will. Es überwiegt das Unbehagen.


Good Friends
Kantstraße 30
Charlottenburg
http://www.goodfriends-berlin.de/

 


 

1559195772991929555331264679774-11796574242704199293