Verarsch mich doch (20)

Kino ist teuer geworden. Das ist eine Binse. Zweistellig für ein Ticket ist nicht mehr Ausnahme, sondern Regel. Dass die Kinosäle der Multiplexe trotzdem vollgestopft sind mit Schwachsinnigen, die sich dort in ihrer sozialen Inkompatibilität gegenseitig das Leben schwer machen und in ihrer Unerträglichkeit nur noch von den Döner- und Currywurstfressern in der Berliner S-Bahn getoppt werden, ist ein Zeichen dafür, dass es diesem Land immer noch viel zu gut geht. Wer dafür Geld zahlt, hat zu viel davon.

Zur obligatorischen Kinokarte im zweistelligen Bereich kommen oft noch intransparente Zuschläge, von denen man erst an der Kasse etwas erfährt. Der Überlängenzuschlag ist der Klassiker. Alles über zwei Stunden ist jetzt Überlänge und kostet extra. Einsfuffzig. Zwei Euro. Nach Gusto. Früher hieß das was man bezahlen musste einfach Eintrittspreis und hatte mit dem konkreten Film nichts zu tun. Heute wird zugelangt. Oh, Film zu lang – Geld her.

Was kommt als nächstes? Actionzuschlag wegen mehr als zehn Leichen? Dan-Brown-Verfilmungszuschlag weil die letzten drei von ihm so gut liefen und Tom Hanks so teuer ist? 50-Cent-hat-einen-Gastauftritt-Zuschlag für jeden zweiten Film, in dem ein zwielichtiger schwarzer Gangster Hof hält?

Zurück zur Gegenwart: Was ist von einem 3D-Zuschlag für Filme zu halten, die nirgendwo mehr in der Stadt, sondern allerhöchstens noch in Finowfurt / Brandenburg nicht in 3D gezeigt werden? Einem Zuschlag also, dem man an Orten, für die man nicht zwingend ein NPD-Parteibuch braucht, gar nicht mehr entkommen kann? Den man hier in der Stadt quasi immer zahlt, wenn man ein Multiplex betritt?

Der Gipfel war mal ein Berlinale-Zuschlag. Weil der Film wohl dort zuerst gezeigt wurde. Oder zur Nominierung vorgeschlagen, aber nicht genommen wurde. Oder jemand den beim Scheißen auf dem Berlinale-Klo zu Rapidshare hochgeladen hat.

Seit neuestem kann man sich seine Luxuskinokarte auch mit einer App holen. Von UCI zum Beispiel. Das sieht dann so aus:

Mit Buchungsgebühr. Ein Euro. Verarsch mich? Ich nehme euch die Arbeit ab und buche mir selbst einen Platz, zahle eigenständig und trage dazu bei, Personal abzubauen, weil niemand von euch mehr einen Finger für mich krumm machen muss, und ihr knallt mir einen Euro Buchungsgebühr rein? Für eure Patientensammelstelle, die ihr Kinosaal nennt? Geht’s? Ja? Sind sie so doll, die Schmerzen? Mittelchen nicht genommen? Merkbefreiung nicht ausgefüllt? Kopf beim Kontaktlinsensuchen am Waschbecken angeschlagen?

Nee. Zahl‘ ich nicht. Dann warte ich lieber drei Monate und hole mir den Film in HD online für 3,99 nach Hause. Da kann ich wenigstens in Unterhose hähnchenschenkelfressend im Wohnzimmer sitzen, die Flasche Balvenie leersaufen und den Film auf Pause machen, wenn ich pissen muss. Zu zweit. Zu dritt. Zu zehnt, wenn ich mag. Für einen Bruchteil des Puffpreises. Und bleibe dabei als Krönung von den Pflegefällen in den Multiplexen verschont, die jeden Glauben an eine ethische Weiterentwicklung der Menschheit nicht nur erschüttern, sondern auslöschen.

Es wird Zeit für das Sterben der Dinosaurier. Aber es gibt noch unendlich viele, die so ihr Geld verbrennen, also wird das Aussterben noch eine Weile dauern. Ich spiel‘ jetzt schon nicht mehr mit. Verarsch mich doch.

 


 

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