Vorübergehend ausgeschrillt

Seit fast einem Jahr ist er zu, mein Friseur. Mein schriller, mein tuntiger Friseur, dieses exakte Gegenteil der 6-bis-10-Euro-Abfertigungs-Dumping- und pseudocool-überteuerten-Hipster-Friseure dieser Gegend, die sich so absurde Namen wie Hauptstadtschnitt oder Haarlekin geben, aber dann doch nur Tocotronic-Deppenfrisuren oder die aus Brandenburg eingeschleppte Heinrich-Himmler-Kante (auch bekannt als Zwickauer Terrorzelle-Gedächtnisfrisur) können. Meine Güte.

Shirley betreibt den Laden seit locker zehn Jahren meistens allein und ver- und umsorgte neben der Arbeit meistens noch ihr Kind, was mir als Vater jeden Respekt abnötigt, denn ich weiß, was da an Arbeit, Nerven und Geduld hintersteckt, vor allem wenn man nebenher noch seinen Job zu machen hat.

Jetzt ist der Laden erst mal zu. Und es ist ausnahmsweise nicht die Gentrifizierung, die dahinter steckt, sondern Shirley hat einen persönlichen Kampf ausgefochten, den man auf Facebook verfolgen kann (ja, ich weiß, Facebook, inkonsequent, Wasser predigen, Wein trinken und zu Zuckerberg verlinken, jetzt wird mir der Puller abfallen, weiß ich ja, mach ich trotzdem). Es sieht wieder recht gut für sie aus und vielleicht macht sie ja bald wieder auf. Und vielleicht braucht ja jemand aus der Gegend, der das hier liest, einen guten Friseur. Das hier ist einer.

Alles Gute, Shirley. Schön, dass du noch bei uns bist.

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