Das kleine Kino Krokodil

Das Kino Krokodil ist ein kleiner Geheimtipp in einer der ruhigeren Seitenstraßen des nördlichen Prenzlauer Bergs. Es ist spezialisiert auf russische bzw. osteuropäische Filme und hat sich damit ein kleines und sehr spezielles Publikum erarbeitet. Hier laufen Filme, die sonst höchstens ab 23.00 Uhr auf Arte und 3Sat oder auf stark subventionierten, völlig unbekannten und schlecht besuchten Kulturfestivals gezeigt werden und von bebrillten Sozialarbeitern mit Vokuhila-Frisur, dicken Kulturtanten mit Perlen um den Kropf, zotteligen Prenzlmüttern und mir geschaut werden. Gewinner der goldenen Kokosnuss der Filmförderanstalt Bukarest oder die Abschlussarbeiten der Filmhochschule Minsk haben sehr gute Chancen, hier vorgeführt zu werden.

Es ist ein Liebhaber-Off-Kino für Minderheiten, das sich an das tatsächlich noch vorhandene Publikum jenseits der Popcornfresser und iPhone-Leuchter in den Blockbustern der Multiplexe richtet. Und ich finde das gut. Hier dauert alles etwas länger, der Kartenmann ist gleichzeitig Filmvorführer, Bierausschenker und Conferencier und der ganze Abend kommt so familiär daher als würde ich bei guten Freunden im Wohnzimmer sitzen und einen knödeligen Super 8-Film schauen, in dem der Junior gerade laufen lernt. 1985.

Ganz toll gruselig ist der kratzige Gong, der gongt, bevor die Vorstellung beginnt. Ich erwarte da immer jeden Moment den lokalen FDJ-Sekretär vor die Leinwand treten, der mir die Grüße des Genossen Staatsratsvorsitzenden überbringt, ein Loblied auf den von unseren tschechoslowakischen Genossen in mühevoller Handarbeit gedrehten Film anstimmt und die Zuschauer auf den Sieg des Proletariats einschwört.

Und dann mache ich die Augen auf und es ist wieder 2014.Prenzlauer Berg. Wie lange sich so ein Nischenkino bei den Höllenmieten noch halten kann? Ich hoffe, lange.


Kino Krokodil
Greifenhagener Strasse 32 
Prenzlauer Berg

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