Homes

Fuck Valentinstag, ich geh‘ lieber was essen. Und da gilt die Losung: In Kreuzberg isst man besser.

Jedem, der gleich nebenan in Alt-Treptow immer noch partout vernünftig essen will, sollte man dieses Mantra dreimal täglich um die Ohren hauen. Denn vergleiche ich die beiden unmittelbar angrenzenden Kieze mit der kulinarisch-kritischen Brille, drängt sich mir unwillkürlich das Bild eines Wettrennens zwischen einem zugedopten Lance Armstrong in seinen besten Zeiten und einem psychisch labilen Vierjährigen mit ADHS auf einem platten Kinderrad, bei dem ein Stützrad umgeknickt ist und die Bremse schleift, auf. Kopfkino. Kann auch nix dafür.

Was Alt-Treptow mit seinem ganzen in stoischer Verzweiflung plakativ verkrampften Gestümper nicht hinbekommt, schüttelt ein Lokal wie das Homes ein paar Meter von der Bezirksgrenze zu Treptow entfernt leger lässig luftig locker aus dem Ärmel: Hier haben wir ab 12.00 Uhr einen Businesslunch für irgendwas um die sieben Euro, der nicht nur sein Geld sondern strenggenommen deutlich mehr wert ist, so als ob das Homes – das abends eigentlich eine gut laufende Bar ist – mittags in ganz altruistischer Manier den mühselig Beladenen den Tag versüßen und den Geldbeutel schonen möchte.

Damit wird ganz nebenbei der in Sichtweite befindliche Nachbarbezirk in kulinarischer Hinsicht nach Lehrbuch vollständig und umfassend gedemütigt. Man zeigt hier, wie man mit Understatement Qualität an den Kunden bringen kann – ganz ohne grell-schreiende Werbetransparente und Brachial-Marketing mit der Treptower Brechstange.

Der Inhaber – nun gut, irgendwas ist ja immer – ist eine echte Diva, die, wenn man zwei Minuten vor 12 das Essen bestellt, mit der Sauertöpfermiene einer verbiesterten Mutter aus Prenzlauer Berg feststellt, dass es noch gar nicht 12 ist und man deswegen noch gar nicht bestellen dürfe. Okay. Angekommen, die Botschaft. Nebenan ist das Bezirksamt. Das färbt wohl ab.

Aber sonst ist der Laden ein Geheimtipp für mittags. Volle Empfehlung.

Wie? Was? Nein, ich schlafe nicht mit dem Koch. Bitte? Nein, auch nicht mit der Köchin. Und jetzt gute Nacht, Alt-Treptow, schnarch du weiter mit deinen Zuckerteig-Pizzerien, Aufbackbäckern und anderen Zumutungen, es wird Jahrzehnte dauern, das Niveau des Homes ein paar Straßen weiter und doch Welten entfernt, zu erreichen.

Das Eichhorn sieht das genauso. Was‘ ein Glück.

Homes
Schlesische Straße 28
Kreuzberg

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