Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Honk (17)

Termin in irgendeinem Nest in Rheinland-Pfalz. Ich glaube, sie nennen es dort Landeshauptstadt.

Ich stehe in irgendeinem Laden, der Hemden verkauft. Von meinem Hemd, das ich trage, glotzt Chilisoße, weil ich keinen Hotdog essen kann, ohne mich einzusauen. Ich brauche ein neues Hemd. Und das schnell.

(raschel raschel)

„Guten Tag, ich würde gerne diese Hemden hier anprobieren.“

„Des geht net.“

(oh nein)

„Das geht nicht?“

„Geht net.“

„Warum nicht?“

„Ei hoschese mol. Des geht net, do müssdä mir jo jedsmol’d Verbaggung uffmachä ond‘ Nadeln entfennä.“

(ich habe nix verstanden, aber irgendwas geht nicht)

„Ich kann hier kein Hemd anprobieren?“

„Nix, gennese net. Se gennä des Hämd abbä widdä umdauschä, wennsä zhaus feschdellä, dasses net bassd.“

(wieder nix verstanden, aber sie will mich kein Hemd anprobieren lassen, so viel ist klar)

Was nun? Blind kaufen, das Teil? Mal nachdenken: Ich fahre mit dem eingepackten Hemd von der Innenstadt zu meinem dümmlichen Termin auf den Berg, für den ich das Hemd brauche, entferne dort die Verpackung und die Nadeln, ziehe es an und stelle vor dem Klospiegel des Bergborgwürfels fest, dass es an mir scheiße aussieht. Dann fahre ich wieder in die Innenstadt, tausche das Hemd um, bevor ich wieder auf den Berg zu meinem dümmlichen Termin zurück fahre, wo ich dann feststelle, dass das Hemd unter den Achseln zwickt, worauf ich wieder … geht‘ s noch? Ich wünsche mich zu Galeria Kaufhof am Alex. Dort weicht mir ein Verkäufer so lange nicht mehr von der Seite, bis ich mit einem Hemd zufrieden bin und wenn er dafür 200 Hemden aus- und wieder einpacken muss. Nennt sich da Service. Ist unangenehm, aber dort verdient man damit Geld.

Ich verstehe ja, dass das scheiße ist mit den Hemdenverpackungen, es ist ein ekelhafter Job und taugt nur für jemanden, der Vater und Mutter nebst Chihuahua und Erbtante umgebracht hat. Diese fürchterlich umständlichen Verpackungen mit einer Million Nadeln an allen Ecken gehören schon lange auf den Prüfstand, denn ich hasse sie selber und habe beim ersten mal Anprobieren eines Hemdes stets Todesangst vor der Erdolchung durch eine kleine vergessene Nadel, die sich durch den Hemdkragen in meine Halsschlagader bohrt und mich elendig auf dem schönen neuen Läufer verbluten lässt, von dem dann nicht mal meine Erben was haben werden, aber bitte, ernsthaft, da ist es doch keine Lösung, den Kunden blind seine Klamotten kaufen zu lassen. Da kann ich doch gleich billiger bei Enricos Garagenfirma im Internet bestellen und wochenlang Hemdenpakete zwischen Prenzlauer Berg und Senftenberg hin- und herschicken, bis irgendwann mal was passt.

Hey ihr Bembel, wenn euch das mit dem Aus- und wieder Einpacken zuviel Arbeit ist, was ich uneingeschränkt verstehe, dann habe ich die Lösung: Die nächste Gewinnmarge – wenn ihr überhaupt noch eine habt – steckt ihr mal nicht einer Heuschrecke oder dem alten Firmenpatriarchen in den Rachen, sondern lobt einen Erfinderpreis für eine völlig unkomplizierte Hemdenverpackung aus, die es dann exklusiv bei euch gibt. Irgendwer kriegt das in diesem tollen Erfinderdeutschland hin, da bin ich sicher. Und – hurra – dann werden alle glücklich sein.

Bis dahin könnt ihr eure tollen Hemden behalten. Ich trage jetzt ein Poloshirt unter dem Anzug – gekauft beim Supermarkt nebenan. Geht auch. Merkt eh keiner. Honk. Dämlicher. Meine Hochachtung.

 


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