Tischtennis, Imperialistenbier und Kunst auf Klo: Schmittz

Pling. Lampen an. Die Lampen in der Birne. Mittags angefangen. Wodka. Whisky Sour. Whisky pur. Glengrant. Glenfiddich. Glenmorangie. Glenmichdochanderkimme. Alles weggehauen. Glüh. Jetzt sind sie an, die Lampen. Alle. Jetzt ins Schmittz. Eine Bar wie ein Jugendhaus. Darts. Tischtennis. Kicker. Weitersaufen. Jetzt muss es Bier sein, jetzt will ich Tischtennis spielen, am besten Tischtennis mit Bier in der Hand, welche zum Spielen findet man hier schnell, 5 Leute rennen jetzt um die Platte, später werden es 10 sein, 15, 20 auch, klassisches Schulhofspiel, immer die beiden, die übrig bleiben, machen das Finale unter sich aus. Ich lande nicht im Finale. Viel zu blau. Dicht bis zur Hutschnur. Ist aber egal, ich hau den Ball an die Decke, dem Piratenpartei-Hippie in sein Bier und einmal sogar fast in den Ausschnitt von der Blonden, die sowieso schuld daran ist, dass ich nie den Ball vernünftig treffe.

Fair geht es zu, obwohl alle saufen wie bekloppt. Schnell wird klar: Das ist einer dieser magischen Abende, die nie enden, einer, an dem man sich mit Fremden verbrüdert, sich mit irgendwelchen Typen abklatscht und sich in küchenphilosophischen Gedanken über Themen ergeht, die man eine Minute später vergessen haben wird, tiefschürfende Dialoge führt mit Gestalten, an denen man tagsüber vorbeiläuft und nie erfahren wird wie sie ticken. Hier erfährt man es, hier ist es, hier ist Berlin. Endlich mal wieder. Wir sind zwar in Mitte, das soziostrukturell schon lange nicht mehr zu Berlin gehört, doch es ist einer wenigen verbliebenen magischen Orte, an dem sogar Touristen nicht negativ auffallen, ein Ort, der sich noch nicht verbogen hat.

Und ein Ort mit Kunst – zumindest auf dem Scheißhaus.

Ein Ort mit ein klaren politischen Haltung – zumindest auf dem Scheißhaus.

Ein Ort mit Sport – zumindest auf dem …. nee, da nicht, aber hier:

Und ein Ort mit Imperialistenbier aus Süddeutschland.

Tannenzäpfle.

Le. Ich trinke etwas, dessen Namen auf „Le“ endet. Le!

Aber le … cker. Oh Gott, ein Wortspiel, hängt ihn höher.

Pling. Mehr Lampen an. Drinks gut eingeschenkt, Bier schön kühl und plötzlich stehe ich mit der Blonden im Finale. Ich seh den Ball gar nicht mehr, ich seh nur Ausschnitt (sie könnte ein Dirndl ausf… untersteh dich du Schwein!), das ist doch fies, das macht die doch mit Absicht. Ich treffe den Ball fast nur mit der Kante des Schlägers, er trifft wieder den Hippie, dessen Gesicht mit zunehmendem Pegel immer mehr aussieht wie das von Christopher Lauer, dann knalle ich das Ding gegen die Stuhlreihe und zuletzt mit Wucht ins Netz. Die Blonde lacht und fegt mich 3:0 vom Tisch, egal, Finale ist Finale und viele Stunden später, längst jenseits jeglichen Gleichgewichts gewinne ich es auch mal gegen jemanden, der noch weniger gebacken bekommt als ich. Da ist die Blonde schon lange nicht mehr da und die Chancen sind anders verteilt – 80% der Männer treffen jetzt wieder den Ball vernünftig.

Magische Abende. Immer. Wieder. Wer auch immer den Laden mal zwangsläufig weggentrifizieren wird, den möge der Blitz beim Scheißen treffen.


Schmittz
Torstraße 90
Mitte
http://www.schmittz.de/


 

1559195772991929555331264679774-11796574242704199293