Mein polnisches Wohnzimmer: Filafood

Mein polnischer Bekanntenkreis wird immer umfangreicher hier in der Hauptstadt.

Mein Handwerker ist polnisch, weil er besser, zuverlässiger, freundlicher und günstiger ist als diese ganzen Volkstheaterspieler, die immer, aber wirklich immer schwerst seufzend vor jedem Problem stehen, das immer, aber auch wirklich immer so außergewöhnlich ist, dass es sie vor schier unlösbare Probleme stellt: „Oje, au au au, wat issn ditte? Sowat hab ick ja noch nie …… wer hattn ditte …… oh oh dit wird uffwändich“, was übersetzt einfach bedeutet „Es wird teuer, sehr teuer. Ich muss ja schließlich meine Zweitgarage abbezahlen.“

Mein polnischer Handwerker kann alles, sagt nur „Okay“ und legt los. Ich bin jedes Mal ganz irritiert. Immer noch. Meine paranoide Kampfstellung gegen das Handwerk als solches („Sie wollen mich alle mit Haut und Haaren auffressen!“) lege ich mit den Jahren nur ganz langsam ab. Ich bin bald soweit und entspanne mich sogar, wenn der Handwerker kommt. Weil ich weiß, dass er mich nicht bescheißt.

Mein Fleischer ist auch polnisch, weil er fast der einzige ist, der noch aromatische (aber dafür fettige, zugegeben) Wurst verkauft, die nach was schmeckt. Und das lohnt sich, weil keiner der vielen Polen dieser Stadt inklusive mir den geschmacklosen Light-Mist aus dem Supermarktregal essen möchte. Fick eure Putenbrust, her mit der Zopfpolnischen. Geh kacken, Bärchenwurst, her mit der Krakauer.

Und hier bei filafood (filafood macht essen gut, haha, ist nicht von mir, der Spruch, der hängt eingerahmt im Raum herum) gibt es polnische Küche im Original:

Pirogi,

Bigosch,

Kohlrouladen, Schweinebraten, alles gut, alles deftig, alles nicht light, aber immer gut.

Vor allem das Bigosch ist geil. Krautinferno. Eine astreine Biowaffe. In der Mittagspause gegessen kann ich später das Büro vollfurzen und der Chef traut sich zumindest für den restlichen Tag nicht mehr rein, um Aufträge zu verteilen, die keiner machen will. Rock’n Roll. Irgendwann schmeißen sie mich raus, ich seh das kommen. Erst Knoblauchkloake, jetzt Krautfürze. Fehlt eigentlich nur noch ungeduscht vom Lauftraining ins Büro zu gehen, um endgültig als Assi vom Dienst in die Firmengeschichte einzugehen.

Nein, schön hier in meinem polnischen Wohnzimmer, vor allem an Tagen, an denen es den perversen gekochten Käsekuchen gibt. Der ist nicht nur gut, der ist richtig gut.

Dziękuję serdecznie.


Filafood
Grünberger Straße 17
Friedrichshain

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