Filmtipp: Nebraska

Ich habe wieder einen ganz herausragenden Film gesehen. Nebraska. Er handelt von einem alten Mann, einem alten störrischen Alkoholiker, ein bisschen doof oder auch senil, wie man denken wird, wenn man den Protagonisten in der ersten Hälfte des Films erlebt.

Woody heißt er, der alte Mann, und er hat eine Mission: Er will seinen Millionengewinn abholen. Zu Fuß. In Nebraska. Von Montana aus. Denn dieser Gewinn wurde ihm auf einem dieser stupiden verlogenen Werbebriefe versprochen, die immer mal wieder im Briefkasten landen. Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen (nicht). Doch Woody glaubt, was da steht.

Natürlich hält ihn jeder für bescheuert, inklusive seiner Frau und seinem Sohn, der sich schließlich ein Herz fasst und mit ihm nach Nebraska aufbricht.

Die Nachricht vom angeblichen Millionengewinn hat derweil eine Eigendynamik entwickelt, so dass die Geier aus Woodys altem Heimatdorf, in dem sie einen Stopp einlegen, Blut riechen und mit allen Mitteln versuchen, sich ihren Teil des angeblichen Reichtums zu sichern.

Während der Reise kommt ein wenig Licht ins Dunkel der Person Woody. Er ist eigentlich gar kein störrischer dummer Mann, zumindest nicht ohne Grund. Woody glaubt nur alles, was die Leute ihm erzählen. Immer schon. Und Woody gibt alles, was er hat. Immer schon.

Und er zerbrach dran.

Mehr zu verraten wäre ein Fehler, denn der Film hat noch viel mehr zu bieten als nur einen klassischen Sohn-lernt-Vater-auf-Reise-kennen-Plot. Herz. Gefühl. Eine skurrile Komik. Tiefgang natürlich. Und Abgründe auf jeden Fall. Aus der ganzen Atmosphäre des Films modert der Muff und das nur mühsam übertünchte Grauen der amerikanischen Provinz in Zeiten der Nach-Finanzkrise, ein Schreckensbild einer Gesellschaft, in der es auch den Ärmsten immer nur um Geld geht, für das sie einem guten Menschen, der das mit sich machen lässt, das Herz rausreißen würden.

Nebraska ist ein starker Film mit einer starken Botschaft, der mich endlich wieder einmal bewegt auf meinem Kinosessel zurück gelassen hat. Es ist ein Film in Schwarz-Weiß. Ich mag das, ich mochte das schon bei „Oh Boy„. Schwarz-Weiß hat eine ganz eigene Ästhetik, wenig Blinkendes lenkt ab von dem, was der Film transportieren will. Ruhige Bilder. Viele Einstellungen, in denen kein Wort gesprochen, aber trotzdem alles gesagt wird.

Und er ist ein Roadmovie. Ich mag Roadmovies. Und solche, die mich zu Tränen rühren, erst recht.

Trailer

Hier im Kino

 

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