Getestet: Watchever

Wenn Til Schweiger für etwas Werbung macht, ist das eigentlich ein Grund, etwas aus Prinzip nicht zu nutzen. Dennoch: Mobiles Fernsehen On Demand klingt zu interessant, um es nicht wenigstens einmal auszuprobieren.

Das Geschäftsmodell von Watchever ist attraktiv: Für 8,99 € im Monat gibt es Zugriff auf Spielfilme, Serien und Dokumentationen. Keine versteckten Gebühren und monatlich kündbar. Mit einem Benutzerkonto kann man von verschiedenen Geräten aus auf die intuitiv zu bedienende Oberfläche zugreifen: PC, Tablet-PC, Smart-TV, Smartphone, Playstation. Dabei kann man bis zu fünf Streams gleichzeitig temporär herunterladen, um sie unterwegs zu schauen ohne das Datenvolumen belasten zu müssen.

Die Idee ist sehr gut, überfällig gar und das Angebot von Watchever kann sich sehen lassen, wenngleich ich es seltsam finde, dass vorgemerkte Filme wieder aus dem Angebot verschwinden können, da sich das Portfolio bei Watchever offenbar permanent ändert. Auch die Mediatheken von ARD, ZDF und Arte für die Minderheit in diesem Land, die noch weiß was eine Bundesversammlung ist und was sie tut, fehlen. Schade.

Dennoch: Eine gute Sache, ideal für lange Zugfahrten, Wartezimmer bei Ärzten oder für die obligatorischen drei Stunden im stickigen und überfüllten Vorraum des Bezirksamts Pankow – für den einen Stempel, den man braucht. Ein Zeittotschläger. Manchmal braucht es sowas.

Ja, ich würde das Angebot sofort dauerhaft nutzen, würde es denn funktionieren. Doch das tut es nicht.

Ich habe bisher zugegebenermaßen von der mangelhaften Netzinfrastruktur in Deutschland, von der alle reden, wenig mitbekommen, für meine Zwecke reichte es bisher. Nur ab und zu ruckelte ein YouTube-Video im HD-Format, aber seit YouTube mich mit Werbung zuscheißt bis mir das Hirn weich wird, nutze ich es sowieso kaum noch. Nein, dass Deutschland in Sachen Netzausbau der Weltspitze deutlich hinterherhinkt, steht zwar in allen Zeitungen und jeder Wichtigtuer, der einmal London, Singapur und New York bereist hat, posaunt es beim Kaffee im Borgwürfel in die Welt, doch ich bekomme es in der Regel nicht mit. So ein Blog braucht ja nicht viel Bandbreite.

Doch hier bei Watchever fällt er mir auf. Der Datenstau.

Denn so ein Stream braucht Bandbreite für eine vernünftige Qualität. Je schneller desto HD. Die Software ist zwar klug genug, fehlende Bandbreite zu erkennen und dann die Auflösung entsprechend anzupassen (d.h. runterzufahren), aber manchmal reicht auch das nicht.

Denn es hakt.

Es hakt zur Stoßzeit im VDSL-W-LAN zuhause, wenn von Ronny aus Marzahn bis Eva-Sophie aus Zehlendorf ein jeder die Netzknoten dichtmacht, es hakt in der Playstation 3, die mit der ganzen Sache überhaupt nicht zurecht kommt, und es hakt im ICE im Zug-W-LAN, weil das gar nicht erst für mehr als drei Fahrgäste ausgelegt ist.

Das nervt.

Nur mit den heruntengeladenen Streams und natürlich mit LTE läuft es flüssig und gibt damit einen Einblick auf das, was diese Plattform sein könnte, aber aufgrund des fürchterlichen Zustands der deutschen Tarif- und Netzinfrastruktur nicht ist. Denn Watchever mit LTE zu nutzen geht nicht, weil ein einziger Film mein ganzes Datenvolumen mal eben eindampft. Und offene W-LANs mit ordentlicher Performance sind in Deutschland so selten wie ein lebender Dodo. W-LAN in U- und S-Bahn? Kostenlose Hotspots an öffentlichen Plätzen? Träum weiter. Selbst zuhause reicht ein teurer Tarif offenbar nicht aus, damit die Plattform im W-LAN stabil läuft. Steinzeit – ein Trauerspiel.

Ja, jetzt merke ich es auch endlich: Deutschland ist ein Entwicklungsland in Sachen Netzausbau und deshalb ist ein Dienst wie Watchever zwar eine gute und längst überfällige Idee, aber schlicht aus Performancegründen derzeit nicht vernünftig nutzbar, es sei denn, man zieht wieder Kabel durch die ganze Wohnung und lässt es sein, woanders als dort zu streamen. Und darum geht es bei der Idee des mobilen Fernsehens ja gerade nicht. So bleibt: Mobiles Fernsehen – noch nicht so wirklich überzeugend hierzulande. Versuchen wir es also in ein paar Jahren wieder.

Zuletzt zur Erbauung noch etwas Lächerliches:

Was fehlt hier?

Genau: Brustwarzen.

Man verpixelt bei Watchever die Brustwarzen. Das amerikanische Apple- und Facebook-Drama mit der Nacktheit. Da sind sie wieder, die Puritaner – wehe wenn sie losgelassen. Guten Morgen Amerika, hier spricht Deutschland – the land of the free. Wir wollen hier originale Brustwarzen (und meinetwegen auch Puller) sehen und keine Pixel. Aus Prinzip, weil wir uns sonst bevormundet fühlen, ihr Besten der Besten der Besten. Sir!

Over. Und out.


http://www.watchever.de/

 

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