Verarsch mich doch (19)

Der örtliche privatisierte Gas-Oligarch macht wieder Propaganda. Quer durch die Stadt. An jeder Straßenecke, die nicht bei drei auf dem Baum war, hängt jetzt ein Plakat, auf dem ein Eisbär aus seinem Iglu heraus verkündet, dass die Gaspreise nun Winterschlaf halten, also nicht erhöht werden.

Abgesehen von der Obzönität, dass die Tatsache, dass ausnahmsweise mal ein Preis für irgendwas nicht ansteigt, offenbar inzwischen werbetauglich geworden ist, ist das Ganze natürlich Augenwischerei.

Der Gaspreis ist immer noch an den Ölpreis gekoppelt, auch wenn diese Tatsache an sich nicht mehr die alleinige Begründung für eine Änderung der Tarife sein darf. Die Konzerne dürfen nur die regelmäßigen Tariferhöhungen nicht mehr allein mit dem Ölpreis rechtfertigen, wenn sie steigende Bezugspreise anderweitig auffangen können. Und das können sie natürlich nie. Oder selten.

So ein Ölpreis hat die Eigenschaft, ab und zu mal anzusteigen. Macht der einfach manchmal. Und wenn das geschieht, verschickt die Gasag krokodilstränendurchweichte Briefe, in denen sie erklärt, warum trotz heroischen Kampfes an allen Fronten unter Auferbietung des Volkssturms, Opas alter Schrotflinte, aller Witwen und aller Waisen nun leider die bedingungslose Kapitulation unterzeichnet werden musste und man – untröstlich, ja wir sind untröstlich, lieber Kunde – wieder einmal die Preise erhöhen muss.

Das wird auch bald wieder passieren. Und zwar nach dem 31.03.14. Was? Wie ich auf das Datum komme? Steht links unten auf dem Plakat. Dort wo keiner hinkuckt. 31.03. Nur bis dahin gilt die Zusage, nicht zu erhöhen. Zwei Monate und ein halber. Da steht es. Ganz klein. Also dort wo immer die Sauereien stehen, die aus rechtlichen Gründen irgendwo stehen müssen, also dieser ganze Distanzierungssermon, der im Fernsehen immer so schnell runtergerasselt wird, dass ihn niemand versteht oder  – wie hier – ganz klein irgendwo versteckt wird, so dass ihn keiner liest, weil man das da für einen Schmutzfleck hält, Schlieren an der Scheibe, Taubenkacke oder so.

Wenn der Ölpreis fällt, wie das übrigens momentan der Fall ist, gilt die Ölpreisbindung übrigens aus irgendwelchen magischen Gründen nicht mehr. Keine Ahnung, warum das so ist und warum sich niemand drüber aufregt, aber ich habe noch nie erlebt, dass ein Gaspreis gesenkt wurde, weil der Ölpreis sinkt. Das passiert nicht. Ist systembedingt nicht vorgesehen.

Nein, wenn der Ölpreis fällt, bleibt der Gaspreis stabil und es gibt kein Geld zurück, dafür aber eine sauteure Plakatkampagne, in der ein Eisbär die Bevölkerung darauf einschwört, dass es eine tolle Sache ist, wenn der Gaspreis nicht fällt, nur weil der Ölpreis dies tut.

Haha, verarscht. Das mit der immer noch praktizierten Ölpreiskopplung erklärt uns aus diesem Anlass natürlich niemand, den zieht man immer noch dann aus dem Jutebeutel für dumme Ausreden, wenn der Preis steigt. Höhere Bezugspreise, wir sind untröstlich. Können nix tun. Und bitte, so viel Erklärung würde ja auch gar nicht auf so ein Plakat passen. Und sowieso möchten wir die Kunden gar nicht erst mit langweiligen Fakten verwirren. So ein Eisbär ist doch viel süßer. Kuckt mal, der schläft. Und in seinem Iglu ist es total wuschelig und warm. Oooooh.

Ich kann mir nicht helfen, es ist wieder soweit und mir fällt nur eines ein: Verarsch mich doch.


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