Miniaturwelten Berlin vs. Hamburg (1): Miniatur Wunderland

Es gibt nicht so viel, das Hamburg besser kann als die großartige, einzigartige und wunderbare Haupt- und Großstadt Berlin, abgesehen vielleicht von Straßen ohne Schlaglöcher, Gehwegen ohne Gehwegschädenschild und Kotminenteppich, einer funktionierenden S-Bahn ohne sich vollkotzende Engländer, die einen Hitlergruß mimen und „VERRRBOTTEN!“ brüllen, einem Winterdienst, der nicht vom Winter überrascht wird, funktionierenden Aufzügen, Rolltreppen, freundlichen Bewohnern mit Contenance, einem ordentlichen Rotlichtbezirk, grüner Welle an Ampeln, dem Zugang zum Meer, fischem Frisch, Arbeitsplätzen, einem Flughafen, einem funktionierenden öffentlichen Dienst, vielen Fahrradwegen, auf denen tatsächlich jemand fährt und … ach, ist ja gut.

Gefahrengebiete deklarieren kann Hamburg auch besser als Berlin. Zum Glück. Man kann viel gegen die Hauptstadt anbringen, aber das ginge hier nicht. Hier befriedet man mit Anti-Konflikt-Teams anstatt draufzukloppen. Bewährt sich. Kein ernst zu nehmender Protest weit und breit. Muss man einräumen.

Und, naja, Miniatureisenbahnen kann Hamburg auf jeden Fall besser. Berlin hat mit dem Loxx im gruseligen Shoppingmonster Alexa versucht, das nachzumachen, aber kannste abhaken, Digger – das Ding ist nur ein stümperhafter Versuch, der sich für den großen Wurf hält, aber völlig versagt. Berlin ist wieder ganz bei sich selber. Morgen dazu mehr.

Hier in Hamburg funktioniert alles, es ist viel größer, viel professioneller und mit viel mehr Liebe zum Detail gebaut, selbst die Autos fahren auf den Straßen herum, ein Dampfer schippert auf richtigem Wasser, man kann stundenlang dort rumhängen und schauen, was als nächstes passiert, immer wieder ein Gimmick, ein Ereignis, immer passiert was. Ich kann mich dort bis zur völligen Dehydrierung aufhalten und wie ein Kind einfach nur schauen, staunen und mich wieder ganz jung und klein fühlen als wäre die ganze Welt noch ein Wunder.

Es ist gut so, dass das Miniatur Wunderland in Hamburg und nicht in Berlin steht, sonst würde die Hälfte aller Dinge nicht funktionieren, aber alles würde zehnmal so teuer, der ewige Klaus Wowereit würde erst zurücktreten und dann doch wieder in den Aufsichtsrat wechseln, sobald sich der Staub des letzten Skandals gelegt hat, und man würde – um dem Ding den Rest zu geben – zuletzt Hartmut Mehdorn holen, wonach die ganze Chose erst im Jahr 2045 eröffnet werden würde.

Und überhaupt: Würde ich in Hamburg wohnen, hätte ich längst eine Jahreskarte für das Teil und meine Familie würde mich gar nicht mehr sehen, so dass sie mich jedes Mal, wenn sie für irgendwas, das mich gar nicht mehr interessiert, eine Unterschrift brauchen, mich aus dem Wunderland rausholen müssen, in dem ich fast nur noch bin, seit mich mein Arbeitgeber wegen ständiger Abwesenheit vom Arbeitsplatz bei gleichzeitiger Anwesenheit im Wunderland achtkantig gefeuert hat.

So gesehen ist es wieder gut, dass Hamburg in Hamburg ist und ich in Berlin.


Miniatur Wunderland
Kehrwieder 2
Hamburg
http://www.miniatur-wunderland.de/