Retrospektive: Gewittertrauma

Ich bin einmal auf einer Luftmatratze eingeschlafen. Das wäre nicht schlimm gewesen, wenn das bei einer Hobbyraumparty, beim Zelten oder auf einem Festival gewesen wäre.

Doch es war am Mittelmeer an irgendeinem Kackstrand am Arsch des Balkans kurz nach dem Jugoslawienkrieg. Kroatien. Montenegro. Chisibubikaio. Hyakutake. Weiß ich nicht mehr. Egal.

Ich trieb auf dem Wasser in Ufernähe umher und habe meinen ausgewachsenen Kater gepflegt. Dieser verdammte Slibowitz, die saufen das Zeug da wie die Russen ihren Wodka oder die Hipster ihre Fritz-Kola.

Wellen wogten, mein Hirn dämmerte weg und ich schlief mit mir selbst im Reinen ein.

Schlief.

Ein.

Grummel.

Schnarch. Gulp.

Grummel.

Mmmmmmmmh?

BOMMMBODROMMMBOMMBOMM !!!!!

Augen auf.

Schwarz. Der Himmel schwarz. Nicht blau, nicht grau. Pechschwarz. Blitze. Die ekelhaftesten Wolken, die ich jemals gesehen habe. Und der Strand locker ein, eher zwei Kilometer weg.

Ich: Aufgestellte Haare. Gänsehaut bis zu den Fersen. Entsetzen. Adrenalin. Todesangst. Nackte Panik.

Von der Paddelei zurück an Land weiß ich nicht mehr viel, doch ich weiß jetzt, dass in solchen Situationen das Hirn abschaltet und die reine Motorik übernimmt. Autopilot. Und der Verstand wird einfach ausgeblasen wie eine Kerze.

Nun gut, offenbar lebe ich noch. Doch ich mag jetzt kein Gewitter mehr. Wenn ich draußen bin. In der Wohnung oder im Auto finde ich Gewitter toll. Draußen nicht. Gar nicht. Der größte Albtraum wäre es, beim Joggen auf einem Feldweg von einem Spontan-Gewitter überrascht zu werden.

Zu den Dingen, die ich jetzt weiß, gesellt sich die Erkenntnis: Der Himmel kann hässlich werden. Zum Schreien hässlich.

 

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