Vernetzt euch: Walz und Stevenson und die Bananenstaude


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Es graut der Morgen auf dem Hamburger Fischmarkt. Stevenson und Walz ertragen diesen Ort nur besoffen. Und das sind sie immer noch von der letzten Nacht auf St.Pauli – ein Ort, der gleichsam nur besoffen zu ertragen ist. Heute früh ist Fischmarkt, ein Treiben bunter Marktschreier, buntes Treiben, ein Treiben bunt, bunt treibt es Stevenson und Walz durch Gewusel, Trauben, Menschentrauben, Kartonauben, Kartonaben, Kartonagen. Hier ein Messerset für 8,99 und dazu gibt es noch einen Strauß Rosen. Dort ein paar Orchideen im Topf und dazu ein Messerset. Oder war es ein Obstkorb? Da ein Gemüseschälset mit Putzeimer und ein Handfeger mit dem besten Eierschneider der Welt oder dort ein Strauß Rosen mit einem Supermixer aus Titan, oder Acryl, oder Beton, wer weiß das schon? Einer brüllt Käse in die Welt, er hat den üblichen Großhandelskäse von Industriecamembert bis Fabrikemmentaler aus Gewerbegebieten, die keiner kennt. Wo zum Teufel sind eigentlich die Fische?

Bananen! Bananen! Esst mehr Bananen! Wer diese Staude hier isst, der bekommt hier von mir 100 Euro auf die Kralle! Auf die Kralle! Herrschaften!

Walz, Alter, kiek ma, willze Bananen fressen?

Mach ick.

Alter, war’n Witz, Mann, du kannz doch nich ne janze Staude Bananen fressen, dit passt doch nie und nimmer nich da rein in dich.

Ick mach dit.

Is jut, lasset, Alter, komm wir geh’n nen Absacker trinken. Da hinten läuft Udo Jürgenz.

ICKE! HIA! ICKE!

Hohohoho! Wir haben einen Freiwilligen, der sich beweisen will! Hahaha! Wo kommst du her? Doch nich Hambuich?

Balin.

Berlin. Hey Icke Icke! Hahahaha! Na dann viel Glück mein Freund!

Und der Walz isst. Ein Irrer.

Eine Banane.

Zwei Bananen.

Hohohohohooo zwei hatta schon, der Jung!

Zwei von zwanzig (dreißig? vierzig? achthundert? wie viele Bananen mögen das sein?).

Drei.

Es bildet sich eine Menschentraube, sie wollen den Berliner sich zum Obst machen sehen.

Vier. Fünf. Sechs. Sieben. Zehn Bananen. Stevenson wird schon vom Zusehen schlecht.

Ja was geht denn in den rein? brüllt der Brüller, sowas habe ich ja noch nie gesehen, kommen Sie ran, meine Damen, meine Herren, kommen Sie ran, hier gibt’s was zu seh’n!

Stevenson rechnet. Wieviel hat er jetzt? Fünfzehn, das geht doch nicht, der Kerl is bekloppt, ich muss den wegschaffen von hier.

Und der Walz, der isst und isst als wäre es das letzte Mal. Die Staude ist schon locker halb weg, mehr geht doch nicht.

Mehr geht doch. Den Walz kriegt hier keiner mehr weg, der hat jetzt Publikum, jetzt geht es um die Ehre. Ums Prinzip.

Und so isst der Walz und isst immer noch und isst und isst Bananen als ginge es um sein Leben. 10 Bananen hat die Staude noch. Meine Fresse, denkt der Stevenson, der hat doch bestimmt schon locker 20 weggehauen von diesen Bananen, und schüttelt sich.

Wieviele sind das noch? Acht? Der Brüller fasst es nicht, was er da sieht und brüllt, dass er es nicht fasst, was er da sieht.

Sieben.

Sechs.

Dann.

Pause.

Walz rülpst.

Jetzt wieder Platz.

Oder nicht?

Walz würgt.

Noch eine.

Fünf.

Walz würgt ein Stück Banane hoch.

Und wieder runter.

Gleich kann er nicht mehr, brüllt der Brüller, und fordert Applaus zur Aufmunterung.

Es gibt Applaus. Rhythmisch.

Viereinhalb. Den Bananenbrei sieht man an des Walzens Mundwinkel hängen, der ganze Matsch steht ihm bestimmt schon bis zum Kehlkopf, es kann gar nicht anders sein, Stevenson kann es gar nicht mitansehen und wendet sich kurz ab, nur um kurz darauf wieder hinzusehen. Wie das kitzeln muss am Zäpfchen, wenn der Brei bis in den Hals hinein steht, mann mann mann. Noch vier, die eine halbe ging noch irgendwie rein, Walz kämpft, schwitzt, isst die Bananen jetzt in kleinen mikroskopischen Stücken. Walz würgt wieder. Das Ende ist nah, der Kampf aussichtslos und fast verloren, dann schaut er ins Publikum, kleine Kinder, Mütter, rotgesichtige Trinker mit Müttern und kleinen Kindern, sein Volk, alle warten, dass er kotzt und verliert. Gewinner mag keiner.

Wieder ein Stück. Und wieder ein Stück. Mühsam ernährt sich der Walz.

Drei Bananen hängen noch an der Staude, das geht doch gar nicht, so einen Elefantenmagen hat doch keiner. Wo isst der das hin?

Zwei. Jetzt klatscht das Publikum wie zu Wolfgang Petry.

Das ist Waaaaaaaaaaaahnsinn! brüllt der Brüller.

Anderthalb. Entschlossenheit in den Augen, purer Wille.

Eins. Beherrschung. Zen.

Pause.

Walz genießt die Spannung und blickt den Blick des Siegers. Wo nimmt der diesen Willen her? Der Brüller tickt fast aus, überschlägt sich, ahnt die Sensation, die ihm das vielleicht mehr Publicity bringen wird als ihn die Staude alter Bananen nebst den 100 Euro kostet.

Das vorletzte Stück muss sich Walz mit der Faust in den Mund drücken, er schwitzt, wird rot, die Backen sind aufgebläht, Bananenmatsch quillt zu den Mundwinkeln raus, eine halbe Banane hat er noch in der Hand, er versucht zu schlucken, drückt den Matsch zu den Mundwinkeln wieder rein nur damit der auf der anderen Seite wieder rausquillt, da geht nichts mehr, er muss schlucken, sonst hat er verloren, die Banane muss raus aus der Mundhöhle, rein in den Rachen, aber der ist schon voll bis Oberkante Zäpfchen.

Walz stockt.

Walz würgt.

Und Walz kotzt eine dicke gelb-graue Säule Bananenmodder auf den Boden vor dem Bananenstand. Die Leute finden es eklig, schauen aber nicht weg, einige machen Fotos, einer dreht ein Video und der Rest freut sich, dass ihnen so etwas nie passieren würde. Wie kann man nur. Widerlich. Walz kotzt eine Minute, zwei, dann steht er da, vorübergebeugt, er hat verloren und er weiß es. Der Brüller brüllt nicht mehr, sondern spendet Trost. So knapp. Wie tragisch. Seine Freude kann er nicht glaubhaft verbergen.

Ick will jetzt’n Füsch, sagt der Walz schwach. Un’n Bier. Ja, sagt der Stevenson, macht hier eh gleich zu alles, um halb zehn, warum auch immer, komischer Füschmarkt ohne Füsche, der um halb zehn dicht macht. Mir geht’s so schlecht, sagt der Walz. Lächle und sei froh, sagt der Stevenson, es könnte schlimmer kommen. Und der Walz lächelt und ist froh und es kommt schlimmer, als ihm der Brüller den Trostpreis in die zittrigen Hände drückt.

Einen Korb Bananen.

 


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