Die schrecklich nette Weihnachtsfamilie von Nivea

Hey, cool, Nivea hat einen neuen Werbespot, heuer mit dem Titel „Das schönste Geschenk ist die Familie“.

Wie stellt sich Nivea eigentlich die perfekte Familie an Weihnachten vor? Na so:

Endlich Weihnachten.

Darauf hab ich mich schon so lange gefreut.

Mein Onkel ist da und hilft meiner Mama in der Küche.

Und er hilft mir beim Anziehen.

Weil er denkt, dass ich das noch nicht selber kann.

Und es gibt mein Lieblingsessen.

Aber am Allermeisten freue ich mich auf …

Oma und Opa.

Wer fehlt da eigentlich?

Weiß nicht.

Überleg doch mal.

Keine Ahnung.

Tipp: Hat einen Penis und ist überflüssig.

Ah, der Vater, na klar. Nee, den braucht man nicht für ein perfektes Weihnachten.

Wie sieht eigentlich der Subtext für einen solchen Spot aus? Es geht ja nie darum, was man sagt, sondern was man weglässt, es geht um die Botschaft, die transportiert werden soll. Um das, was selbst RTL 2-Zuschauer zwischen den Zeilen lesen können.

Der Vater ist nicht da. Wahrscheinlich fickt er gerade die Nachbarin, versäuft sein Geld im Puff oder setzt am Roulettetisch alles auf die rote 10. Oder ist tot. Völlig egal. Er ist an Weihnachten nicht da. Und keiner ist traurig drüber. Der Onkel muss einspringen und hilft der armen tapferen Mutter, die wieder einmal von Pfeilen durchbohrt und Kugeln durchsiebt die Last der Welt auf ihren Schultern trägt – für den, der sich mal wieder drückt oder aus anderen Gründen nicht an diesem perfekten Weihnachten teilnehmen mag oder darf oder soll. Oder tot ist. Auch egal.

Und das Kind freut sich am Allermeisten nicht auf den Vater, der vielleicht nur zu spät von der Schicht kommt (ich hab da ja echt auf ein Happy End gehofft) oder ausnahmsweise zu Weihnachten mal sein Kind sehen darf (also DAS wäre ja nun wirklich weit hergeholt), sondern auf Oma und Opa. Klar doch, auf wen denn sonst. Auf den Vater freuen ist ja nun wirklich absurd. Wie weltfremd kann man sein?

Ja, die Werbung macht offenbar momentan in Bezug auf Männer eine kleine taktische Volte. Hat man, soweit ich zurückdenken kann, Männer in der Werbung gerne der Lächerlichkeit preisgegeben, als dumme dickliche Deppen mit Elchpullover und Haarausfall hingestellt, zu dämlich zum Tellerspülen, Staubwischen, Bügeln oder einen Nagel in die Wand zu hämmern, als nicht ernst zu nehmende Pausenclowns, die immer von umwerfend gut aussehenden Superfrauen, die alles können, gerettet werden müssen, radiert man den Mann in seiner Funktion als Vater jetzt gleich ganz aus der perfekten Weihnachtsfamilie. Mission accomplished. Der Mohr kann gehen.

Das Vorgängervideo dieser schrecklich netten Weihnachtsfamilie hieß übrigens Danke, Mama. Weil sie so stark ist. Weil sie alles kann. Und die Beste ist. Und nicht zu vergessen die Last der Welt auf ihren Schultern trägt. Gibt es auch ein Video mit dem Titel „Danke, Papa“? Moment, ich muss mal kurz in den Keller. Zum heiser lachen.

Aber nein, mein Gefühlshaushalt gerät deswegen nicht aus dem Gleichgewicht, easy, das ist isoliert für sich nicht schlimm, sondern nur ein weiterer der vielen Nadelstiche gegen Väter, verabreicht von einer Gesellschaft, die nach wie vor kein entspanntes Verhältnis zu diesem Rollenmodell hat. Woran auch immer das liegt.

Was soll’s. Vielleicht bleibt euch ja eure Borniertheit zusammen mit einem Zimtstern im Hals stecken. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

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