Die besten Currybutzen von Nordberlin – Platz 3: Zum Hausmacher

Es gibt drei Currywurstbutzen im Norden Berlins, die ihren Job fast bis zur Perfektion beherrschen und die man aus dem Sellerieparadies Prenzlauer Berg ohne lange zu fahren erreichen kann. Ich bin an allen dreien gerne. Heute und die nächsten beiden Mittwochse stelle ich sie vor. Eine pro Woche. Öfter sollte man Currywurst eh nicht essen. Skorbut. Leberschaden. Magendurchbruch und so.

Platz 3: Der Hausmacher

Ja, ich mag es, wenn jemand seinen Job beherrscht. Und der hier kann es.

„Original Berliner Currywurst“ krakeelte es früher vom Wagen am Eingang von Kaufland, so großmäulig wie ungefähr an jeder zweiten Currybutze in Berlin, die immer original behauptet zu sein und dann doch meist nur ein verschrumpeltes, an den Penis einer Wasserleiche erinnerndes Machwerk aufbietet, übergossen mit minderwertigem Ketchup aus dem Großhandelseimer und in homöopathischen Dosen bestreut mit gelbem charakterlosem Pulver – kulinarisch irgendwo angesiedelt zwischen dem Knorpel einer tiefgefrorenen Schweinshaxe vom Vortag und dem aufgetauten Fonduefett von Weihnachten.

Den Großmaulspruch haben sie weggemacht. Sie überzeugen jetzt durch Leistung.

Denn der Hausmacher bringt eine ganz ausgezeichnete Wurst auf den Tresen, optimal zubereitet, geschmacklich ganz klar im oberen Drittel – überzeugend auch aufgrund des im Abgang leicht nachschärfenden guten Ketchups und der sehr guten Verarbeitung sehr guten Ausgangsmaterials aus dem – wie man liest – Oderbruch. Noch mehr Schärfe können sich Schmerzgeile selbst mittels Tabasco & Co. von der Theke auf die Wurst knallen, auf dass sich die Lippenhaut ablöse. Prima.

Die Pommes haben mich mit ihrer Riffeloptik beim ersten Mal abgeschreckt, aber sie sind gut, zum optimalen Zeitpunkt dem Fettbad entrissen, kross in der Konsistenz und gut mit dem Ketchup der Currywurst zu kombinieren, weil es davon reichlich gibt. Einmal, und ich hoffe, dass es nur ein Ausrutscher war, gab es diese dicken Kurzen. Die, die innen so mehlig sind und bei denen ich würgen muss. Da ist man wohl schnell mal zu Kaufland reingegangen und hat die üblen Classic Fries zur Überbrückung eines Warenengpasses geholt. Sorry, das geht nicht, zumindest in Sachen Pommes bringen es dicke Kurze überhaupt gar nicht, Technik hin oder her, nennt mich gerne oberflächlich, aber richtig geil ist es nur mit langen Dünnen oder mit diesen Geriffelten vom Hausmacher.

Ja, eine gute Butze. Nur die Boulette ist ein wenig nichtssagend und bestreitet ausschließlich durch Ketchup und Curry die Grundfesten ihrer Persönlichkeit und hat sowieso zu viel Brot im Körper. Nicht gut. Das geht anderswo deutlich besser.

Einen Preis bekommt der Hausmacher jedoch auf jeden Fall: Den des saubersten Currybraters, bei dem ich jemals diesen Grundpfeiler urmaskuliner Ernährung vertilgt habe. Das blinkt und glänzt, dass man sich fast drin spiegeln kann, obwohl die Bude zu Stoßzeiten sehr gut frequentiert ist. Kein Schmadder, keine eingetrockneten Ketchupflecken, keine Krümel, kein Nasensekret. Respekt! Andere behaupten immer, das mit dem Sauberhalten ginge nicht während der Stoßzeit. Nix da. Geht doch. Sieht man hier.

So bleibt: „Weiter so!“ möchte ich rufen, kombiniert mit „Macht doch eigene Bouletten mit viel Fleisch und weniger Brot!“. Das könnte hier nämlich eine Goldgrube werden – hier an diesem chronisch ungastlichen Ort vor Kaufland.


Zum Hausmacher
Herrmann-Blankenstein-Straße 38
vor Kaufland am S-Bahnhof Storkower Straße
Prenzlauer Berg

Disclaimer I: Ich hasse Disclaimer.
Disclaimer II: Ich habe meine Wurst selber bezahlt. Ich bezahle immer alles selber.

Der König: Berliner Currywurst in Pankow
Platz 2: Curry-Baude

 

 

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