Kulleraugenfolter (reprise)

Es ist Post gekommen und zwar zu diesem Text, in dem ich beschrieben habe, wie sich manche Azubis – darunter meine damals aktuelle – Vorteile in der Benotung verschaffen wollen, indem sie mir ihre Brüste ins Gesichtsfeld hängen und das Verhältnis zu ihrem Ausbilder offensiv zu sexualisieren versuchen. Und dass mich das stört.

Ich habe mich aus den zahllosen Genderdiskussionen im Netz bisher weitgehend rausgehalten, nur ab und zu etwas verlinkt oder die dummen Sprüche im Blog wiedergekäut, die man als Vater mit Kind gerne mal unvermittelt und immer unverlangt als Spontanbashing verpasst bekommt, denn das Thema ist für einen Mann vollkommen vermintes Gelände und ich finde den Geschlechterkrieg, der sich hauptsächlich bei Twitter abspielt, infantil und lächerlich.

Kürzlich wurde ein Text im Magazin der Süddeutschen Zeitung über Väter in der Elternzeit veröffentlicht. Er deckt sich mit dem, was auch ich als Vater in der Elternzeit erlebt habe: Misstrauen. Schiefe Blicke. Dämliche Sprüche. Im günstigsten Fall wohlwollende Herablassung. Auf jeden Fall ein Nicht-Ernstnehmen. Das Ergebnis war Häme. Kübelweise. Warum ist das immer so, wenn ein Mann spricht?

Der neueste Schrei sind Witze über „Male Tears„, wenn ausnahmsweise einmal von Männern als Opfern die Rede ist. Warum muss das sein? Und wem nützt das?

Ja, es ist vermintes Gelände, der Stil ist unfruchtbar, steril, hasserfüllt und dogmatisch. Ich würde nie mitdiskutieren wollen, denn mit Menschen zu diskutieren, die ein geschlossenes Weltbild angenommen haben, bringt nichts. Nie.

Ich habe mir das bei einigen Gelegenheiten mal angeschaut und derlei Diskussionen laufen immer gleich: Die Filterbubble bestätigt sich gegenseitig in ihrem Weltbild und sobald sich ein Mann dazu äußert ohne die selbstanklagende Pose eines Hundes einzunehmen, der auf den Perserteppich gepinkelt hat, wird er bezichtigt, eine Debatte zu dominieren, zu manipulieren oder zu verharmlosen. Im Extremfall wird einem Mann sogar per se abgesprochen, sich zur Geschlechterfrage äußern zu dürfen, egal in welchem Duktus und mit welcher Haltung, da der Mann qua Geschlecht (und inzwischen auch qua Hautfarbe) immer „Teil des Problems“ ist. Rabulistik. Reinform. Wie man es dreht und wendet, man verliert immer.

Die Mail, die ich erhalten habe, kann ich wie folgt zusammenfassen: Die Azubi kann aufgrund der männlich-patriarchal dominierten Umgebung gar nicht anders handeln als ihre Brüste an die frische Luft und mir vor die Nase zu hängen. Die Gesellschaft ist schuld. Die männliche Gesellschaft. Im Endeffekt also ich selber, weil ich als Mann diese Strukturen mit präge.

Die Mail hatte noch mehr dergestalt aufzubieten, u.a. war sie mit dem Vorwurf durchzogen, dass ich als Angehöriger der privilegierten Klasse (weiß, männlich) ein Opfer mit der Bloßstellung in so einem Text noch einmal zum Opfer machen würde und im Endeffekt allen Frauen schade, die vergewaltigt werden. Am Schluss wird mir empfohlen, den Text vom Blog zu löschen, da ich mich – und hier haben wir endlich wieder eine Nazikeule, mit der ich in letzter Zeit überraschend oft beschenkt werde – der Wesensverwandtschaft mit Faschisten und sog. „Maskutrollen“ verdächtig mache.

Diese ganze argumentative Konstruktion ist so hanebüchen, dass mir dazu noch nicht einmal Spott einfällt. Ich kann schon die erste Volte („die Gesellschaft ist schuld“) nicht mitgehen und danach wird es nur noch absurd (welcher Zusammenhang besteht zwischen den zur Schau gestellten Brüsten meiner Azubi, die sie mir über meinen Schreibtisch in die Sonne hängt, der Vergewaltigung von Frauen und Faschismus generell?).

Und wieso soll ich den Text löschen? Ich beschreibe, dass mich als Mann etwas stört, das eine Frau tut, weil ich ein Mann bin. Darf das nicht sein? Und wieso nicht? Ist eine Frau nie verantwortlich für das, was sie tut? Sind es immer die Umstände? Wieso gelten da unterschiedliche Maßstäbe? Wieso bin ich als Mann immer voll verantwortlich für das was ich tue, aber eine Frau ist das nicht? Kann eine Frau wirklich nie etwas dafür, egal was sie tut? Kann man das alles wirklich nonchalant auf die (patriarchale) Gesellschaft schieben und den, der eine Sache aktiv tut, von jeder Verantwortung freisprechen?

Natürlich kann man es belächeln, wenn man von dieser Doppelmoral liest. Tat ich bisher auch. Frauen haben irgendeine Sorte von Welpenschutz im Diskurs. Unangreifbar. Ein argumentatives Mithrilhemd, das gegen alle Folgen für eigenes Handeln schützt. Man kann es immer auf die Gesellschaft schieben.

Das ist inzwischen so absurd, dass Frauen in meinem Umfeld beginnen, sich für diese Bigotterie zu schämen, mit der Frauen qua Geschlecht auf ein moralisch unantastbares Podest gestellt werden, auf dem sie nie die Verantwortung für irgendwas tragen und man hingegen den Mann als solchen in der Mainstreampresse, in der Werbung, in Kinofilmen, in der Schule, in den Universitäten oder einfach nur so straflos durch den Kakao ziehen kann ohne dass der etwas dagegen unternehmen darf. Er ist ja schuld an dem ganzen Elend.

Nein, ich leide selber nicht darunter, mein Selbstwertgefühl ist intakt, mein Verhältnis zu Frauen ist gesund, aber ich bin ja auch nicht auf Twitter, auf dem sich die Krieger im Geschlechterkampf gegenseitig ihre kaputten Lebensphilosophien um die Ohren hauen und das auch noch für den Mittelpunkt der Welt halten, obwohl es an der Wirklichkeit von 99 % aller Frauen und Männer vorbei geht.

Dennoch bekomme ich das, was diskutiert wird, mit, wenn es den Weg in die Blogs findet, was oft genug der Fall ist und dann auch immer ganz schnell unappetitlich wird. Die Diskussionen, die dort stattfinden, sind in hohem Maße akademisch, lebensfremd und ich werde auf keinen Fall in Depressionen verfallen, nur weil es als gesellschaftlich akzeptabel dargestellt wird, mir offensiv Brüste ins Gesicht zu hängen während mir als Mann dafür über Bande die Verantwortung zugeschoben wird. Die Zeiten sind so. Das muss man aussitzen. Alles geht vorbei. Ich sterbe davon nicht.

Weniger lustig wird es, wenn Doppelstandards massivere Folgen haben als nur mein persönliches Empfinden und ich lesen muss, dass Frauen in der Rechtsprechung für die gleiche Tat milder als Männer bestraft werden, es also quasi einen Strafrabatt aufgrund des Geschlechts gibt. Wie kann das sein in einem Patriarchat? Ich verstehe es nicht. Und wieso thematisiert das eigentlich niemand? Ist das kein Skandal? Anders herum wäre es einer.

Und dann stellen wir doch bei der Gelegenheit überhaupt einmal die Frage, wieso es eigentlich in der Geschlechterfrage noch mehr solcher Tabus gibt, so lange sie einseitig Männer belasten. Viele Dinge werden gar nicht diskutiert, sondern als gegeben hingenommen. Wieso eigentlich?

Für den oben aufgeführten Strafrabatt im Justizwesen zugunsten von weiblichen Straftätern musste ich tief in die einschlägigen Blogs zu männerrechtlichen Themen abtauchen, woanders wird das gar nicht diskutiert. Der ganze mediale Diskurs im Mainstream wird seit Jahrzehnten von der Frauenfrage dominiert, man ist sich einig, dass Frauen die besseren Manager, die besseren Arbeiter, die besseren Schüler, die besseren Polizisten, die besseren Wissenschaftler und überhaupt fleißiger, intelligenter, teamfähiger, sozialkompetenter, effektiver, gerechter, größer, schneller, weiter und vor allem die besseren Führungskräfte sind. Und im Gegenzug dafür, dass sie in allem besser sind, werden sie immer noch von Neandertalern geknechtet, versklavt und unterdrückt. Schwarz/Weiß ist gar kein Ausdruck. Wieviel Verschwörung darf es sein?

Und auf der anderen Seite stehen die Männer, verlacht, verspottet, ach, sie sind alle so wehleidig, so schwach, so unselbständig, so kaputt, armselig, altmodisch und dumm, heulende dickliche Deppen, zu dämlich zum Kacken, die gar nicht mehr wissen wie man sich die Schuhe zubindet, die unfähig sind, einen Teller abzuspülen und die glatt verhungern würden, hätten sie nicht ihre mannigfaltigen (ha!) Privilegien und ihre perfide eingerichteten gläsernen Decken, mit denen sie den Teil der Gesellschaft, der alles besser kann, an seiner Entfaltung hindern.

Was für ein Weltbild sich da im hegemonialen Diskurs verankert hat, ist erschreckend. Man mag gar nicht mehr hinschauen.

Die Frauenfrage hingegen hat seit vielen Jahren einen ungeheuren medialen Widerhall. Ich kenne den Diskurs schon seit der Mittelstufe aus dem Unterricht frauenbewegter Deutschlehrerinnen, die mich mit 14 Jahren am Beispiel fremdwortdurchzogener Bleiwüsten erörtern ließen wie sich die patriarchal dominierte Gesellschaft überwinden lassen könnte und was Männer dafür tun müssen.

Sprengkraft hat das Thema sowieso. Unter anderem an der Genderfrage ist eine ganze Partei, deren Thema das eigentlich nicht war, zerschellt, Twitter, Blogs und die Meinungsseiten der Holzpresse kauen das Thema wieder und wieder, es findet sich keine ernstzunehmende Partei, die nicht explizit um Frauen wirbt und kaum noch eine Stellenausschreibung kommt ohne den Hinweis aus, dass Frauen bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt werden.

Stellen wir vor diesem Hintergrund einmal eine These in den Raum: Wir haben gar kein Patriarchat mehr.

Und stellen wir doch bei der Gelegenheit noch mehr Fragen, wenn ich schon dabei bin: Wieso gibt es zur Frauenfrage im Mainstream gar keine abweichende Meinung? Wieso stellt niemand mehr kritische Fragen, zum Beispiel ob alles, was in Geschlechterfragen so unternommen und propagiert wird, in dieser Form noch Sinn ergibt? Wieso stellt überhaupt niemand mehr irgendetwas in Frage? Wieso liegt der Mehltau über dem öffentlichen Diskurs? Wo kommt dieser bleierne Konsens her und wem nutzt er?

Ach komm, trauen wir uns doch mal, stellen wir doch einfach ein paar kritische Fragen, ausnahmsweise einmal zugunsten des anderen Geschlechts, ich gehöre ja selber dazu, ich darf das, weil es dabei immer auch um mich geht:

Wieso kann eigentlich ein Täter nach § 183 StGB (Exibitionismus) nur ein Mann sein? Verstößt das nicht gegen den Gleichheitsgrundsatz?

Wieso findet es niemand schlimm, dass Männer eine erheblich geringere Lebenserwartung haben als Frauen und wieso macht niemand etwas dagegen?

Wieso stört sich niemand daran, dass männliche Jugendliche die Bildungsverlierer in den Schulen sind und wieso greift das niemand auf?

Wieso ist es völlig unproblematisch, dass die Erwerbslosenquote bei Männern höher ist als die bei Frauen, während Männer überproportional unter Depressionen aufgrund dieser Erwerbslosigkeit leiden und wesentlich öfter im Zuge der Arbeitslosigkeit mit Sanktionen belegt werden? Wieso kümmert das keinen?

Wieso ist es völlig normal und niemand regt sich darüber auf, dass 80% der Obdachlosen in den Industriestaaten Männer sind? Und warum ist das eigentlich so? Und warum fördert man vor diesem Hintergrund explizit wohnungslose Frauen mit Solidaritätsaktionen? Und ist es nicht eigentlich sexistisch, wenn man das tut? Gibt es wichtige und unwichtige Obdachlose?

Wieso spricht man angesichts von 1.900 kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten und wahrscheinlich noch einmal dreimal so vielen in Unternehmen und Landes- bzw. Bundesbehörden in Deutschland von einer patriarchalen Gesellschaft, die Frauen unterdrückt? Und wieso kann dieses Amt kein Mann ausüben, auch wenn er gewählt werden würde? Und wieso dürfen Männer erst gar nicht mitwählen, wenn doch die Gleichstellungsbeauftragten angeblich für beide Geschlechter zuständig sind?

Wieso gibt es eigentlich nirgendwo eine Aufstellung darüber, wie viele Arbeitsplätze, Gleichstellungsbeauftrage, Genderforscher und C-Professuren die patriarchale Gesellschaft zur Beseitigung der Unterdrückung der Frau zur Verfügung gestellt hat und was das kostet? Und überhaupt: Wieso steht eigentlich nirgendwo, was es genau kostet, drei Gender Studies-Programme an allen drei Berliner Universitäten (inklusive bei den Ingenieurswissenschaften der TU) zu unterhalten?

Wieso wird nach wie vor kritiklos ein Gender Pay Gap von 25% propagiert ohne Faktoren wie Arbeitszeitmodell, Überstunden und Branche zu berücksichtigen? Und wieso findet man Gegenpositionen immer nur in Nischenzeitungen?

Wieso spricht man plötzlich überall nicht mehr von Gleichberechtigung, sondern von Gleichstellung? Wann hat das angefangen? Und warum erklärt mir niemand den Unterschied? Gibt es einen?

Wieso spricht unsere Schuldirektorin in ihrer Rede vor dem Abschlussjahrgang über die besten fünf Absolventen, von denen „leider nur zwei weiblich“ sind? Und welche Botschaft wird damit vermittelt?

Wieso macht man sich über Boris Becker lustig, wenn er öffentlich macht, dass er von seiner Frau geschlagen wurde? Ist das nicht strenggenommen Victim Blaming, das man offenbar immer nur dann furchtbar findet, wenn es eine Frau trifft?

Und dazu passend: Warum dürfen Frauen eigentlich in Film und Fernsehen permanent Männern ins Gesicht schlagen und alle finden das witzig oder zumindest nicht schlimm? Was wird damit für ein Bild transportiert? Ist es keine Gewalt, wenn es einen Mann trifft?

Warum interessiert sich überhaupt niemand für die unzähligen Studien, in denen Frauengewalt und deren Folgen thematisiert werden?

Und warum werden eigentlich alle Nischenblogs, die diese Fragen stellen, so engagiert beschrien und begeifert? Wieso ist es denn plötzlich nicht mehr in Ordnung, Fragen zu stellen? Meinungsfreiheit, Pluralismus? Gilt das noch? Oder kann man mit dem Schlagwort Derailing jede Diskussion beenden? Soll man letztendlich gar nicht mehr diskutieren, sondern nur noch schlucken?

Ich habe Probleme damit, zu glauben, dass wir in diesem Land immer noch ein Problem mit struktureller (!) Unterdrückung von Frauen haben, denn wenn darüber diskutiert wird, welche geschlechtsspezifischen Auswirkungen die Energiewende hat, ob Tischmikrofone vorsätzlich frauenfeindlich eingestellt werden und ob es eine Quotenregelung im Angelsport geben soll, haben wir die Gleichberechtigung inzwischen so sehr erreicht, dass jetzt schon völlig abseitige Regelungsfelder gefunden werden müssen, um die eigene Existenz zu rechtfertigen, weil es im Grunde gar kein Problem mehr mit der Chancengleichheit gibt.

Im Zuge der Freude an Regeln werden sie auch ihre Quote für Aufsichtsräte bekommen, die privilegierten weißen Frauen der Oberklasse (und nur um die geht es, niemand hat alleinerziehende Mütter und Väter aus Mittelschicht und Prekariat auf der Agenda). Und weitere Quoten werden folgen. Quoten für Vorstände. Direktorenklüngel. Gremien. Rundfunkräte. Ministerposten. Vielleicht auch für die Fußball-Nationalmannschaft oder wenigstens als Rotation für die Bundestrainerschaft. Jeder zweite Bundestrainer muss weiblich sein oder so. All das geht jetzt los. Meinetwegen. Es betrifft mich nicht. Vorstandsposten haben mich noch nie betroffen und 99,999 % aller Frauen geht das genauso, ebenso wie bisher 99,999 % aller Männer nichts davon haben, dass den Vorstandvorsitz bei der Deutschen Bank, bei ThyssenKrupp oder bei Daimler Benz aktuell ein Mann inne hat. Spielt gar keine Rolle. Das da oben ist gar nicht unsere Welt, ihr Frauen und Männer von der Mitte bis unten, und es ist erst recht nicht die Auseinandersetzung, um die es in Wirklichkeit geht.

Nein, strukturell hindert Frauen nichts mehr daran, den Weg zu gehen, den sie wollen. Kein Mann hat bessere Chancen als eine Frau, nach oben zu kommen, nur weil ihm ein Penis zwischen den Beinen hängt. Kein System hierzulande leistet sich mehr irgendwelche Barrieren für Frauen, keine gesellschaftlichen, keine moralischen und religiöse erst recht nicht. Im Gegenteil finden wir Frauenförderung bis in die letzten Nischen: Girlsdays von der Polizeieinsatzleitung über die Feuerwehr bis zu den Führerständen der BVG-Straßenbahnen. Frauenförderung in den Ingenieurswissenschaften. In der IT. Maschinenbau. Elektrotechnik. Die letzten Reste des Mittelalterrollenbilds bestehen nur noch aus Einzelfällen, Dinosauriern, die auch bald aussterben, so wie die blasierten Patriarchen in einzelnen Familienbetrieben, die ihr Unternehmen nach dem Weltbild der 50er führen, die katholische Kirche, narbengesichtige Burschenschaften mit drolligen Mützen oder meinetwegen auch diese alten Vorstandsvorsitzendenzombies aus der Gruft der wenigen Großfamilien, die dieses Land kontrollieren.

Doch auch das bröselt gerade munter vor sich hin. Nicht einmal die CSU kann heutzutage mehr ohne Rücksicht auf Fraueninteressen geführt werden ohne sich nachhaltig ins Abseits zu stellen. Wie alle, die in diesem Land Erfolg haben wollen. Die Zeiten sind vorbei. Ohne Frauen geht heute nichts mehr.

Was dann noch übrig bleibt, sind Patienten, die mit allen Mitteln verfolgt und möglichst therapiert gehören: Vergewaltiger, Kinderficker, Schläger, Mörder – eine antisoziale Minderheit, die es genauso wie die Gewalt immer geben wird.

Noch einmal: Ich glaube nicht, dass es noch ein Patriarchat gibt. Ich sehe immer mehr starke Frauen und im Gegenzug immer mehr zahme Männer. Ich glaube, es wird sich mittelfristig austarieren und dann haben wir ein einigermaßen vernünftiges Verhältnis. Was davor läuft, sind Geburtswehen einer neuen Zeit, so wie der Geschlechterkrieg einer Handvoll Twitterkrieger, der sich an Nichtigkeiten wie Mikrofonen, Angeln und dem generischen Femininum in Universitätssatzungen festmacht und deren Protagonisten von sich selbst besoffen auf den Teil unserer Gesellschaft eintreten, der im Moment in der Defensive ist. Dieser ganze Hass auf das jeweils andere Geschlecht ist überflüssig, öde, sinnlos und in der gegenwärtigen Situation sogar gefährlich, weil er ablenkt vom eigentlichen Krieg dieser Zeit, der unbemerkt weiter läuft und den ich schlimmer finde als alle anderen Auseinandersetzungen:

„There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.“ (Warren Buffett)

Um den Kreis zu schließen (und weil ich des Themas langsam müde bin), komme ich noch einmal auf den Aufhänger zurück: Heute muss niemand mehr Männern Brüste ins Gesicht hängen, um als Frau weiter zu kommen. Diese Zeiten sind vorbei. Keine Ahnung, ob das mal so war, aber es ist Unsinn, immer noch zu behaupten, das sei notwendig. Die wenigsten Männer wollen das. Nochmal: Diese Zeiten sind vorbei. Und ich finde das ausdrücklich gut.


 

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